Muslime in Deutschland Mehr als 570 Angriffe auf Muslime und Moscheen seit Jahresbeginn

Von Januar bis September gab es in Deutschland 570 islamfeindliche Anschläge. Foto: Sebastian Kahnert/dpaVon Januar bis September gab es in Deutschland 570 islamfeindliche Anschläge. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Osnabrück. Meistens sind es Rechtsextremisten, die Muslime beleidigen oder Moscheen beschmieren. In diesem Jahr hat es bislang mit 570 Straftaten weniger islamfeindliche Übergriffe gegeben als 2017. Die Linke fürchtet aber wieder einen Anstieg

Die Zahl der Anschläge auf Muslime und muslimische Einrichtungen liegt in diesem Jahr mit mehr als 570 bislang niedriger als 2017. Allerdings wurden bei den Übergriffen mehr Menschen verletzt. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Von Januar bis September zählten die Behörden 578 Angriffe auf Muslime, Moscheen und andere Einrichtungen in Deutschland. Das ist deutlich weniger als in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 mit rund 780 islamfeindlichen Straftaten. In beinahe allen Fällen sei davon auszugehen, dass es sich bei den Tätern um Rechtsextremisten handele.

Zahlen könnten noch steigen

Im dritten Quartal lag die Zahl mit 190 Straftaten auf dem Niveau der Vorquartale. Jedoch ist noch mit Nachmeldungen zu rechnen. Zumeist handelte es sich um Beleidigungen und Beschimpfungen, aber es kam auch zu Nötigungen. Die Beamten registrierten zudem Sachbeschädigung und Schmierereien. Zum Schaden liegen keine Angaben vor.

Mehr Verletzte

Allerdings wurden in diesem Jahr bereits 40 Personen bei Übergriffen verletzt, wie das Innenministerium berichtet. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als im gleichen Zeitraum 27 und im Gesamtjahr insgesamt 32 Verletzte gemeldet wurden. Der Tatort Moschee wird von der Statistik inzwischen nicht mehr getrennt ausgewiesen.

Linke fürchtet Anstieg

Die Linke sieht keinen Anlass für Entwarnung und fürchtet, dass der kontinuierliche Rückgang seit Herbst vergangenen Jahres unterbrochen ist. Da für das dritte Quartal noch 50 bis 70 Nachmeldungen zu erwarten seien, könnte es im dritten Quartal wieder einen Zuwachs islamfeindlicher Straftaten gegeben haben, sagt die innenpolitische Expertin der Linken, Ulla Jelpke, die die Anfrage gestellt hatte. Jelpke sagte: „Das dürfte auch den bundesweit ausstrahlenden Schockwellen der rechtsextremen Krawalle von Chemnitz geschuldet sein.“

Ihrer Ansicht nach hat sich der Umgang mit Muslimen auch im politischen Bereich verschlechtert: „Muslime werden gedemütigt, ausgegrenzt und der Islam als nicht zu Deutschland gehörig betrachtet.“ Jelpke forderte, dem etwas entgegen zu setzen und sagte: „Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Hetze gilt es in gleichem Maße entgegenzutreten, wie Antisemitismus und anderen Formen von Rassismus.“

Muslimverband spricht von großem Dunkelfeld

Der Zentralrat der Muslime geht davon aus, dass die Statistik nicht alle Delikte erfasst und die Wirklichkeit nur in Teilen abbildet. Nach Einschätzung des Verbandes gibt es ein großes Dunkelfeld, weil Betroffene häufig keine Anzeige erstatteten oder bei Polizei und Staatsanwaltschaft nicht richtig eingeordnet würden.

Das Bundesinnenministerium erfasst erst seit Beginn des Jahres 2017 Daten zu islamfeindlichen Straftaten, deshalb gibt es keine Vergleichswerte für das Vorjahr.



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN