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29.11.2018, 16:34 Uhr RUSSLAND-KONFLIKT

Warum die Ukraine Sandkastenspielchen betreibt

Von Marion Trimborn


Die Ukraine fordert die Entsendung der deutschen Marine vor die Krim. Foto: Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpDie Ukraine fordert die Entsendung der deutschen Marine vor die Krim. Foto: Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dp

Osnabrück. Sollte Deutschland Russland in die Schranken weisen - auch mit der Entsendung von Kriegsschiffen? Die Forderung des ukrainischen Präsidenten Poroschenko ist nicht nur unverschämt, sondern auch kriegstreiberisch. Kanzlerin Merkel tut gut daran, auf Diplomatie statt Konflikt zu setzen. Ein Kommentar

Es ist wie im Sandkasten, wo ein Junge dem anderen mit der Schaufel auf den Kopf haut und dann laut um Hilfe ruft. Es gibt durchaus Anzeichen dafür, dass die Ukraine den Zwischenfall im Schwarzen Meer provoziert hat. Dass sie jetzt eine Nato-Flotte inklusive deutscher Kriegsschiffe verlangt, die Russland in die Schranken weisen soll, ist ein Spiel mit dem Feuer.

Im ukrainischen Wahlkampf ist dem angezählten Präsidenten Poroschenko daran gelegen, sich vor der Bevölkerung als starker Mann zu profilieren. Dabei sollte inzwischen allen klar sein, dass dieser Konflikt militärisch nicht zu lösen ist. Wo soll das enden, wenn sich die Nato und Russland im Schwarzen Meer mit Waffen gegenüberstünden?

Kanzlerin Merkel tut gut daran, Poroschenko trotz seiner schmeichelnden Worte über die „große Freundin Merkel“ abblitzen zu lassen. Vollkommen richtig ist auch, das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 ebenso wie neue, erwiesenermaßen unwirksame Sanktionen aus der Debatte raus zu halten.

Statt Russland mal wieder zu provozieren, sollte der Westen auf kluge Diplomatie setzen und die seit Jahren mitverschuldete Zuspitzung der Lage beenden. Erst einmal müssen unabhängige Experten den Vorfall untersuchen. Dann sollte die Nato Vorschläge machen, um die grenznahen Militärmanöver auf beiden Seiten zu stoppen. Auch die Option zur Aufnahme der Ukraine in die Nato ist zu überdenken. Und wie wäre es mit einer neuen Abstimmung auf der Krim? Mit solch einer Initiative könnte Deutschland beim G20-Gipfel punkten - aber nicht mit dem Auslaufen der Marine.


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