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07.12.2018, 17:54 Uhr KOMMENTAR

Bürgerprotest in Frankreich muss Berlin eine Warnung sein

Von Thomas Ludwig


Leicht entflammbar: Die Wut der Franzosen richtet sich gegen die Staatsmacht. Bei Protesten von Studenten kam es zuletzt wieder zu Krawallen. Foto: Julien Mattia/ imago/Le PictoriumLeicht entflammbar: Die Wut der Franzosen richtet sich gegen die Staatsmacht. Bei Protesten von Studenten kam es zuletzt wieder zu Krawallen. Foto: Julien Mattia/ imago/Le Pictorium

Osnabrück. Die Gelbwesten in Frankreich machen mobil. Zehntausende Polizisten sollen ein Krawall-Wochenende im Land verhindern. Frankreichs Staatspräsident hat das zerstörerische Potenzial der Bürgerproteste im Land sträflich unterschätzt.

Vielleicht ist es mangelnde Erfahrung, vielleicht aber auch ein Übermaß an Selbstherrlichkeit – in jedem Fall hat Frankreichs Staatspräsident das zerstörerische Potenzial der Bürgerproteste im Land sträflich unterschätzt.

Dabei müsste es Macron besser wissen. Schließlich hat Emmanuel Macron das politische Establishment mit seiner Bewegung „En Marche“ in den Staub befördert wie keiner vor ihm. Nun hat der Menschenfänger offenbar das Gespür für die Bedürfnisse der Menschen verloren.

Nutznießer der Krise sind die extremen Kräfte am rechten und linken Rand. Vor zwei Jahren war das Aufatmen in der EU groß, als Macron die Rechtspopulistin Marine Le Pen bei den Wahlen in die Schranken wies; er diente als lebender Beweis dafür, dass sich mit einer proeuropäischen Politik Wahlen gewinnen lassen. Inzwischen ist der Mythos von Macron als Heilsbringer verflogen, und das ausgerechnet ein knappes halbes Jahr vor den Europawahlen.

Macrons Reformpolitik sollte das Land nach vorn bringen. Weil er aber den „kleinen Mann“ dabei nicht mitgenommen hat, fliegt sie ihm nun um die Ohren. Bei den Europawahlen droht die Quittung – zugunsten von Populisten und Europaskeptikern. Mittelfristig scheint sogar eine Präsidentin Le Pen nicht mehr undenkbar.

Die Vorgänge in Frankreich müssen Deutschland und der EU Warnung sein.


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