Wahl von Merkel-Nachfolger Mit diesen Delegierten-Stimmen können die Kandidaten fest rechnen

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Der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz (l.), Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (r.) neben Moderator Tim Lauth bei der Regionalkonferenz in Bremen. Foto: dpa/Carmen JaspersenDer ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz (l.), Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (r.) neben Moderator Tim Lauth bei der Regionalkonferenz in Bremen. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Hamburg. Wer wird neuer CDU-Chef und damit Nachfolger von Angela Merkel? Noch ist das Rennen zwischen den drei Kandidaten offen – es gibt aber erste Tendenzen.

Für die alleinige Kandidatin Angela Merkel hatte es bei den Wahlen zur CDU-Vorsitzenden meistens ein Traum-Ergebnis gegeben. Das wird sich beim CDU-Bundesparteitag am Freitag in Hamburg nicht wiederholen. Der Wahlausgang wird deutlich knapper. Die drei Kandidaten Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn müssen die Stimmen unter sich aufteilen – prognostiziert wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. 

Das Feld führt derzeit – je nach Umfrage – zumeist Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer an, knapp dahinter liegt der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz, etwas abgeschlagen reiht sich auf dem dritten Platz Gesundheitsminister Jens Spahn ein. 

Waren es bei Merkel meist mehr als 90 Prozent Zustimmung durch die Delegierten – bis auf 2004 und 2016 – müssen die Kandidaten jetzt mit aller Macht für die notwendige Mehrheit kämpfen. Dafür müssen sie die Hälfte aller Stimmen zusammen bekommen. Wird diese Mehrheit nicht erreicht, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. 

Diese Möglichkeit erscheint derzeit nicht unwahrscheinlich. Viele Beobachter gehen davon aus, dass sich die Tagesform der Kandidaten am Freitag noch entscheidend auf das Wahlergebnis auswirken könnte. Sie haben jeder noch die Chance, die 1001 Delegierten mit einer Rede zu überzeugen. Schon bei acht CDU-Regionalkonferenzen im Vorwege hielten die drei Kandidaten große Plädoyers für sich und ihre Positionen. 

Lesen Sie: Die CDU und das „Orakel“ von Hamburg

Prominente Fürsprecher der Kandidaten

Das Wahlergebnis vorauszusagen, bleibt schwierig. Die Delegierten halten sich bedeckt und auch prominente Fürsprecher der Kandidaten gibt es nur wenige, die öffentlich eine Empfehlung kundtun.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther ließ nun durchblicken, dass er auf Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer setzt. Auch Tobias Hans als Ministerpräsident des Saarlands unterstützt seine Vorgängerin. Zu Friedrich Merz bekannten sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und EU-Kommissar Günther Oettinger.

Tendenz für Merz in Nordrhein-Westfalen

Ein Blick auf die Verteilung der Delegierten-Stimmen auf die einzelnen Landesverbände zeigt, wie wichtig etwa eine positive Zustimmung in Nordrhein-Westfalen für die Kandidaten ist. Hier sind sowohl Friedrich Merz als auch Jens Spahn beheimatet. 

Eine Abfrage der "Rheinischen Post" unter den 296 Delegierten aus Nordrhein-Westfalen ergab eine Tendenz für Friedrich Merz. 21 wollten für ihn stimmen, 14 für Kramp-Karrenbauer und zehn für Spahn, mehr Antworten erhielt die Zeitung nicht. 

Zur Sache

1001 Delegierte beim Parteitag in Hamburg
Wie viele Delegierte ein Landesverband zum Parteitag schicken kann, hängt von der Mitgliederzahl und vom Wahlergebnis bei den jüngsten Bundestagswahlen ab. Als Delegierte dürfen außerdem noch die Ehrenvorsitzenden der Partei und jeweils ein Abgesandter anerkannter Auslandsverbände teilnehmen. 
Allerdings sind die bisherigen Ehrenvorsitzenden der CDU allesamt verstorben und einen Auslandsverband gibt es nur in Brüssel. In Hamburg werden deshalb 1001 Delegierte über die neue Parteiführung entscheiden.
Die Delegierten sind frei in ihrer Entscheidung, für welchen Kandidaten sie ihre Stimme abgeben. Gewählt werden sie auf Kreis- und Landesparteitagen. Es können Personen sein, die Ämter in der Partei ausüben, oder Abgeordnete aus Kreistagen, Landtagen oder dem Bundestag. Aber auch einfache Mitglieder können als Delegierte gewählt werden. 

In Schleswig-Holstein war nach einer Umfrage der "Kieler Nachrichten" ebenfalls ein Trend zu erkennen. Von 47 Delegierten aus dem nördlichsten Bundesland bekam die Zeitung von 37 eine Antwort. Von ihnen gaben 24 an, beim Bundesparteitag sicher oder wahrscheinlich Kramp-Karrenbauer wählen zu wollen. Nur 13 Delegierte gaben an, für Merz zu stimmen, kein einziger kündigte in der Umfrage sein Votum für Jens Spahn an. In Hamburg hat laut einer Umfrage der "Welt" wiederum Friedrich Merz die Nase vorn. Allerdings wollten sich hier von 17 Delegierten sechs noch nicht festlegen. 

Beim Parteitag in Hamburg gibt es noch eine Besonderheit: Die meisten Delegierten standen bereits vor Merkels überraschendem Rückzug fest. Manche Kreisverbände entschieden sich daraufhin, spontan neue Delegiertenwahlen und vereinzelt auch Probeabstimmungen anzusetzen. Dies geschah etwa in Baden-Württemberg. Laut eines Berichts der "Süddeutschen Zeitung" lag dabei Merz so gut wie immer vorne. 

Doch Orakel hin oder her: Die Entscheidung über den Merkel-Nachfolger und möglicherweise nächsten Kanzlerkandidaten fällen die 1001 Delegierten am Freitagnachmittag beim Parteitag.


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