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27.11.2018, 15:47 Uhr KOMMENTAR

Genverändertes Baby geboren: Die Ablehnung im Affekt wäre zu einfach

Von Burkhard Ewert


Eingriff an den Genen - hier am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. Bald könnten so auch ungeborene Babys behandelt werden - in China ist es jetzt angeblich erstmals geschehen. Foto: Gregor Fischer/dpaEingriff an den Genen - hier am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. Bald könnten so auch ungeborene Babys behandelt werden - in China ist es jetzt angeblich erstmals geschehen. Foto: Gregor Fischer/dpa

Osnabrück. In China soll erstmals ein genverändertes Baby geboren worden sein. Ein Arzt will ihm zur Immunität gegen das HIV-Virus verholfen haben. Die Kritik aus Fachwelt und Gesellschaft ist groß - die Verheißungen der Technologie sind es aber ebenfalls. Eine Ablehnung sollte nicht aus dem Affekt heraus erfolgen.

Es sieht so aus, dass die Nachricht stimmt. Aber selbst wenn nicht, kann es keinen Zweifel geben, dass die genetische Manipulation ungeborener Babys möglich ist. Irgendwann wird sie geschehen, wenn nicht jetzt, dann bald, wenn nicht öffentlich, dann geheim.

Science-Fiction-Kinder?

Der Fall aus China muss daher Weckruf sein, eine Debatte um Ethik und Forschung zu führen. Als erster Impuls wird Ablehnung überwiegen. Science-Fiction-Kinder, wer will das schon? Andererseits kann das Crispr-Verfahren in konkreten Fällen segensreich wirken. Zur Wahrheit zählt auch, dass es bei künstlichen Befruchtungen längst zum Standard zählt, Krankheiten durch Genuntersuchungen auszuschließen. Vorgeburtliche Gendiagnostik wird ebenfalls genutzt. Häufig führt sie zu Abtreibungen, wenn sich ein behindertes Kind ankündigt.

Aussortieren oder heilen?

Was also ist verwerflicher? Einen kranken Embryo zu vernichten, oder ihn vor der Geburt zu heilen? Wo ist die Grenze? Wann geht es um Heilung, wann um Optimierung? Worin liegt der Unterschied? Worin liegen die Risiken? Welche religiösen Einwände sind wichtig?

Mächtige Versuchung 

Der aktuelle Fall verdeutlicht, wie dringend sich die Menschheit mit diesen Fragen befassen muss. Falsch wäre, dies im Affekt zu tun. Die Technologie ist in der Welt. Sie wird nicht wieder verschwinden. Fortan gilt es, sie kontrolliert weiter zu erforschen, oder sich für den Versuch zu entscheiden, sie mit allen Mitteln zu unterbinden. Wahrscheinlich ist allerdings, dass das nicht gelingen wird. Zu mächtig ist die wissenschaftliche und finanzielle Versuchung des Machbaren. Zu groß ist aber auch die Hoffnung kranker Menschen, gesunde Kinder bekommen zu können.

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