Anschlag in Straßburg Terrorismusexperte warnt vor "dschihadistischen Trittbrettfahrern"

Nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnten weitere, ähnliche Terrorattacken drohen, warnt der Terrorismusexperte Peter Neumann. Foto: imago/ZUMA PressNach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnten weitere, ähnliche Terrorattacken drohen, warnt der Terrorismusexperte Peter Neumann. Foto: imago/ZUMA Press
Elyxandro Cegarra

Osnabrück. Der Anschlag von Straßburg hat die Gefahr des islamistischen Terrors wieder zurück in die Köpfe gebracht. Werden weitere Taten folgen? Das ist durchaus möglich, befürchtet der Terrorexperte Neumann - wegen Nachahmern.

Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg hat der Terrorismusexperte Peter Neumann vor weiteren, ähnlichen Terrorattacken auch in anderen Ländern gewarnt. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Neumann: „Auf einen Anschlag folgt oft ein ähnlicher Anschlag. Das liegt daran, dass eine Tat andere dschihadistische Trittbrettfahrer inspiriert.“ 

Lesen Sie hier den Liveticker zu dem Anschlag

Anschlag von Nizza als Beispiel

Aus Sicht des Terrorismusexperten, der am King’s College in London arbeitet, sind deshalb die Monate nach einem Anschlag oft die gefährlichsten. So habe der Terroranschlag von Nizza im Juli 2016, als ein Islamist mit einem Lastwagen durch eine Menschenmenge auf der Strandpromenade fuhr und mehr als 80 Menschen tötete, andere Islamisten zu weiteren Anschlägen mit der Tatwaffe Auto inspiriert. Neumann sagte: „Oft sind das Leute, die sich bis dato nicht zu einer Tat durchringen konnten und dann zum Trittbrettfahrer werden. Diese Dynamik fürchten die Sicherheitsbehörden besonders.“

"Ernste Bedrohungslage"

Insgesamt habe die Zahl der Anschläge in Europa seit dem vergangenen Jahr abgenommen. „Das Tempo der Anschläge ist gesunken, weil die Netzwerke des IS nach dessen Zusammenbruch in Syrien und dem Irak nicht mehr viele neue Leute rekrutieren“, sagte Neumann und fügte hinzu: „Die Zahl der Neumitglieder und potenziellen Attentäter nimmt daher ab.“ Dennoch herrsche in Europa „nach wie vor eine relativ ernste Bedrohungslage“.

Innenministerium: Bedrohungslage unverändert

Das Bundesinnenministerium schätzte die Lage anders an und erklärte, die Bedrohungslage habe sich nicht verändert. Weihnachtsmärkte stünden ohnehin im besonderen Fokus der Sicherheitsbehörden, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Es gebe keinen Anlass auf den Besuch eines Weihnachtsmarktes zu verzichten. 

Gemeinsame Datenbank nötig

Neumann forderte von Deutschland und anderen EU-Ländern, eine gemeinsame Datenbank aufzubauen, in der alle bekannten terroristischen Gefährder erfasst werden und die von allen nationalen Sicherheitsbehörden in Europa genutzt werden könne. Neumann sagte: „Das ist bisher ein großes Manko, das Menschenleben kostet. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssen Druck machen, damit alle Fahnder in Europa zu jederzeit über Terroristen Bescheid wissen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN