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10.12.2018, 16:42 Uhr KOMMENTAR ZUM BAHNSTREIK

Macht der Gewerkschaften: Warum Weselsky so zahm ist

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Am Bahnhof gestrandet, wie hier in Osnabrück, sind am Montag viele Reisende und Pendler. Der vierstündige Ausstand der EVG entfaltete große Wucht. Foto: Michael GründelAm Bahnhof gestrandet, wie hier in Osnabrück, sind am Montag viele Reisende und Pendler. Der vierstündige Ausstand der EVG entfaltete große Wucht. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der vierstündige Bahnstreik am Montag (10.12.) hat Millionen von Pendlern und Reisenden getroffen, der Unmut der Kunden war groß. Die Bahngewerkschaft EVG hat ihre Fähigkeit zum Arbeitskampf überdeutlich gemacht, und das zeigt Wirkung: Ab Dienstag sitzen die Tarifpartner wieder am Verhandlungstisch. Ein Kommentar.

Darf eine kleine Berufsgruppe ein ganzes Land mit ihrem Streik in Geiselhaft nehmen, nur weil sie es kann? Diese Frage hat der Gesetzgeber schon 2015 mit dem Tarifeinheitsgesetz geregelt – übrigens seinerzeit als Reaktion auf die nervigen Streiks der Mini-Gewerkschaft der Lokführer von Claus Weselsky, der die besondere Macht dieser Berufsgruppe ausgenutzt und die Republik lahmgelegt hatte, um für seine Mitglieder tarifliche Extrawürste zu braten. 

Mit dem Tarifeinheitsgesetz ist seither geregelt, dass die jeweils größte Gewerkschaft mit dem Arbeitgeber verhandelt und das deren Verhandlungsergebnis im Zweifel andere Verhandlungsergebnisse kleiner Gewerkschaften verdrängt. Das erklärt den ungewohnt zahmen Auftritt von Weselsky im aktuellen Tarifkonflikt – allerdings ist die GDL auch an eine Vereinbarung gebunden, derzufolge sie erst nach einem Schlichtungsverfahren streiken darf.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hingegen vertritt mit 160 000 Beschäftigten die große Masse der Bahnmitarbeiter. Und wenn die EVG der Meinung ist, ihren Forderungen mit einem Streik Nachdruck verleihen zu müssen, dann ist das ein ganz normaler Teil einer ganz normalen Tarifverhandlung. Immerhin sind die Zeiten, in denen kleine Gruppen wie Lokführer, Piloten oder Ärzte das große Ganze lahmlegen konnten, zum Glück vorbei.


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