Reform der Pflegeheim-Bewertung Patientenschützer fordern Noten und K.o.-Kriterien für Pflege-TÜV

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Der Pflege-TÜV soll die Leistungen von Pflegeheimen vergleichbar machen. Eine Reform kommt seit Jahren nicht voran.
Foto: dpaDer Pflege-TÜV soll die Leistungen von Pflegeheimen vergleichbar machen. Eine Reform kommt seit Jahren nicht voran. Foto: dpa

Berlin. Wer seine Angehörigen in Pflegeheimen unterbringen muss, will wissen, was sie dort erwartet. Der bisherige Pflege-TÜV leistet das nicht. Auch die nun geplante Reform würde nicht ausreichen, um Betroffenen bei der Pflegeheim-Auswahl zu helfen, kritisiert Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

„Das vorgeschlagene Punktesystem der Wissenschaftler ist nicht benutzerfreundlich. Vielmehr braucht es eine Gesamtnote und pflegerelevante K.-o.-Kriterien“, sagte Brysch im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Menschen brauchen einen Pflege-TÜV, der leicht verständlich ist, die Praxis abbildet und eine schnelle Vergleichbarkeit ermöglicht“, forderte er.

Der Fachmann nimmt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in die Pflicht: „Krankenkassen und Pflegeanbieter dürfen den Reformprozess jetzt weder verwässern noch stoppen! Bundesgesundheitsminister Spahn ist gefordert, Verantwortung zu übernehmen.“ Der CDU-Politiker hatte die geltenden Pflege-TÜV-Regeln selbst kürzlich scharf kritisiert. Ein TÜV, bei dem fast jedes Heim ein "sehr gut" bekomme, "verdient seinen Namen nicht".

Das bisherige System zur Bewertung von Pflegeheimen gilt wegen der durchweg sehr guten Noten als nicht aussagekräftig. Ein jetzt vorgelegtes Reformkonzept von Wissenschaftlern sieht vor, die Pflege anstatt mit Noten anhand von vier Kategorien zu bewerten. Zwar wiesen die Vorschläge „den richtigen Weg“, sagte Brysch. Notwendig sei aber „eine brauchbare Orientierungshilfe, die die tatsächliche Pflegequalität in Noten abbildet“. 

Er forderte auch die Aufnahme von K.-o.-Kriterien, konkret nannte er „die Schmerztherapie und die Verhinderung von Wundgeschwüren, die Gabe von Medikamenten sowie die Behandlungspflege“. Auch besondere Hilfen für Demenzkranke und Sterbende hätten „eine herausragende Bedeutung“.  Brysch verwies darauf, dass Versicherte seit langem „jedes Jahr Hundert Millionen Euro für den Pflege-TÜV“ bezahlten, ohne dass ein überzeugendes Konzept in Sicht sei.



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