Jens Spahn im Porträt Widersacher der Kanzlerin: Spahn kämpft um CDU-Vorsitz

Von dpa

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Jens Spahn gilt als Stimme vieler Merkel-Unzufriedener in der CDU. Foto: dpa/Carsten RehderJens Spahn gilt als Stimme vieler Merkel-Unzufriedener in der CDU. Foto: dpa/Carsten Rehder 

Berlin. Er ist tatsächlich gesprungen: Jens Spahn, Widersacher der Kanzlerin, bewirbt sich um ihre Nachfolge im CDU-Vorsitz. Viele Konservative und Jüngere setzen hohe Erwartungen in ihn – kann er auch integrieren?

Noch vor kurzem gab sich Jens Spahn demonstrativ gelassen. Ob es für ihn folgerichtig auf das Kanzleramt hinauslaufe, wurde der 38-Jährige im September bei einer Buchvorstellung gefragt. "Nö", gab er zur Antwort. "Es kann auch ganz anders kommen." Nun geht auf einmal alles schneller als von den meisten gedacht. Und schnell erklärte der Bundesgesundheitsminister am Montag seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz, den Kanzlerin Angela Merkel im Dezember freimacht. Dabei ist klar: Parteichef werden zu wollen, bedeutet auch, sich mit dem Gedanken an eine Kanzlerschaft ganz konkret vertraut zu machen.

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Stimme vieler Konservativer und Jüngerer

Eines ist Spahn in seinen Ambitionen mit Sicherheit nicht nachzusagen: dass er auf die Protektion Merkels gesetzt hätte – ganz im Gegenteil. Als Stimme vieler Konservativer und Jüngerer in der Partei brachte der Münsterländer sich in mehr oder minder offener Abgrenzung zur Vorsitzenden in Stellung für mögliche höhere Aufgaben. Beim Parteitag 2016 in Essen rockte der damalige Finanzstaatssekretär den Saal mit einer Rede zur doppelten Staatsbürgerschaft – gegen die erklärte Linie Merkels. Schon der Sprung ins CDU-Präsidium war Spahn 2012 gegen Widerstände gelungen. Er kandidierte gegen den Vorschlag seines eigenen Landesverbandes Nordrhein-Westfalen.

Jens Spahn ist mit dem Journalisten Daniel Funke verheiratet. Foto: imago/Sven Simon

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Als Stimme vieler Merkel-Unzufriedener in der CDU profilierte sich der langjährige Gesundheitspolitiker auch mit provokanten Äußerungen von der Zuwanderung bis zu Recht und Ordnung. Noch rund um seine Minister-Ernennung gab es Wirbel um Äußerungen zu Abtreibungen und Hartz-IV-Sozialleistungen, die "nicht Armut" bedeuteten. "Dieses schöne Land kommt am Ende nur weiter, wenn wir ab und zu miteinander auch mal diskutieren", gab Spahn Kritikern forsch zurück. "Und wenn beim Diskutieren auch ein paar Unterschiede deutlich werden."

Spahn ein Polarisierer?

Seit Monaten konzentriert sich der Minister aber nun schon auf die regierungsamtliche Sache und brachte eine ganze Palette an Vorhaben von der Pflege bis zu Entlastungen beim Krankenkassenbeitrag auf den Weg. Er legte sichtlich Wert darauf, Zweifel an seiner Orientierung als Marktwirtschaftler zu zerstreuen. Dabei steht das Soziale bei ihm als "einzigem Sozialminister der Union" natürlich stark im Vordergrund – und das kann auch das Image des Polarisierers mildern.

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Obwohl er der Jüngste in Merkels Kabinett ist, ist Spahn alles andere als ein Newcomer. Im Bundestag sitzt er schon seit 2002. Verwurzelt ist er im Münsterland, wo er Abitur machte, einem Kreisverband der Jungen Union vorsaß und zehn Jahre Mitglied in einem Stadtrat war. Offen demonstriert er Nähe zu Österreichs Kanzler und Merkel-Kritiker Sebastian Kurz sowie dem US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell. Spahn ist mit dem Journalisten Daniel Funke verheiratet.


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