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10.12.2018, 18:26 Uhr 164 STAATEN BESIEGELN ABKOMMEN

Migrationspakt: Es geht um 258 Millionen Menschen

Von Uwe Westdörp


Ein Migrant aus Guinea sitzt vor dem Zelt, in dem er im Lager Ouled Ziane in Casablanca, Marokko lebt.  Foto: Mosa’ab Elshamy/AP/dpaEin Migrant aus Guinea sitzt vor dem Zelt, in dem er im Lager Ouled Ziane in Casablanca, Marokko lebt. Foto: Mosa’ab Elshamy/AP/dpa

Osnabrück. Auf einem Gipfel in Marrakesch haben 164 Staaten den UN-Migrationspakt angenommen, darunter Deutschland. Mindestens zehn Länder zogen dagegen ihre Unterstützung zurück. Das ist höchst bedauerlich, denn die globale Herausforderung Migration bedarf einer globalen Antwort. Ein Kommentar.

Der UN-Migrationspakt ist besiegelt – und nun? Jetzt kommt es darauf an, dass alle Staaten, die zugestimmt haben, den großen Worten möglichst schnell Taten folgen lassen. Denn die Zeit drängt. Es ist überfällig, Migration besser zu koordinieren und zu lenken. Es geht um staatliche Souveränität und – mindestens genauso wichtig – um das Schicksal von 258 Millionen Menschen. Viele von ihnen leiden Not, und nicht wenige geraten in große Gefahr. 60 000 tote Migranten seit dem Jahr 2000 sind eine traurige Bilanz.

Schon die Dimension der Herausforderung zeigt: Es ist eine globale Aufgabe, Fluchtursachen zu beseitigen, illegale Schleuser zu stoppen und legale Einwanderung fair für alle Beteiligten zu gestalten. Mehr Ordnung, mehr Sicherheit, aber auch mehr Humanität und Wohlstand wird es nur geben, wenn viele Staaten gemeinsam agieren.

Nationalismus, wie er auch in Europa um sich greift, ist dagegen keine Lösung für die großen Probleme unserer Zeit. Das gilt für die Migration genauso wie für den Klimaschutz. Wenn alle nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind, bricht die Zusammenarbeit letztlich zusammen – zum Schaden aller. Der UN-Migrationspakt ist deshalb auch eine Probe, ob bewährte Lösungsmodelle noch funktionieren oder es einen Rückfall in Egoismus und Konfrontation gibt.


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