Politiker in der Kritik Boris Palmer: Grüner Querdenker oder "Wutbürgermeister"?

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Boris Palmer ist der Meinung "Mit Palmer Läufts". Foto: imago/ulmerBoris Palmer ist der Meinung "Mit Palmer Läufts". Foto: imago/ulmer

Hamburg. Was hat Boris Palmer vor? Der Tübinger Oberbürgermeister macht beinahe täglich mit provokanten Äußerungen auf sich aufmerksam.

Boris Palmer versteht es, auf sich aufmerksam zu machen. Während seine öffentlichen Vorstöße in der Vergangenheit, als er sich beispielsweise kritisch zur Migrationspolitik der Bundesregierung äußerte, noch den Anschein vermittelten, es ginge dem 46-Jährigen um die Sache, werfen ihm Kritiker mit Blick auf seine jüngsten Aussagen nun "reinen Selbstzweck" vor.

Die Grünen halten sich zurück

Palmer sieht sich als Querdenker innerhalb seiner Partei. Er bedient den konservativen Flügel der Grünen und ist damit erfolgreich – zumindest in der baden-württembergischen Provinz um seinen Amtssitz in Tübingen. In der 90.000-Einwohnerstadt sind die Grünen "Volkspartei" und holen auch mal Wahlergebnisse jenseits der 30 Prozent-Marke. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen hält sich die Parteiführung angesprochen auf Palmer, das vermeintliche Enfant terrible, aktuell lieber bedeckt. 

"Autoritärer Wahnsinn"

So ließen sich beispielsweise weder Robert Habeck noch Annalena Baerbock einen Satz zu Palmers Streit mit einem Studenten in der Tübinger Innenstadt entlocken. Ricarda Lang, Bundessprecherin der Grünen Jugend, fand hingegen zuletzt knackige Worte gegenüber dem Jugendportal "Bento" – Lang bezeichnete Palmer als "Wutbürgermeister" und als für sein Amt ungeeignet.

Für Lang stellt Palmers Verhalten "autoritären Wahnsinn" dar. Er bestätige damit nur, dass er "sich seinen Fans, bestehend aus AfD-Trollen und rechten Rassisten, die ihm auf Facebook für seinen Narzissmus zujubeln, immer mehr anpasst".

Weiterlesen: Chefin der Grünen Jugend im Video-Interview: "Wir müssen radikal sein"

Palmer selbst sieht das selbstverständlich etwas anders. Er holte nur wenige Tage nach dem Vorfall im Tübinger Nachtleben zum nächsten Verbalangriff aus. Diesmal musste die Bundeshauptstadt dran glauben. Im Interview mit der Funke-Mediengruppe erklärte er, dass er sich jedes Mal, wenn er nach Berlin kommt, so fühlt, als würde er den funktionierenden Teil Deutschlands verlassen. Nicht wenige Berliner Politiker fühlten sich provoziert und reagierten entsprechend beleidigt – erneut entwickelte sich eine öffentlichkeitswirksame Debatte in den sozialen Netzwerken und den Medien.



Palmer winkt mit dem Zaunpfahl: Wie toll läuft doch alles in seinem Hoheitsgebiet und wie idyllisch ist es dort im Vergleich zu Berlin. "Ich komme mit dieser Mischung aus Kriminalität, Drogenhandel und bitterer Armut auf der Straße als spießbürgerliche baden-württembergische Grünen-Pflanze schlicht nicht klar. Ich will diese Verhältnisse in Tübingen nicht.“ 

Einer seiner jüngsten Facebook-Posts nährte seine Kritiker erneut: In dem sozialen Netzwerk echauffierte er sich zunächst über die von ihm provozierte Berichterstattung zu seinen kontroversen Aussagen und garnierte den Post ausgerechnet mit einigen Kommentaren, die ihm für seine Aussagen ordentlich Honig ums Maul schmieren.



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