Druck auf US-Präsident wächst Trump-Tower für Moskau - Ex-Anwalt Cohen gibt Lüge zu

Von dpa

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Michael Cohen (l.), Ex-Anwalt von Donald Trump, verlässt mit seinem Anwalt Guy Petrillo das Bundesgericht. Foto: Julie Jacobson/APMichael Cohen (l.), Ex-Anwalt von Donald Trump, verlässt mit seinem Anwalt Guy Petrillo das Bundesgericht. Foto: Julie Jacobson/AP

Washington. Eigentlich müsste US-Präsident Trump beim G20-Gipfel gut gelaunt sein, doch sein früherer „Ausputzer“ Michael Cohen dürfte ihm die Stimmung verdorben haben. Cohen hat eingeräumt, den Kongress bei den Russland-Ermittlungen belogen zu haben - aus Loyalität zu Trump.

Nach brisanten Äußerungen seines langjährigen Vertrauten Michael Cohen bei den Russland-Ermittlungen hat US-Präsident Donald Trump jedwedes Fehlverhalten dementiert. Sein Handeln sei völlig legal gewesen, betonte Trump am Freitag.

Er sprach von einer „Hexenjagd“. Cohen hatte am Donnerstag vor einem Gericht in New York zugegeben, den Kongress bei dessen Russland-Ermittlungen über einen geplanten Immobiliendeal Trumps in Moskau angelogen zu haben - aus Loyalität zu Trump. Außerdem räumte er ein, mit einem Kontakt im Kreml über das Bauprojekt gesprochen zu haben.

Trump hatte beim G20-Gipfel in Buenos Aires eigentlich einen Erfolg zu feiern: Dort wurde das neue Handelsabkommen der USA mit Mexiko und Kanada unterzeichnet, das Trump erzwungen hatte. Die Russland-Untersuchungen beschäftigten den Präsidenten aber auch Tausende Kilometer vom Weißen Haus entfernt, glaubt man CNN. Der US-Sender zitierte eine ungenannte Quelle, wonach Trumps Laune „fürchterlich“ sei, der Präsident sei „völlig abgelenkt“.

Cohen kooperiert in der Russland-Affäre mit Sonderermittler Robert Mueller, der dem ehemaligen Vertrauten und Anwalt Trumps dafür Strafmilderung in Aussicht gestellt hat. Mueller untersucht, ob es bei den mutmaßlichen Versuchen russischer Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 geheime Absprachen zwischen dem Trump-Lager und Vertretern Russlands gab. Trump dementiert das.

Trump bezeichnete Cohen nach den brisanten Enthüllungen am Donnerstag als einen Lügner, der auf eine geringere Strafe hoffe. Wenig später sagte er ein geplantes Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin beim G20-Gipfel ab und begründete dies mit den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine.

Cohen bekannte sich am Donnerstag vor Gericht schuldig, vor zwei Untersuchungsausschüssen im Kongress falsche Angaben gemacht zu haben. Dabei ging es um den geplanten Bau eines Trump-Towers in Moskau, der letztlich nicht zustande kam. Bisher hatte Cohen erklärt, die Pläne seien im Januar 2016 aufgegeben worden - also noch vor der ersten Abstimmung im Vorwahlkampf der Republikaner.

Am Donnerstag räumte er unter anderem ein, noch bis ungefähr Juni 2016 versucht zu haben, eine Genehmigung der russischen Behörden für das Bauprojekt zu erhalten. Seine Bemühungen liefen also in der kritischen Phase von Trumps Wahlkampf weiter, während der sich der Unternehmer als Kandidat der Republikaner herauskristallisierte.

Am Freitagmorgen machte Trump seinem Unmut auf Twitter Luft. Er betonte, er habe das Projekt in Moskau nie verwirklicht - und sein Verhalten sei „sehr legal, sehr cool“ gewesen. Tatsächlich ist es nicht illegal, als Kandidat mögliche Deals im Ausland auszuloten. Die Entwicklungen werfen dennoch Fragen zu Aussagen von Trump während des Wahlkampfs auf. Er hatte damals wiederholt bestritten, geschäftliche Verbindungen nach Russland zu haben.

Trump hatte in der Vergangenheit außerdem einen auffällig sanften Ton gegenüber Putin angeschlagen - etwa beim Gipfel der beiden Präsidenten im vergangenen Juli in Helsinki. Damals stellte Trump Erkenntnisse seiner eigenen Geheimdienste in Frage, die überzeugt davon sind, dass sich Russland in den Wahlkampf 2016 eingemischt hat.

Cohen erklärte nun vor Gericht zudem, dass er - anders als früher angegeben - bei mehr als drei Gelegenheiten mit Trump über den Status des Vorhabens gesprochen habe. Um den Immobiliendeal zu arrangieren, suchte Cohen nach eigenen Angaben Kontakt zu Putin-Sprecher Dmitri Peskow. Bisher hatte er angegeben, keine Antwort erhalten zu haben. Nun erklärte er, er habe mit Peskows Assistentin telefoniert und um Hilfe bei der Suche nach Bauland und bei der Finanzierung gebeten.

Cohen gab außerdem zu, dass er eine Reise nach Russland geplant und auch mit Trump darüber gesprochen habe, dass dieser ebenfalls einen Trip in das Land unternehmen solle. Vor Gericht erklärte Cohen nun, er habe die falschen Angaben gemacht, damit diese zu Trumps politischen Botschaften passen - und um sich loyal zu verhalten.

Sowohl Trumps als auch Cohens Reise kamen letztlich nicht zustande. Am 14. Juni traf Cohen sich nach eigenen Worten mit einem Geschäftspartner im Trump Tower in New York und sagte ihm, dass er nicht nach Russland reisen werde. Auch der Deal selbst soll in diesem Zeitraum begraben worden sein. Warum? Das ist nicht klar.

Cohen hatte 2006 bei der Trump-Organisation angefangen, zuletzt war er dort Vizepräsident. Der 52-Jährige wurde als Trumps „Ausputzer“ beschrieben. Das änderte sich im Sommer, als er Trump in der Schweigegeldaffäre um den Pornostar Stormy Daniels in Bedrängnis brachte.

Trump und sein Anwaltsteam schickten vergangene Woche Antworten auf Fragen Muellers an den Sonderermittler. Unklar ist, ob und in welchem Maß es dabei um den geplanten Immobiliendeal in Moskau ging - und ob sich Trumps Aussage von Cohens neuer Darstellung unterscheidet.


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