Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung Zöpfe generell verdächtig? Ministerin widerspricht

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Behauptet eine Broschüre für Erzieher wirklich, dass stille Mädchen mit Zöpfen grundsätzlich verdächtig sind, aus einem rechtsextremen Elternhaus zu stammen? Ministerin und Herausgeber widersprechen. Foto: dpaBehauptet eine Broschüre für Erzieher wirklich, dass stille Mädchen mit Zöpfen grundsätzlich verdächtig sind, aus einem rechtsextremen Elternhaus zu stammen? Ministerin und Herausgeber widersprechen. Foto: dpa

Osnabrück. Behauptet eine Broschüre für Erzieher wirklich, dass stille Mädchen mit Zöpfen grundsätzlich verdächtig sind, aus einem rechtsextremen Elternhaus zu stammen? Ministerin und Herausgeber widersprechen.

Lehrerverband und Unionspolitiker hatten die Veröffentlichung, die vom Bundesfamilienministerium gefördert worden war, scharf kritisiert. Ministerin Franziska Giffey (SPD) widerspricht: Das 60 Seiten starke Heft der Amadeu-Antonio-Stiftung habe das Ziel, „Erzieherinnen und Erziehern, die mit rechtsextremen oder radikalen Aussagen und Verhaltensweisen von Eltern in der Kita in Berührung kommen, Informationen, Beratung und Unterstützung im Umgang damit zu geben.“ Eine solche Publikation sei immer wieder von Fachkräften aus der Praxis nachgefragt worden. Um Zöpfe geht es nur an einer Stelle – in einem Fallbeispiel. Und das sei einem realen Fall nachempfunden worden, heißt es aus dem Ministerium. Der umstrittene Satz sei „nicht allgemeingültig, sondern Teil eines Beispielfalls“.

„Kein genereller Rechtsextremismus-Verdacht“

Die Stiftung selbst äußerte sich als Herausgeberin des Textes ausführlich auf ihrer Internetseite zu Vorwürfen, wonach sie Kriterien zur Erkennung „völkisch“ gesinnter Elternhäuser aufgestellt habe. „Nein, es geht um einen Fall, in dem ein Mädchen aus einer bekannten völkischen Familie so beschrieben wird“, heißt es da. „Nirgendwo werden Mädchen mit Zöpfen unter generellen Rechtsextremismus-Verdacht gestellt.“

Es gehe vielmehr um konkrete Fälle rechtsextremen und rassistischen Verhaltens und den Umgang damit. Dabei werden unterschiedliche Probleme thematisiert: Mittels Fallbeispielen wird erklärt, wie Pädagogen reagieren sollten, wenn sie auf rechtsextremes Gedankengut treffen – etwa wenn Kinder Hakenkreuze malen, Eltern Kinder aus Flüchtlingsfamilien ablehnen oder sich eine Erzieherin rassistisch äußert. Die Familienministerin erklärte: „Grundsätzlich gilt: Es ist nicht Aufgabe des Staates zu prüfen, wie Eltern leben und was sie denken. Das ist auch nicht das Ziel der Broschüre, sondern Hilfestellung und Information für Fachkräfte in Kitas.“

Kitas wollen Broschüre nutzen

Franziska Giffey Foto: dpa

Trotz vielfacher Kritik wird die Broschüre wohl in Kitas genutzt werden: Die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen will die Broschüre nutzen. Deren Bundesvorsitzender Carsten Schlepper bezeichnete sie als informativ. Demokratieerziehung sei ein originärer Auftrag der frühkindlichen Bildung, sagte Schlepper. „Dazu gehört in unseren Kindertageseinrichtungen, dass Kinder in teilnehmenden Prozessen lernen, sich mit Bedürfnissen und Wünschen der anderen auseinanderzusetzen, die eigene Meinung zu vertreten und zu begründen und die Meinungsbildung der Gruppe zu realisieren.“ Die Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung stelle in diesem Zusammenhang eine gute Ergänzung dar, wenn sie bewusst und differenziert eingesetzt werde. (Mit epd)


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