Bedford-Strohm fordert Debatte Genbaby geboren: Kirchen warnen vor Selektion und Menschen-Design

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das CRISPR/Cas9-Verfahren wird auch in Deutschland getestet. Der Einsatz in der menschlichen Keimbahn ist allerdings verboten. Foto: dpaDas CRISPR/Cas9-Verfahren wird auch in Deutschland getestet. Der Einsatz in der menschlichen Keimbahn ist allerdings verboten. Foto: dpa

Osnabrück. Nach der mutmaßlichen Geburt eines genveränderten Babys in China hat ein Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz globale Verpflichtungen gefordert, um vergleichbare Fälle und eine Selektion von Leben zu verhindern. Die Evangelische Kirche warnt vor Grenzüberschreitungen.

Der Ethikexperte der Bischofskonferenz, Weihbischof Anton Losinger, warnte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wenn sich dieser Vorgang bewahrheitet, dann verletzt er sämtliche wissenschaftlichen Regeln“. Er würde die Reichweite der wissenschaftlichen Verantwortung überschreiten. „Das wäre ein Menschenexperiment. Betroffen wären bei einem solchen Keimbahneingriff nicht nur die Kinder selbst, sondern auch alle ihre Nachkommen“, sagte Losinger, der Mitglied der Sozialkomission der Deutschen Bischöfe ist.

Gentechnik als Therapie nicht per se falsch

Gentechnik im Grundsatz lehnte der Geistliche allerdings nicht ab. „Wenn Gentechnik heute zu Therapiezwecken eingesetzt wird, wird niemand sagen, dass das falsch ist – solange sich die Folgen der Technik klar abschätzen lassen.“ Das sei beim aktuell in Rede stehenden Embryonenexperiment nicht der Fall. „Wir brauchen daher in der Biogenetik ähnliche Schutzstandards wie bei den Menschenrechten. Sonst stehen am Ende Perfektionierung und Selektion“, sagte Losinger.

Bedford-Strohm: „Ethisch hochproblematisch“

Die evangelische Kirche lehnt das Experiment ebenfalls ab. Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch): „Ob die Angaben des chinesischen Forschers wirklich stimmen, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sicher gesagt werden. Wenn sie stimmen, ist hier eine Grenze überschritten worden, die ethisch hochproblematisch ist.“ Bedford-Strohm warnte: „Genetische Eingriffe in die menschliche Keimbahn wirken sich auf alle Nachkommen aus. Damit öffnet sich die Tür für das gezielte Formen des Designs eines zukünftigen Menschen.“ Ein solcher Eingriff in das menschliche Leben stehe im Widerspruch zum christlichen Verständnis des Menschen, das den Menschen als Bild Gottes sieht. „Die wissenschafts- und forschungsethischen Fragen, die sich aus dem Genome Editing ergeben, bedürfen ebenso einer intensiven ethischen Besinnung in der Gemeinschaft der Forschenden wie einer breiten gesellschaftlichen und kirchlichen Diskussion.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN