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30.11.2018, 17:52 Uhr RENNEN UM PARTEIVORSITZ

CDU-Kandidatenkür: Mehr Mut bitte !

Von Marion Trimborn


Wer macht das Rennen? Annegret Kramp Karrenbauer (Mitte) liegt nach den CDU-Regionalkonferenzen vor Friedrich Merz (links) und  Jens Spahn. Foto: imago/STAR-MEDIAWer macht das Rennen? Annegret Kramp Karrenbauer (Mitte) liegt nach den CDU-Regionalkonferenzen vor Friedrich Merz (links) und Jens Spahn. Foto: imago/STAR-MEDIA

Osnabrück. Wer beerbt Angela Merkel an der Spitze der CDU? Laut Umfragen liegt Annegret Kramp-Karrenbauer vorn, eine Vertraute der Kanzlerin, quasi eine Kopie, nur jünger. Damit würde sich die CDU keinen Gefallen tun. Ein Kommentar

Das Rennen um die CDU-Kandidatenkür scheint gelaufen. Wirklich? So sicher ist das nicht, man denke nur an die Kampfabstimmung vom September, als die CDU-Fraktion den Merkel-Vertrauten Volker Kauder eiskalt durchfallen ließ und Ralph Brinkhaus zum neuen Chef wählte. Überraschungen sind auch beim Parteitag möglich. Zwar liegt Annegret Kramp-Karrenbauer nach den Regionalkonferenzen vorn, doch es bleibt die Frage, ob sie wirklich so beliebt in den eigenen Reihen ist. Es dürfte vor allem taktisches Kalkül sein, weswegen viele CDUler - vor allem die Anhänger der Kanzlerin und das Parteiestablishment - AKK bevorzugen.

Einmal aus Bequemlichkeit, um einen Seiteneinsteiger und Querkopf wie Friedrich Merz auf Abstand zu halten. Aber auch, um die SPD klein zu halten. Ein Parteichef Merz, Topmanager und selbsternannter Mittelschichtler, würde - so die Befürchtung - der SPD Unionswähler in die Arme treiben. Der leicht überdreht wirkende und (zu) junge Gesundheitsminister Spahn hat ohnehin keine Chance.

Doch wird eine CDU unter AKK den viel beschworenen neuen Schwung erlangen? Schwer zu glauben. Kramp-Karrenbauer steht als Vertraute der Kanzlerin für ein „Weiter so“. Sie ist eine Frau von gestern, eine Merkel-Kopie, nur eben jünger. Seiteneinsteiger Merz hat sich dagegen als angstfreier Reformer profiliert, als er das deutsche Asylrecht infrage stellte. Mutig an Tabus zu rütteln und Etabliertes in Frage zu stellen, wäre nach der lähmenden Grabesstille der Merkel-Kanzlerschaft wohltuend - und könnte im ganzen Land Debatten anstoßen.


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