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28.11.2018, 17:25 Uhr zuletzt aktualisiert vor WAS TUN GEGEN DEN ORGAN-MANGEL?

Zeit für die Widerspruchslösung

Von Tobias Schmidt


Spender-Herzen dringend gesucht. Eine Widerspruchslösung würde den dramatischen Organ-Mangel entschärfen.
Bild: dpaSpender-Herzen dringend gesucht. Eine Widerspruchslösung würde den dramatischen Organ-Mangel entschärfen. Bild: dpa

Berlin. Kampagnen und Appelle waren vergebens. Die Zahl der Organspender ist in den vergangenen Jahren immer weiter eingebrochen. 10 000 Menschen warten, viele in Todesangst. Nicht wenige bezahlen mit dem Leben, weil einfach kein passendes Herz, keine Leber oder Niere gespendet wird.

Es ist Zeit für den Gesetzgeber, den Mut zu einer radikalen Reform aufzubringen. Jeder sollte ein potenzieller Spender werden, wenn er nicht selbst "Nein" sagt und Angehörige keine Einwände erheben. Die doppelte Widerspruchslösung würde vermeidbarem Leiden und Sterben ein Ende setzen. So wird es, mit Ausnahme der Schweiz und Dänemarks, inzwischen in allen Nachbarländern gemacht.

Die Organspende zu erzwingen wäre ein unzumutbarer Eingriff in die Grundrechte. Jeder Einzelne oder dessen Familie kann Gründe haben, dass der Körper nach dem Tode unversehrt bleibt. Die Transplantationsmedizin ist aber nicht deshalb ein Trauerfall, weil das Gros der Gesellschaft nicht spenden will: Mehr als acht von zehn Bundesbürgern bewerten die Organspende positiv. Das System krankt daran, dass die Allerwenigsten die entscheidende Frage für sich selbst beantworten. 

Den Betroffenen, die auf Organe warten, ist diese Gleichgültigkeit nicht länger zumutbar. Denjenigen, die nicht spenden wollen, ist es hingegen sehr wohl zumutbar, einfach "Nein" zu sagen.


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