Gespräch mit Politikwissenschaftler "Gelbwesten"-Krawalle in Frankreich: Droht Deutschland ein ähnliches Szenario?

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Die Proteste in Frankreich liefen teilweise völlig aus dem Ruder. Foto: dpa/Claude ParisDie Proteste in Frankreich liefen teilweise völlig aus dem Ruder. Foto: dpa/Claude Paris 

Hamburg. In Frankreich sorgten die "Gelben Westen" für gewaltsame Ausschreitungen. Ob Deutschland ein ähnliches Szenario droht, schätzt ein Experte ein.

In Frankreich sorgen die Demonstrationen der "Gelben Westen" aktuell jedes Wochenende für Krawalle und damit verbundenes weltweites Aufsehen. Die Bewegung findet inzwischen auch in Belgien und den Niederlanden tausendfach Sympathisanten –  hier kam es am vergangenen Wochenende ebenfalls zu Demonstrationen. 

Video: Proteste der Gelbwesten - Was steckt dahinter?

Parallele zu Pegida

In Deutschland begrenzt sich der uniformierte Widerstand noch auf vereinzelte Protestaktionen und Facebookgruppen – dort jedoch sehr engagiert. Mehr als 50.000 Menschen haben sich in den zwei größten Gruppen zusammengefunden. 

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Eine Parallele zur Pegida-Bewegung, die ebenfalls von einer Facebook-Gruppe ausging und von dort aus den Anstoß für diverse Demonstrationen gab. Ob Deutschland mit den "Gelben Westen" eine zweite Pegida-Bewegung droht und die Proteste hierzulande ähnlich gewaltsam wie im Nachbarland ablaufen könnte, analysiert Hans Vorländer, Politikwissenschaftler an der TU Dresden. 

Vorländer kennt die Pegida-Bewegung sowie deren Entstehung sehr gut. Sie habe das rechte Feld in Deutschland bereitet, sagt er. Grundsätzlich sei es inzwischen ein gängiges Muster solcher Bewegungen, zunächst über Facebookgruppen zu polarisieren und anschließend auf die Straße zu gehen. 

Uneinigkeit in deutschen Gruppen

Welche Dynamik die "Gelben Westen" in Deutschland noch annehmen, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer abschätzen, meint Vorländer: "In Frankreich waren es spontane Aktionen, die aus der gesellschaftlichen Mitte heraus entstanden sind. Nun wurden diese von rechten sowie linken Gruppierungen für deren politische Zwecke unterwandert und extremisiert. Dass es auch in Deutschland zu vereinzelten Aktionen kommen kann, halte ich für wahrscheinlich. Ob sich dieses Ausmaß an gewaltsamen Protesten jedoch auf Deutschland überträgt, würde ich infrage stellen." 

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Die Dimension der Gewalt ist auch in den deutschen Facebookgruppe der "Gelben Westen" ein großes Thema. Während sich einige von den selbsternannten Systemgegnern nicht mit den gewaltsamen Protesten identifizieren können und deshalb ihren Rückzug aus der Gruppe ankündigen, fordern andere genau diese Mittel einzusetzen, um sich Gehör zu verschaffen. Nur so könne es gehen, lautet der Tenor. 

"In Deutschland ist das anders"

Für Vorländer ist das jedoch keine Frage der Mentalität, sondern des politischen Systems: "Frankreich hat ein zentralistisches System, mit einem Präsidenten, der keine Parteien, Verbände oder Gewerkschaften hinter sich hat. In Deutschland ist das anders." Zudem seien die Franzosen traditionell anarchischer veranlagt als Deutsche. "Zentralistische Führung von oben, anarchischer Protest von unten – das zieht sich durch die gesamte französische Geschichte", ergänzt der Politikwissenschaftler. 

Beleg für Vorländers Aussage lassen sich auch in den Facebookgruppen zuhauf finden. Viele der Gruppenmitglieder sind ob der Gruppengröße (nahezu 30.000) enttäuscht über die spärliche Beteiligung an geplanten Protestaktionen. 


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