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Panzer schon an Grenze? Streit zwischen Russland und Ukraine: Poroschenko warnt vor Krieg

Von dpa

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Ein Auto wird an einem mit ukrainischen Polizisten besetzten Kontrollpunkt angehalten. Foto: dpa/AP/Evgeniy MaloletkaEin Auto wird an einem mit ukrainischen Polizisten besetzten Kontrollpunkt angehalten. Foto: dpa/AP/Evgeniy Maloletka

Moskau/Kiew. Von Entspannung keine Spur: Der Streit zwischen Russland und der Ukraine droht zu eskalieren. Gibt es bald Krieg?

Im Konflikt mit Russland verschärft der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Ton. In einem TV-Interview warnte er vor der Gefahr eines russischen Einmarschs in sein Land. "Die Zahl der Einheiten, die entlang unserer ganzen Grenze stationiert wurden, ist um einiges gestiegen", sagte er am Dienstag mit Blick auf das angeblich vorrückende russische Militär. Poroschenko betonte: "Dem Land droht ein großangelegter Krieg mit der Russischen Föderation." 

Konstantin Kossatschow, Chef des Außenausschusses im russischen Föderationsrat, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, sein Land habe einen Krieg gegen die Ukraine nie als Perspektive betrachtet. Er bezeichnete aber Poroschenko einen "Präsidenten des Krieges".

Deutschland und Frankreich boten sich am Dienstag als Vermittler an. Die Ukraine hatte als Reaktion auf das russische Vorgehen beschlossen, erstmals das Kriegsrecht anzuwenden. 

Stationiert Russland bereits Einheiten an ukrainischer Grenze?

Das Kriegsrecht gilt etwa in den Grenzregionen zu Russland. Weil der ukrainische Präsident Petro Poroschenko seinen Erlass mehrfach abänderte, war unklar, ob das Kriegsrecht bereits seit Montag gilt oder ob es erst an diesem Mittwoch in Kraft tritt. Die amtliche Fassung des Erlasses war am Dienstagabend noch nicht veröffentlicht. Es solle keine Auswirkungen auf die angepeilte Präsidentenwahl haben, die am 31. März stattfinden soll, hatte Poroschenko versprochen.

Dieses Bild aus einem Video der russischen Küstenwache, veröffentlicht vom russischen Bundessicherheitsdienst, zeigt den Vorfall zwischen der russischen Küstenwache und einem ukrainischen Marineboot. Russland zufolge fuhren drei ukrainische Schiffe unbefugt durch russische Hoheitsgewässer, während die Ukraine behauptet, dass eines ihrer Boote von einem russischen Küstenwachschiff gerammt wurde. Foto: dpa/AP/Russia's Federal Security Service

Angesichts der Krise zwischen der Ukaine und Russland stellte US-Präsident Donald Trump ein geplantes Treffen mit Putin in dieser Woche beim G20-Gipfel in Buenos Aires in Frage. Er erwarte erst einen Bericht seines Nationalen Sicherheitsteams zur Lage. "Ich mag diese Aggression nicht", sagte Trump der "Washington Post".

Der Kreml wiederum warnte vor einer Eskalation der Lage in der Ostukraine. Mit dem Kriegsrecht könnten die Spannungen in der von Separatisten kontrollierten Konfliktregion weiter zunehmen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Vor dem Hintergrund der geplanten Wahlen sei ein solcher Schritt aber leicht zu durchschauen.

"Wir müssen alles für eine Deeskalation tun"

Im Ringen um eine Lösung des Konflikts wies Moskau postwendend den deutsch-französischen Vermittler-Vorschlag zurück. Die russischen und ukrainischen Behörden könnten die Probleme selbst diskutieren, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Sein deutscher Kollege Heiko Maas mahnte: "Wir müssen alles für eine Deeskalation tun, um zu verhindern, dass aus diesem Konflikt eine noch schwerere Krise für die Sicherheit in Europa wird."

Diese Sorge teilen viele westliche Länder, die EU und auch die Nato. Der Tenor ihrer Reaktionen ist deshalb ähnlich: Man sei tief besorgt, eine weitere Eskalation müsse vermieden werden. UN-Generalsekretär António Guterres forderte, Russland und die Ukraine müssten sich "maximal zurückhalten" und sofort Schritte zur Reduzierung der Spannungen unternehmen. Danach sieht es aber erstmal nicht aus.

Die russische Küstenwache hatte am Sonntag zwei Patrouillenboote und einen Schlepper der ukrainischen Marine mit Gewalt daran gehindert, vom Schwarzen Meer in das Asowsche Meer durchzufahren. Russland betrachtet die Meerenge von Kertsch als sein Hoheitsgebiet, auch wenn ein Vertrag von 2003 der Ukraine freie Durchfahrt garantiert. Die Besatzungen wurden von russischen Grenzern festgesetzt.

U-Haft für Seeleute

Ein russisches Gericht in Simferopol auf der Krim verhängte am Dienstag gegen die ersten dieser Seeleute zwei Monate Untersuchungshaft. Ihnen wird illegaler Grenzübertritt vorgeworfen. Damit drohen ihnen bei einem Prozess in Russland bis zu sechs Jahre Haft. Für diesen Mittwoch stehen weitere Verhandlungen an.

An Bord der festgesetzten Schiffe hielten sich auch Offiziere des ukrainischen Geheimdienstes auf. Gemäß Gesetz hätten sie den Seestreitkräften "nachrichtendienstlich" geholfen, teilte die Behörde in Kiew mit. Einer der Geheimdienstoffiziere sei vor der Festnahme von einer "ungelenkten Rakete" schwer verletzt worden.

International ging der Appell an Russland, die Matrosen freizulassen. "Die festgesetzten Schiffe und Matrosen sind freizusetzen", sagte etwa Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. "Die Ukraine muss Belege zum genauen Hergang auch vorlegen." Der Kreml verwies auf die Unabhängigkeit des Gerichts. Russland hatte sich vor vier Jahren die ukrainische Halbinsel einverleibt.

Die Straße von Kertsch. Foto: dpa-infografik

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt zur Deeskalation auf eine vermittelnde Rolle der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die unterschiedlichen Darstellungen des Vorfalls vom Wochenende sollten an die OSZE gegeben und dort geprüft werden, sagte die CDU-Chefin nach Teilnehmerangaben in der Sitzung der Unionsfraktion in Berlin. Die OSZE überwacht auch den Konflikt in der Ostukraine.

Am Montag hatte die Kanzlerin zuerst mit Poroschenko und dann mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Ihr Vorschlag sei nicht rundheraus abgelehnt worden, sagte sie den Angaben zufolge in der Fraktionssitzung. Die Darstellungen der Vorgänge, die sie von Putin und Poroschenko gehört habe, könnten unterschiedlicher nicht sein, wurde Merkel von Teilnehmern der Fraktionssitzung zitiert. Bevor sie die Protokolle der Funksprüche zu dem Vorfall nicht eingesehen habe, könne sie kein endgültiges Urteil abgeben.

Putin selbst will sich erst in den nächsten Tagen öffentlich zu den neuerlichen Spannungen äußern. „Der Präsident wird dies tun, wenn er es für notwendig hält", sagte sein Sprecher. Es sei aber eine sehr ernste Angelegenheit für ihn. Eine Gelegenheit könnte sich am kommenden Wochenende beim G20-Gipfel in Argentinien bieten. 


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