Gespräch mit Rüdiger Grube Ex-Bahn-Chef schämt sich für Zugverspätungen

Von Manfred Ertel

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Acht Jahre lang hat Rüdiger Grube als Vorstandsvorsitzender die Bahn geleitet, hier im Jahr 2016 mit einem Modell des neuen ICE 4. Heute ärgert er sich als Kunde über die Verspätungen seines ehemaligen Arbeitgebers. Foto: dpa/Soeren StacheAcht Jahre lang hat Rüdiger Grube als Vorstandsvorsitzender die Bahn geleitet, hier im Jahr 2016 mit einem Modell des neuen ICE 4. Heute ärgert er sich als Kunde über die Verspätungen seines ehemaligen Arbeitgebers. Foto: dpa/Soeren Stache

Osnabrück. Dem ehemaligen Vorstandschef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, sind die häufigen Verspätungen der Bahn nach wie vor ein Dorn im Auge – heute als häufiger Passagier. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte der 67-Jährige: „Ich schäme mich, wenn ich teilweise die schlechten Leistungen erlebe, ich habe schließlich acht Jahre dort die Verantwortung gehabt.“

Fast jeden Tag fahre er mit dem Zug oder fliege irgendwo hin, sagte Grube: „Beides tut sich nicht viel, auch Flugzeuge kommen zu spät, und beides ist nicht gut.“ Gerade die Bahn habe viele Herausforderungen zu meistern, sagte der Manager, der mittlerweile Aufsichtsratsvorsitzender des Hamburger Hafens ist. 

Er wolle die Leistungen nicht schmälern, die Bahn und auch Fluggesellschaften täglich bringen, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Bahn täglich 37.000 Züge plus 6000 Güterzüge bewegt und 7,5 Millionen Menschen befördert. Manche Ursachen für Verspätungen könne die Bahn allerdings selbst nicht beeinflussen. "Aber ich will gar nichts gesundbeten", sagte Grube. "Die Bahn hat viele Herausforderungen zu meistern. Doch dafür sind jetzt andere verantwortlich."

Im vergangenen Jahr war Grube nach einem Streit um die Verlängerung seines Vertrages vorzeitig als Vorstandschef der Bahn zurückgetreten. Im Ruhestand sei er aber "mit Sicherheit nicht angekommen", räumte er ein: "Aber der Stress ist ein völlig anderer, weil ich mich ausschließlich auf Themen fokussieren kann die mir Spaß machen. Was Spaß macht, macht man gern. Und was man gern macht, macht man auch gut."

Auf die Frage, ob er über einen Wechsel in die Politik nachgedacht habe, antwortete Grube: "Das reizt schon ein bisschen." Er habe sich geehrt gefühlt, dass er in Hamburg gefragt worden war, als ein neuer Wirtschaftssenator gesucht wurde. "Aber es gibt ein altes Sprichwort: Schuster, bleib bei deinen Leisten." 


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