70. Jahre UN-Menschenrechtserklärung Kinderrechtsaktivisten geraten weltweit zunehmend unter Druck

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Eine Demonstrantin legt Blumen zum Gedenken an die Opfer der Proteste im Sommer in Nicaragua nieder. Vor allem junge Menschen setzen sich dort für mehr Menschenrechte ein. Foto: Carlos Herrera/dpaEine Demonstrantin legt Blumen zum Gedenken an die Opfer der Proteste im Sommer in Nicaragua nieder. Vor allem junge Menschen setzen sich dort für mehr Menschenrechte ein. Foto: Carlos Herrera/dpa

Osnabrück. Anlässlich des bevorstehenden 70. Jahrestages der UN-Menschenrechtserklärung beklagt das Kinderhilfswerk Terre des Hommes in vielen Projektländern zunehmende Angriffe gegen Kinder und Jugendliche, die sich für ihre Rechte einsetzen. Auch die Arbeit der Helfer vor Ort würden schwieriger.

„Wir erleben in immer mehr Projektländern, wie Regierungen gegen Menschenrechtler hetzen und auch vor Kindern nicht haltmachen“, sagte Albert Recknagel, Vorstandssprecher der internationalen Kinderschutzorganisation Terre des Hommes, unserer Redaktion. Besorgniserregend sei die Entwicklung vor allem in den Projektländern Nicaragua, Brasilien, Kolumbien, Myanmar, den Philippinen, Indien und Kambodscha“. Das Muster sei immer dasselbe: „Zunächst schüchtern Politiker ein und bezeichnen Kinderrechtler als Kriminelle, als Drogendealer, als Banditen. Dieser Verleumdung folgen dann konkrete Drohungen“, sagte Recknagel. Auch würden die Spielräume für TdH-Mitarbeiter vor Ort in den betreffenden Ländern enger, beispielsweise durch bürokratische Schikanen. 

Terre des Hommes unterstützt weltweit in zahlreichen Projekten Kinder und Jugendliche, die sich gegen Gewalt und Ausbeutung wehren. Sie protestieren zum Beispiel gegen die Prügelstrafe in Schulen oder gründen Jugendclubs, um der Gewalt krimineller Banden etwas entgegenzusetzen. „Regierungen haben die Pflicht, Kinder zu schützen, die sich für ihre Rechte engagieren. Die Kinder erleben aber häufig, dass Erwachsene sie nicht ernst nehmen, sie lächerlich machen oder gewalttätig werden“, sagte Recknagel. Das betreffe „vor allem, aber längst nicht nur Länder mit autoritären Regierungen, in denen demokratische Freiheitsrechte unterdrückt und die Handlungsmöglichkeiten von Nichtregierungsorganisationen systematisch eingeschränkt werden“.

Erst kürzlich hatte TdH zwei junge Frauen in Nicaragua außer Landes in Sicherheit bringen müssen, die sich friedlich für Rede- und Versammlungsfreiheit eingesetzt hatten. Sie waren nach Studentenunruhen massiv bedroht worden. Bei Demonstrationen gegen die Ortega-Regierung im vergangenen Sommer töteten die Polizeikräfte 350 Protestierende, darunter nach TdH-Angaben fünf Kinder unter zwölf Jahren.

Auch in Brasilien droht sich die Lage nach Angaben von TdH zuzuspitzen. „Die Äußerungen des designierten Präsidenten Jair Bolsonaro, das Kinderschutzgesetz des Landes tauge nur, um Vagabunden und Banditen zu schützen, man solle es durchreißen und die Toilette hinunter spülen, bedeuten für die Zukunft sicher nichts Gutes“, sagte Recknagel der „NOZ“ weiter.

In einer Umfrage des internationalen Kinderrechtsnetzwerkes „Child Rights Connect“ unter 2 700 Kindern, die sich aktiv für ihre Rechte einsetzen, sagten 70 Prozent der Kinder, dass sie Angst hätten, wegen ihres Engagements tätlich angegriffen zu werden.


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