Interview Mittelstandspräsident Ohoven: „In Afrika ist nur Helfen out, Investieren ist in“

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„Viele Mittelständler sind für eine Markterschließung auf dem afrikanischen Kontinent nicht gut genug vorbereitet, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft. Foto: Franziska Kraufmann/dpa„Viele Mittelständler sind für eine Markterschließung auf dem afrikanischen Kontinent nicht gut genug vorbereitet, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Osnabrück. Den meisten mittelständischen Unternehmen mangelt es an Mut, Geschäfte in Afrika zu machen. Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft will das ändern - und sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Dass Geschäft in Afrika funktionieren kann, haben uns deutlich die Franzosen und vor allem die Chinesen gezeigt“. Sein Verband will Unternehmern nun auf die Sprünge helfen.

Herr Ohoven, Ihr Verband hat kürzlich die Mittelstandsallianz für Afrika ins Leben gerufen. Wozu genau?

Die Mittelstand Alliance Africa (MAA) hat sich das Ziel gesetzt, in Zusammenarbeit mit Politik, Botschaften, Zivilgesellschaft und Unternehmerinnen und Unternehmern des afrikanischen Kontinents eine starke Stimme des Mittelstands für Afrika und Deutschland zu sein. Wir wollen uns gemeinsam dafür einzusetzen, dass der afrikanische Kontinent als Chance und starker Partner wahrgenommen wird. Als bundesweites und branchenübergreifendes deutsch-afrikanisches Unternehmensnetzwerk setzt sich die MAA für eine nachhaltige Förderung des Mittelstands in Afrika ein. Dabei unterstützt sie deutsche mittelständische Unternehmen bei ihrem Engagement in Afrika, indem sie zwischen den kleinen und mittleren Unternehmen beider Kontinente Verbindungen schafft und Networking vereinfacht.

Fühlen sich die Mittelständler dabei von der Bundesregierung ausreichend unterstützt?

In den letzten Jahren haben die Europäische Union und die deutsche Bundesregierung einen starken Fokus auf den afrikanischen Kontinent gelegt. Beim G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Hamburg im Juli 2017 hat die Bundesregierung eine umfassende G20-Africa-Partnership-Initiative gegründet und vielversprechende Projekte in Aussicht gestellt. Und bei der Wirtschaftskonferenz „Campact with Africa“ in Berlin im Oktober hat Frau Merkel einen Milliardenfonds für Investitionen in Afrika angekündigt, der vor allem kleinere und mittlere Unternehmen zu einem stärkeren Engagement auf dem Nachbarkontinent ermutigen soll. Wir begrüßen die Initiativen der Bundesregierung.

Aber? Ich sage aber ganz deutlich: Den Ankündigungen müssen jetzt Taten folgen. Als Mittelstand Alliance Africa wollen und können wir einen Beitrag dazu leisten: Wir haben das Netzwerk, wir haben die Kontakte, wir stehen bereit. In Afrika ist nur Helfen out, Investieren ist in.

Die Zahlen spiegeln das aber noch nicht wider, nur rund 1000 deutsche Firmen sind auf dem afrikanischen Kontinent tätig. Ist es den Meisten dort nicht zu brisant?

Dass nur 1000 deutsche Unternehmer in Afrika tätig sind, ist ein Armutszeugnis für unser Land und zeugt zugleich von mangelnder unternehmerischer Weitsicht. Denn Deutschland ist eine der stärksten Volkswirtschaften, die Hälfte der weltweit rund 2.700 Hidden Champions kommen aus dem deutschen Mittelstand. Nun zu den Problemen: Viele Mittelständler sind für eine Markterschließung auf dem afrikanischen Kontinent nicht gut genug vorbereitet, und das lässt sie dann im worst case scheitern.

Was müssen sie tun, damit das nicht geschieht?

Wer erfolgreich sein will, muss mit lokalen Partner arbeiten, mit lokalen Arbeitskräften, die eine Ausbildung brauchen. Die Auswahl des Landes, in dem man sich geschäftlich engagieren möchte, spielt eine wichtige Rolle, dieser Faktor wird meistens unterschätzt. Das angebotene Produkt muss die lokale Nachfrage befriedigen, und last but not least, braucht es unternehmerische Ausdauer. Die kulturellen Unterschiede sind sehr stark und können zu Missverständnissen, oft genug auch zum Misserfolg führen. Dass Geschäft in Afrika funktioniert kann, haben uns ganz deutlich die Franzosen und vor allem die Chinesen gezeigt. Hier haben unsere deutschen Mittelständler riesigen Nachholbedarf.

Augenmerk auf Dynamik afrikanischer Länder lenken

Was muss sich ändern, damit Afrika für Mittelständler interessanter wird? Mehr Hermes-Bürgschaften? Mehr Markteintrittsförderung?

Entscheidend ist, dass sich die Wahrnehmung des Kontinents in der deutschen Öffentlichkeit ändert. Das Bild Afrikas ist zumeist von Krieg, Krankheit, Krise und Korruption geprägt, also negativ. Doch Afrika ist ein Kontinent der Chancen und der Zukunft, ein Kontinent der Digitalisierung, mit einer dynamischen Start-up Szene, einer stetig wachsenden Mittelschicht und mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent. Wir müssen viel stärker das Augenmerk auf das Geschäftspotenzial und die Dynamik aller afrikanischen Länder lenken. Natürlich spielt auch die Frage von Hermes-Bürgerschaften oder Export-Absicherungen eine wichtige Rolle, da hat aber die Bundesregierung für bestimmte Länder bereits deutliche Verbesserungen vorgenommen. Diese sollten für mehr Länder gelten, allerdings müssen auch die afrikanischen Länder selbst deutlich stärker an ihrer Investitionspolitik und ihrer Attraktivität arbeiten, wenn sie deutsche Mittelständler gewinnen möchten.

Mehr Kooperation mit afrikanischen Firmen sagt sich leicht, doch sind die Geschäftskulturen nicht zu unterschiedlich?

Die deutsche Wirtschaft ist stark exportorientiert, das macht unseren Erfolg aus. Jedes dritte deutsche Unternehmen ist im Ausland aktiv. Es ist mehr eine Frage der Vorbereitung und des Willens, und dieses Prinzip gilt für alle Märkte. Die Mittelstand Alliance Afrika arbeitet mit kompetenten Partnern, die im Bereich Coaching unsere Mittelständler sehr gut vorbereiten können.

Chancen beruflicher Bildung à la Germany

Wenn es um Entwicklung in Afrika geht, ist oft die Rede von beruflicher Bildung à la Germany. Hat das Modell dort überhaupt eine realistische Chance?

Eine große sogar. Das deutsche duale System ist als Modell mehr denn je gefragt. Ich habe verschiedene Präsidenten Afrikas getroffen, unter anderem Macky Sall von der Republik Senegal und Fraure Gnassingbé von der Republik Togo. Beide haben Ausbildung und Bildung als Schwerpunkte ihrer politischen Agenda und orientieren sich dabei am erfolgreichen deutschen Vorbild. Deswegen begrüßen wir insbesondere die „BMZ- Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung“, die für einen echten Mehrwert und Nachhaltigkeit vor Ort sorgt. In Bildung zu investieren heißt im Endeffekt, in die Menschen zu investieren, die Jungen von heute, die das Afrika von morgen gestalten werden. Bildung schafft Perspektive und ist der Schlüssel für die Zukunft eines Kontinents, der im Jahre 2050 rund 2,4 Milliarden Menschen zählen wird, zwei Drittel davon jünger als 25 Jahre.


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