Terroralarm in Frankreich Anschlag in Straßburg: Was wir wissen – und was nicht

Von dpa

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Ein Soldat der "Operation Sentinelle" kontrolliert in der Nähe des Straßburger Münsters die Lage. Noch sind einige Fragen offen. Foto: dpa/AP/Jean Francois BadiasEin Soldat der "Operation Sentinelle" kontrolliert in der Nähe des Straßburger Münsters die Lage. Noch sind einige Fragen offen. Foto: dpa/AP/Jean Francois Badias 

Straßburg. Die französische Polizei fahndet noch nach dem Mann, der am Dienstagabend in einer belebten Einkaufsstraße inmitten des Weihnachtsmarktes von Straßburg das Feuer auf Passanten eröffnet und dann die Flucht ergriffen hat. Was wir bisher über den Vorfall wissen und welche Fragen noch offen sind.

Bei einem mutmaßlichen Terroranschlag in Straßburg sind am Dienstagabend drei Menschen getötet und 13 verletzt worden. In den sozialen Netzwerken verbreiten sich Falschmeldungen und hetzerische Spekulationen. Ein Überblick über den bisherigen Kenntnisstand laut den Behörden:

Was wir wissen:

Die Tat: Am Dienstagabend eröffnete ein Mann in der weihnachtlich geschmückten Straßburger Innenstadt das Feuer. Dabei werden drei Menschen getötet und dreizehn weitere verletzt. Medienberichten zufolge soll es sich bei der Tatwaffe um ein automatisches Gewehr handeln. 

Der Täter: Der mutmaßliche Angreifer ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein französischer Staatsbürger aus Straßburg mit nordafrikanischen Wurzeln. Der 29-Jährige Chérif C. wurde nach Kenntnis der deutschen Justiz bereits wegen etlicher Diebstähle in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland verurteilt. Vom Amtsgericht Singen wurde er wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und war in Deutschland in Haft. Nach dem Verbüßen der Strafe wurde er im Jahr 2017 nach Frankreich abgeschoben.

In dem Urteil aus Singen heißt es, der Mann sei zusammen mit sechs Geschwistern im Elternhaus in Straßburg aufgewachsen, habe einen dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss, aber keine Ausbildung gemacht. Nach der Schule habe er bei der Gemeinde gearbeitet, seit 2011 sei er arbeitslos gewesen und nach eigener Aussage viel gereist. Schon vor seiner Verurteilung in Singen habe er insgesamt vier Jahre in Gefängnissen verbracht.

Nur Stunden vor den Schüssen waren Medienberichten zufolge bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am Dienstagmorgen Granaten gefunden worden. Eigentlich hätte der Mann am Dienstagmorgen wegen eines versuchten Tötungsdelikts verhaftet werden sollen. Er befindet sich derzeit auf der Flucht.

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Der Innenminister Christophe Castaner reiste in der Nacht nach Straßburg. Foto: imago/PanoramiC/Elyxandro CEGARRA

Das Umfeld: Die Sicherheitsbehörden gehen nach dpa-Informationen davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter von Straßburg zusammen mit seinem 34 Jahre alten Bruder Sami C. auf der Flucht ist. Beide gelten demnach als islamistisch radikalisiert. Laut Berliner "Tagesspiegels" wohnten sie in Straßburg. Die Brüder würden dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte der Zeitung.

Die Opfer: Eines der Todesopfer ist ein Tourist aus Thailand. Laut dem Außenministerium in Bangkok handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann, der zusammen mit seiner Frau zu einem Urlaub in Frankreich war. Nach Medienberichten starb er durch einen Schuss in den Kopf. Acht Menschen wurden schwer, fünf weitere leicht verletzt. Unter den Verletzten ist auch ein italienischer Radiojournalist, wie ein Sprecher des Außenministeriums der dpa bestätigte. Nach jetziger Kenntnis des Auswärtigen Amtes sind keine Deutschen unter den Opfern.

Was wir nicht wissen

Der Täter: Der Aufenthaltsort des Täters ist nicht bekannt. Die französische Regierung schließt nicht aus, dass der Straßburger Attentäter nach Deutschland geflüchtet sein könnte. Die Bundespolizei kontrollierte mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich.

Deutsche Polizisten kontrollieren an der Deutsch-Französischen Grenze in Kehl alle Fahrzeuge, die aus Straßburg heraus fahren. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Das Motiv: Obwohl Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen im Fall des Anschlags in Straßburg übernommen haben, will sich das französische Innenministerium nicht auf ein terroristisches Motiv des Täters festlegen. Eine terroristischer Hintergrund sei im Moment noch nicht sicher, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez am Mittwochmorgen. Der mutmaßliche Täter sei zwar polizeibekannt gewesen, allerdings bisher nicht im Zusammenhang mit Terrorismus. Er sei mehrfach im Gefängnis gewesen und dort sei auch eine Radikalisierung festgestellt worden. Zuvor war bekannt geworden, dass der Täter auf der Sicherheitsakte "Fiche S" geführt worden sei – einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein.

Das Motiv für den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnte auch Rache gewesen sein, heißt es in Sicherheitskreisen. Möglicherweise habe der 29-Jährige auf den Versuch seiner Festnahme durch die Polizei in Straßburg spontan reagiert. Den französischen Sicherheitsbehörden sei keine Vorbereitung eines Anschlags in Straßburg bekannt gewesen.

Die Opfer: Die Identität der weiteren Todesopfers war zunächst nicht bekannt. 


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