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740.000 Tiere unmittelbar getötet Tierversuche: Wissenschaftler nutzten fast 2,8 Millionen Tiere

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Ein Rhesus-Affe mit einem Implantat  im Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Foto: Marijan Murat/dpaEin Rhesus-Affe mit einem Implantat im Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Foto: Marijan Murat/dpa

Osnabrück. Fast 2,8 Millionen Tiere sind im vergangenen Jahr für Tierversuche verwendet oder für wissenschaftliche Zwecke unmittelbar getötet worden. Besonders die Zahl der eingesetzten Affen ist gestiegen.

In Deutschland sind im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Tiere für Tierversuche verwendet worden. Weitere fast 740.000 Tiere wurden für wissenschaftliche Zwecke getötet. Das hat die Bundesregierung an die EU-Kommission gemeldet.


Laut Bundeslandwirtschaftsministerium bewegen sich die Werte auf dem Niveau des Jahres 2016. Am häufigsten setzen Wissenschaftler Mäuse mit insgesamt 1,37 Millionen Tieren ein. 

Foto: Jan-Peter Kasper/dpa

Es folgten 255.000 Ratten und 240.000 Fische. Hinzu kamen aber auch 3300 Hunde und 718 Katzen. Deutlich gestiegen ist indes die Zahl der verwendeten Affen. Sie lag im vergangenen Jahr bei 3472 Tieren, 2016 waren es noch 2462.  

Regierung will Zahlen senken

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte unserer Redaktion: „Ich will, dass die Zahl der Tierversuche kontinuierlich gesenkt wird. Tiere sind Mitgeschöpfe. Sie verdienen unser Mitgefühl.“ Dort wo Experimente an Tieren unerlässlich seien, müsse weiter an Alternativen geforscht werden, so die CDU-Politikerin. Ihr Ministerium fördere solche Alternativen finanziell. 

Die Grünen im Bundestag kritisierten das als ungenügend. Renate Künast, tierschutzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, sagte: „Wir brauchen jetzt eine klare Ausstiegsstrategie.“ Der Deutsche Tierschutzbund verwies darauf, dass Union und SPD eine Senkung der Tierversuchszahlen in den Koalitionsvertrag geschrieben hatten. Zumindest bei Affen sei 2017 aber das Gegenteil passiert. Verbandspräsident Thomas Schröder sagte: „Die Koalition droht offenbar erneut krachend bei einem Tierschutzziel zu scheitern.“

740.000 Tiere getötet

 Laut Bundesregierung wurden 50 Prozent der Tiere im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Bei 27 Prozent ging es um die Herstellung oder Überprüfung von Medikamenten. Weitere 15 Prozent nutzten die Wissenschaftler unmittelbar zur Erforschung von Krankheiten bei Menschen und Tieren. Rund 740.000 Tiere wurden ohne vorherige Tests getötet. Nach Angaben des Ministeriums stand in diesen Fällen die Nutzung von Organen oder Zellmaterial im Vordergrund.

Wissenschaftler Stefan Treue erinnerte daran, dass Tierversuche nur dann genehmigt werden, wenn es keine Alternative gibt. Der Leiter des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen sagte, bei Affen gelte zudem die Hürde, dass keine anderen Tiere für den Versuch in Frage kämen. Treue warnte: „Auch solche Tierversuche zu verbieten, würde bedeuten, auf den entsprechenden medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt zu verzichten.“

Das Primatenzentrum unterhält eine Zucht von etwa 1000 Affen. 

Foto: Stefan Rampfel dpa

Die Nachkommen werden überwiegend für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Tiere in freilebender Wildbahn zu fangen, ist nicht erlaubt. Das gilt in Deutschland auch für den Einsatz von Menschenaffen wie Schimpansen, Orang-Utans oder Gorillas. Zuletzt wurden sie 1991 für wissenschaftliche Zwecke verwendet. 

Primaten kämen immer dann zum Einsatz, wenn eine gewisse Ähnlichkeit zum Menschen für den Versuch erforderlich sei, so Treue. „Etwa bei Infektionserkrankungen oder Hirnfunktionen. Denn das Immunsystem und das Gehirn des Affen kommt dem des Menschen am nächsten.“

Deutsche Vorschriften unzureichend?

Auf europäischer Ebene hat Deutschland derzeit Ärger wegen seiner Tierversuche. Die EU-Kommission wirft der Bundesrepublik vor, die entsprechende Richtlinie aus Brüssel unzureichend in deutsches Recht umgesetzt zu haben. Die alte Bundesregierung hatte das zunächst bestritten. Zuletzt hatte Berlin aber nach unserer Redaktion vorliegenden Dokumenten eingelenkt und rechtliche Nachbesserungen angekündigt.


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