Botschafter wirft Ukraine Inszenierung vor Russland: Der Westen fällt auf Kiew herein

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Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej J. Netschajew, wirft der Ukraine vor, im Asowschen Meer ein "verantwortungslose Katz-und-Maus-Spiel" getrieben zu haben. Foto: Imago/Martin MüllerDer russische Botschafter in Deutschland, Sergej J. Netschajew, wirft der Ukraine vor, im Asowschen Meer ein "verantwortungslose Katz-und-Maus-Spiel" getrieben zu haben. Foto: Imago/Martin Müller

Osnabrück. Der russische Botschafter in Deutschland hat westlichen Medien in der Berichterstattung über den Vorfall in der Straße von Kertsch mangelnde Sorgfalt und Irreführung vorgeworfen. Die ukrainischen Marineschiffe hätten Russland über ihren Kurs nicht vorab informiert und auch auf keinen Kontaktversuch reagiert, erklärte Sergej Netschajew im Interview mit unserer Redaktion.

Herr Netschajew, Russland steht wieder am Pranger, diesmal weil es ukrainische Schiffe und Seeleute vor der Krim festgesetzt hat. Wie ist Ihre Sicht?

Sergej Netschajew: Russland an den Pranger zu stellen ist kaum realistisch. Da in der westlichen Medienlandschaft zahlreiche Spekulationen und Mutmaßungen bezüglich des Zwischenfalls kursieren, möchte ich den faktischen Sachverhalt darlegen. Am 25. November sind drei Schiffe der ukrainischen Seestreitkräfte aus Odessa ausgelaufen und haben Kurs auf die Straße von Kertsch genommen. Auf ihrem Weg sind sie in die Gewässer der Russischen Föderation gefahren, ohne die russische Seite vorher in Kenntnis gesetzt zu haben. Der Vorfall hat sich im Schwarzen und nicht im Asowschen Meer ereignet, und zwar an einem Ort, der bereits vor der Wiedervereinigung Russlands mit der Krim im Jahr 2014 im Hoheitsgewässer unseres Landes lag, das als solches von der Ukraine sowie der internationalen Gemeinschaft anerkannt wurde. 

Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas hat Ihr Vorgehen als inakzeptabel bezeichnet. Warum hat Russland mit Gewalt reagiert?

Die Grenzschützer haben sich mit den ukrainischen Schiffen mehrmals in Verbindung gesetzt. Die legitime Forderung, sich unter anderem einem dort geltenden Lotsenzwang zu unterziehen, wurde ignoriert. Die ukrainischen Schiffe manövrierten riskant und gefährdeten die Schifffahrt. Das verantwortungslose „Katz-und-Maus-Spiel“ dauerte mehrere Stunden an. Unter diesen Umständen blieb den russischen Grenzern nichts anderes übrig, als Gewalt anzuwenden. Dank ihrer Professionalität konnten menschliche Opfer vermieden werden. Die Schiffe, die die russische Staatsgrenze verletzt haben, wurden festgesetzt.

Müssen deshalb auch die Seeleute festgehalten werden? Spekulieren Sie auf einen Austausch?

Es wurde ein Strafverfahren wegen eines illegalen Grenzübertritts eingeleitet. Ich möchte ausdrücklich hervorheben, dass sich Kiew über die Durchfahrtsregeln in der Straße von Kertsch vollkommen im Klaren war und sich bisher daran auch gehalten hat. Noch vor Kurzem, im September, sind Schiffe der ukrainischen Marine mithilfe russischer Lotsen ungehindert durch die Meerenge gelangt. Was die Sicherheitsmaßnahmen selbst angeht, so sind sie objektiv nötig, weil aus der Ukraine stets Drohungen kommen, die Krim-Brücke zu sprengen.

Und warum nun die Haft?

Bei den Ermittlungen ist zutage getreten, dass die Operation nicht von den Schiffskapitänen, sondern von Mitarbeitern des ukrainischen Geheimdienstes SBU geleitet wurde, die sich auf den Schiffen aufhielten. Aus den auf den Schiffen aufgefundenen Papieren ergibt sich ganz eindeutig, dass sie im Rahmen einer Sonderoperation handelten. Sie sollten die Durchfahrt ohne Anmeldung ausführen und jeglichem Kontakt mit den russischen Behörden und Streitkräften ausweichen. Daher liegt die Schlussfolgerung nahe: Wir haben es mit einer sorgfältig vorbereiteten Provokation zu tun.

Welchen Zweck sollte die haben?

Das haben wir uns zunächst auch gefragt. Die Antwort ließ auf sich nicht lange warten. Kiew hat unverzüglich das Kriegsrecht ausgerufen. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl werden die Spannungen künstlich angeheizt. Das soll dem amtierenden Präsidenten in die Hände spielen, seinen politischen Konkurrenten die Teilnahme am Wahlkampf erheblich erschweren oder sogar eine Absage von Wahlen ermöglichen.

Der Westen neigt in dieser Frage der ukrainischen Sicht zu.

Der ukrainischen Regierung gelingt es mit Provokationen wie dieser immer wieder, die Aufmerksamkeit des Westens auf sich zu ziehen und um eine weitere Finanz- und Militärhilfe zu bitten. Dasselbe geschieht auch jetzt. Wir sehen außerdem, dass die ukrainische Führung kurz vor bedeutsamen internationalen Foren stets Gründe erfindet, um eine neue Runde der Hysterie wegen der „russischen Aggression“ auszulösen. Diesmal war es vor dem G-20-Gipfel. Die Befürworter Kiews auch unter unseren europäischen Partnern machen den Rummel immer gerne mit. Warum und welche Rolle ihnen dabei zusteht, darüber können wir nur spekulieren.

Und Russland, verstehe ich richtig, halten Sie für völlig schuldlos an der Lage?

Der russische Präsident Wladimir Putin hat zu dieser Situation umfassende Kommentare gegeben. Russland verteidigt seine Interessen. Eine weitere Eskalationsspirale braucht Russland sicherlich nicht.


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