Annegret Kramp-Karrenbauer im Porträt "Allzweckwaffe" Kramp-Karrenbauer will es wie Merkel machen

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Annegret Kramp-Karrenbauer steht für die liberale Merkel-CDU. Foto: dpa/Hendrik Schmidt/dpa-ZentralbildAnnegret Kramp-Karrenbauer steht für die liberale Merkel-CDU. Foto: dpa/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild 

Berlin. Sie hat sich von Angela Merkel etwas emanzipiert und gute Netzwerke in der Partei. Die Allzweckwaffe Annegret Kramp-Karrenbauer greift nun nach dem Vorsitz.

Es war am 11. Februar, die Koalitionsverhandlungen wären fast gescheitert. Nun wartete alles auf das Votum der SPD-Mitglieder. Kanzlerin Angela Merkel war intern unter Druck, weil sie der SPD nach Meinung der Kritiker zu viele wichtige Ministerien überlassen hatte. Sie ging in die ZDF-Sendung "Berlin direkt" – und wirkte dort und danach bei einem Plausch mit Journalisten gelöst.

Weiterlesen: Endspurt im Rennen um die CDU-Parteispitze: Wer hat die Nase vorn?

Von Saarlands Ministerpräsidentin zur CDU-Generalsekretärin

Wenige Tage später verkündete sie dann öffentlich einen Coup, der ihr Luft verschaffte: Annegret Kramp-Karrenbauer gibt das Amt als Ministerpräsidentin des Saarlands auf, um CDU-Generalsekretärin in Berlin zu werden. Das befriedete die unruhige Partei, "AKK" treibt seither entschlossen den Prozess der Modernisierung und stärkeren Einbindung der Mitglieder voran. Sich vorzudrängeln ist nicht ihre Sache – aber dieser turbulente 29. Oktober 2018 erforderte eine rasche, klare Entscheidung: dass sie Nachfolgerin von Merkel als CDU-Chefin werden will.

Annegret Kramp-Karrenbauer war von August 2011 bis Februar 2018 Ministerpräsidentin des Saarlandes. Foto: imago/Marius Schwarz

Schon am Hessen-Wahlabend hatte "AKK" vieldeutig gesagt: "Die Bundesvorsitzende hat ganz klar erklärt, dass sie auf dem Parteitag noch mal antreten wird. Und ich habe bis zur Stunde keine anderen Signale." Dieses "zur Stunde" bedeutete: Sie weiß, da ist etwas in Bewegung. Ihre politische Karriere begann sie im Stadtrat ihres Heimatortes Püttlingen. Und immer, wenn sie gerufen wurde, machte sie ihre Sache so gut, dass irgendwann unvermeidlich der nächste Ruf kam. 

Kramp-Karrenbauer: Die Allzweckwaffe der CDU

"Es gibt keine Aufgabe, die man Annegret nicht anvertrauen kann", hat schon der frühere Saar-Regierungschef Peter Müller (CDU) gesagt, als er Kramp-Karrenbauer 2000 als bundesweit erste Innenministerin in sein Kabinett berief. Seitdem hat sie sich als Allzweckwaffe der CDU einen Namen gemacht: Nach verschiedenen Ministerjobs wurde sie 2011 erste Ministerpräsidentin des kleinsten Flächenstaates. Im März 2017 gewann sie auf dem Zenit der Beliebtheit von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Landtagswahl im Saarland haushoch für die CDU.

Weiterlesen: Experte erklärt: Kramp-Karrenbauer ist die Einzige, die alles riskiert

Seit Jahren arbeiten Merkel und Kramp-Karrenbauer, die wegen ihres nüchtern-analytischen Politikstils miteinander verglichen werden, eng zusammen: Seit 2010 sitzt letztere im CDU-Bundespräsidium. "Unaufgeregt" und "uneitel" gehören zu den Adjektiven, die Kramp-Karrenbauers Weg begleiten. «Viele glücklichen Zufälle haben mir dabei geholfen», sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Eigentlich wollte sie vor dem Abi Hebamme werden, danach dachte sie an einen Beruf als Lehrerin. Mit 18 trat sie in die CDU ein – und entdeckte ihre Leidenschaft für Politik. Später studierte sie Jura und Politik.

Klare Positionierung bei politischen Themen

Was in diesen Tagen sicher nicht schaden kann: Sie ist eine Optimistin: "Ich bin von Hause aus immer zuversichtlich, sonst wäre ich nicht in der Politik", hat sie einmal gesagt. Inhaltlich steht sie für den Merkel-Kurs – und hat sich mit bestimmten Themen positioniert: Sie plädiert für einen härteren Umgang mit Asylbewerbern, die Behörden über ihre Identität täuschen – und fordert konsequentes staatliches Handeln bei Abschiebungen. Sie tritt ein für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist für Priesterinnen in der katholischen Kirche und gegen Werbung für Abtreibung. Eines ihrer Steckenpferde ist die Digitalisierung.

Weiterlesen: Wolfgang Bosbach: "Friedrich Merz hat sich sein Geld redlich verdient"

Gesprächspartner loben ihre "offene, kommunikative Art". An Karneval machte sie jahrelang als "Putzfrau Gretel vom Landtag" Furore und zog Politiker aller Couleur durch den Kakao, sich selbst eingeschlossen. Als sie dort noch Ministerpräsidentin war und zwischen dem Saarland und den Berliner Koalitionsverhandlungen hin- und herpendelte, kam es im Januar zu einem Schreckmoment. Ihr Dienstwagen fuhr bei Potsdam auf einen Lastwagen auf – drei Tage lag sie im Krankenhaus. Und traf wenig später die Entscheidung: Ja, ich gehe nach Berlin. Nun will sie wie Merkel von der Generalsekretärin zur Parteichefin aufsteigen.

Bei der Vorstellung als Generalsekretärin im Februar vergaß übrigens Merkel, dass es vor "AKK" schon eine Frau auf dem Posten gab – sie selbst. Sie werde nun die "zweite Frau" in dem Amt, sagte Kramp-Karrenbauer, Merkel korrigierte, "die erste". "Ach so, nee", entfuhr es dieser dann. "Das war ja 'ne echte Fehlleistung, oje, oje".


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN