Fazit nach achter Regionalkonferenz Kampf um CDU-Vorsitz: So schlagen sich die Kandidaten

Von dpa

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Friedrich Merz (l.), Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn wollen Angela Merkel als CDU-Vorsitzende beerben. Foto: dpa/Kay NietfeldFriedrich Merz (l.), Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn wollen Angela Merkel als CDU-Vorsitzende beerben. Foto: dpa/Kay Nietfeld 

Berlin. Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer oder doch Jens Spahn – welcher der drei Kandidaten folgt Kanzlerin Merkel an der Parteispitze nach? Die Nervosität der Konkurrenten dürfte noch zu nehmen und ihr Wahlkampf verbissener werden. Ein Resümee nach acht Regionalkonferenzen.

Am Schluss seiner Vorstellungsrede auf der achten und letzten CDU-Regionalkonferenz wurde Friedrich Merz emotional. Immer wieder werde gefragt, ob das gut gehe mit ihm als CDU-Chef und einer Kanzlerin Angela Merkel, sagte er und rief dann in den Saal: "Natürlich geht das gut." Die CDU stehe in einer Koalition und sie sei vertragstreu, bekräftigte er am Freitagabend in Berlin.

Im übrigen werde auf dem Parteitag in einer Woche nicht nur ein Parteivorsitzender oder eine Parteivorsitzende gewählt, sondern der gesamte Parteivorstand. "Wir brauchen eine Mannschaft, die dasteht und die Aufgaben der Zukunft beherzt in die Hand nimmt."

Friedrich Merz hatte offensichtlich Erklärungsbedarf. Angela Merkel hat heute in der Welt beim weltweiten Krisenmanagement so viel Reputation wie selten zuvor. Und das, obwohl sie jetzt ihre Machtbasis, den CDU-Vorsitz, aufgibt. US-Präsident Donald Trump, der nun wahrlich kein Freund der Kanzlerin ist, sagte soeben mit Blick auf eine Lösung der Russland-Ukraine-Krise: "Angela, lasst uns Angela einbeziehen."

Beste Chancen für Merz und Kramp-Karrenbauer

Merkels Standing in der Welt macht allen drei Herausforderern – voran Friedrich Merz und Jens Spahn – klar, dass es im Fall ihrer Wahl unklug wäre, auf die außenpolitische Kompetenz der Kanzlerin zu verzichten. Zudem dürfte die internationale Reputation der Kanzlerin auch Eindruck auf die Basis und vor allem auf die 1001 Delegierten des Parteitages in Hamburg machen.

Inzwischen werden Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer die besten Chancen auf die Merkel-Nachfolge eingeräumt. Merz erhielt in Berlin den größten Beifall nach der Vorstellungsrunde, gefolgt von Kramp-Karrenbauer und Spahn, dem dritten Kandidaten. Wobei unklar blieb, ob Merz mit seinem Statement zur Zusammenarbeit mit Merkel oder mit seinen politischen Positionen überzeugte.

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Über alle acht Regionalkonferenzen während der vergangenen zwei Wochen hinweg konnten alle drei Bewerber punkten – unter anderem mit Themen wie Zusammenhalt der Partei, innere Sicherheit, Flüchtlingspolitik, Steuern und Steuersystem sowie Soliabbau, Digitalisierung, Mittelstand, mehr Macht für die Mitglieder im Dreiklang von Partei, Unionsfraktion und Kanzleramt oder im Osten mit dem Braunkohleabbau.

Kritik an Flüchtlings-Thema

Zum Teil gab es Kritik an der Gewichtung. Interessanterweise wurde gerade im Osten (Halle/Saale) kritisiert, dass das Thema Flüchtlinge und Ausländer zu breiten Platz in der Konferenz eingenommen habe. Möglicherweise hätten die drei gerade hier besser nicht AfD-Themen aufgreifen, sondern auf Sozialthemen setzen sollen. Führende CDU-Vertreter warnten, die Migrations- und Flüchtlingspolitik sei nicht das wichtigste Thema für die Partei. Und so könnten Merz seine Einlassungen im thüringischen Seebach zu einer Asylrechtsänderung, sieht man die ganze CDU, eher abträglich sein.

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Kramp-Karrenbauer gab sich bei den Konferenzen immer wieder als erfahrene Regierungschefin. Im Gegensatz zu den beiden anderen habe sie schon Wahlkämpfe gewonnen. Sie gilt als Vertraute Merkels. Zur Zeit ist nicht absehbar, ob sie damit bei den Delegierten in Hamburg punkten kann oder eher nicht. Merz versuchte, sich als Wirtschaftsmann zu profilieren. Ja, ein effektives und einfaches Steuersystem sei möglich – aber heute sollte es vielleicht eher in einer App gemalt werden als auf einen Bierdeckel.

Warum Spahn im Rennen hinten liegt

Spahn, der bei Beobachtern als abgeschlagen gilt, versuchte durch eine schärfere Tonalität nach vorne zu kommen. Zuletzt warf er allerdings seinen Blick schon auf die CDU der Zukunft: "Ich will 2040 in einem Land leben, das von der CDU regiert wird." Ist das die Langfrist-Planung des 38-jährigen Gesundheitsministers?

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Für Spahn kam der Aufbruch in Partei und Unionsfraktion ganz offensichtlich zu früh. Der Stratege wurde sowohl von der Abwahl Volker Kauders als Unionsfraktionschef überrascht als auch von der Rücktrittsankündigung Merkels. Spahn muss sich zudem wahnsinnig geärgert haben, dass auch noch der 63-jährige Merz – als konservative Alternative – seinen Hut in den Ring warf.

Umfrage sieht Kramp-Karrenbauer vorne

Auf der ersten Regionalkonferenz in Lübeck hieß die Reihenfolge bei der Vorstellung der Kandidaten noch: 1 Annegret Kramp-Karrenbauer, 2 Friedrich Merz, 3 Jens Spahn. Auf der achten, der letzten Vorstellungsrunde war die Reihenfolge umgekehrt: 1 Jens Spahn, 2 Friedrich Merz, 3 Annegret Kramp-Karrenbauer.

Weder am Anfang noch am Ende lässt sich diese Auslosungsreihe als Omen verstehen – zumindest was Merz und Kramp-Karrenbauer betrifft. Das gilt auch für den neuen ARD-"Deutschlandtrend", wonach sich 48 Prozent der befragten CDU-Anhänger für Kramp-Karrenbauer entscheiden würden, 35 Prozent für Merz und nur 2 Prozent für Spahn. Denn weiterhin gilt: Das sind CDU-Anhänger, nicht zwingend CDU-Mitglieder und schon gar nicht Delegierte, die auf dem Parteitag entscheiden werden.

"Beeindruckend fairer Wettstreit"

Der Ausgang der Wahl dürfte wesentlich auch von der Tagesform der Kandidaten beim Parteitag in einer Woche abhängen. Wie auch immer dann das Rennen ausgeht, für die Partei und die Mitglieder war es etwas Neues nach mehr als 18 Jahren mit Merkel an der Spitze. Und insbesondere die Kandidatur von Merz dürfte das Schaulaufen des Trios für die Basis spannend gemacht haben.

Die Berliner CDU-Vorsitzende Monika Grütters sagte am Freitagabend quasi als ein atmosphärisches Resümee: Es sei ein "beeindruckend fairer Wettstreit" der drei Bewerber gewesen. Und: "Die Qual der Wahl zwischen drei Bewerbern dieses Formats ist ein Problem, das andere Parteien gern hätten." Man darf gespannt sein, wie die drei die letzte Woche vor der Entscheidung in Hamburg nutzen. Vielleicht wird es ab dem Wochenende verbissener.


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