Weltweite Rüstung Trump und Putin treiben weltweite Waffenverkäufe in die Höhe

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Russische  S-400 Triumf-Raketen im Ostukraine-Konflikt: Moskau rüstet massiv auf und überholt mit seinen Waffenverkäufen Großbritannien. Foto: Sergei Malgavko/TASSRussische S-400 Triumf-Raketen im Ostukraine-Konflikt: Moskau rüstet massiv auf und überholt mit seinen Waffenverkäufen Großbritannien. Foto: Sergei Malgavko/TASS

Osnabrück. Die weltweiten Rüstungsverkäufe ziehen laut dem Stockholmer Forschungsinstituts Sipri deutlich an. Die Hilfsorganisiation Brot für die Welt bezeichnet die Entwicklung als skandalös. Sie mache die Entwicklungszusammenarbeit in weiten Teilen zunichte.

Im vergangenen Jahr haben die weltweit einhundert größten Rüstungsunternehmen Militärgüter und -dienstleistungen im Wert von 398,2 Milliarden Dollar verkauft. Das geht aus einer Zusammenstellung hervor, die das Internationale Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri an diesem Montag vorstellen wird und die unserer Redaktion vorliegt. Damit liegt der Verkauf von Rüstungsgütern gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent höher. Anfang des Jahrtausends lag die Zahl fast um die Hälfte niedriger. Deutschlands vier größte Rüstungskonzerne steigerten ihre Verkäufe im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Zahlen chinesischer Unternehmen erhebt Sipri angesichts lückenhafter Daten nicht.


Die Entwicklung ist ein Skandal angesichts der Tatsache, dass Kriege und Konflikte – neben dem Klimawandel – als die größten Armutstreiber weltweit gelten. Entwicklungshilfe könnte mehr Wirkung erzielen, wenn Gewaltkonflikte nicht fortlaufend ihre Ergebnisse zerstören würden.Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt


Die Präsidentin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, bezeichnete die Entwicklung als "Skandal angesichts der Tatsache, dass Kriege und Konflikte – neben dem Klimawandel – als die größten Armutstreiber weltweit gelten". Weiter sagte sie unserer Redaktion: "Entwicklungshilfe könnte mehr Wirkung erzielen, wenn Gewaltkonflikte nicht fortlaufend ihre Ergebnisse zerstören würden". Die Bundesregierung müsse sich "minimal an ihre selbstgesetzten Grundsätze halten und keine Rüstungsgüter mehr in Kriegs- und Krisengebiete und an Staaten, die Menschenrechte verletzen, exportieren". Die Brot für die Welt-Präsidentin kritisierte die deutsche Rüstungsexportkontrolle als "zu schwach". Zudem finde keine effektive Endverbleibskontrolle der exportierten Waffen statt". Deutschland zählt weiterhin zu den fünf größten Rüstungsexporteuren. 

Auch der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion hält die Entwicklung für gefährlich. "Das letzte, was die Welt, derzeit braucht, sind mehr Waffen", sagte Omid Nouripour unserer Redaktion. Die Zahlen von Sipri seien auch deshalb so beunruhigend, "weil sie mit einer Erosion multilateraler Strukturen einhergehen. Wir brauchen heute mehr internationale Zusammenarbeit, statt Aufrüstung und nationale Alleingänge", mahnte Nouripour an. 

Mit 42 börsennotierten Unternehmen dominieren die in den USA ansässigen Unternehmen auch 2017 die Top 100. Deren Waffenverkauf entsprach demnach 226,6 Milliarden Dollar, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Anteil von 57 Prozent an den Waffenverkäufen der 100 wichtigsten Rüstungsunternehmen weltweit. Allein unter den Top-Ten sind fünf US-Unternehmen. „US-Unternehmen profitieren direkt von der anhaltenden Nachfrage des US-Verteidigungsministeriums nach Waffen“, sagt Aude Fleurant, Direktorin des Sipri-Programms für Waffen und Militärausgaben. 

Start einer Tomahawk-Rakete von einem US-Kriegsschiff. Foto: US-Navy



Mit einem Umsatz von 44,9 Milliarden Dollar bleibt Lockheed Martin der größte Waffenproduzent der Welt.„Die Kluft zwischen Lockheed Martin und Boeing, den beiden größten Waffenproduzenten der Welt, stieg von elf Milliarden Dollar im Jahr 2016 auf 18 Milliarden Dollar in 2017“, sagte Fleurant.

Die Waffenverkäufe russischer Unternehmen machten 9,5 Prozent der Top-100-Unternehmen aus. Damit war Russland 2017 der zweitgrößte Waffenproduzent unter den Top 100 - eine Position, die seit fast zwei Jahrzehnten fest in britischer Hand war. Der Umsatz der zehn in den Top 100 gelisteten russischen Unternehmen stieg im vergangenen Jahr um 8,5 Prozent auf 37,7 Milliarden Dollar.


Die Zahlen sind auch deshalb so beunruhigend, weil sie mit einer Erosion multilateraler Strukturen einhergehen. Wir brauchen heute mehr internationale Zusammenarbeit, statt Aufrüstung und nationale Alleingänge.Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen


 „Russische Unternehmen verzeichnen seit 2011 ein deutliches Wachstum bei ihren Waffenverkäufen“, sagt dazu Siemon Wezeman, Senior Researcher beim Sipri-Programm für Waffen und Militärausgaben: „Dies steht im Einklang mit den erhöhten Ausgaben Russlands für die Beschaffung von Waffen zur Modernisierung der Streitkräfte.“ 

Erstmals war im vergangenen Jahr in den Top Ten auch ein russischer Waffenbauer vertreten. Almaz-Antey, das bereits das größte Rüstungsunternehmen Russlands war, steigerte seinen Waffenumsatz um fast ein Fünftel auf 8,6 Milliarden Dollar. Neben Almaz-Antey konnten drei weitere russische Unternehmen in den Top 100 ihren Waffenabsatz um mehr als 15 Prozent steigern: United Engine Corporation (25 Prozent), High Precision Systems (22 Prozent) und Tactical Missiles Corporation (19 Prozent) ). 

Großbritannien bleibt der größte Waffenproduzent in Westeuropa. Die Verkäufe der 24 unter den Top 100 gelisteten Rüstungsunternehmen in Westeuropa stiegen 2017 laut Sipri um 3,8 Prozent auf 94,9 Milliarden Dollar; das entspricht fast einem Viertel der Top 100. Großbritannien blieb 2017 mit einem Waffenumsatz von 35,7 Milliarden Dollar der größte Waffenproduzent in der Region.


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