Ein Bild von Michael Clasen
08.11.2018, 17:29 Uhr CSU-MANN SPITZENKANDIDAT DER EVP

Weber kann Europa, doch obsiegt die Angst vor Deutschland?

Kommentar von Michael Clasen

Der Moment des Triumphs: Der CSU-Politiker Manfred Weber (links) ist zum Spitzenkandidat der EVP für die Europawahl gewählt worden. Alexander Stubb (rechts) aus Finnland erwies sich als fairer Verlieren. Foto: dpa/Markku Ulander/LehtikuvaDer Moment des Triumphs: Der CSU-Politiker Manfred Weber (links) ist zum Spitzenkandidat der EVP für die Europawahl gewählt worden. Alexander Stubb (rechts) aus Finnland erwies sich als fairer Verlieren. Foto: dpa/Markku Ulander/Lehtikuva

Osnabrück. Gratulation. Manfred Weber hat sich bei Europas Konservativen durchgesetzt. Der CSU-Mann zieht als Spitzenkandidat der EVP in die Wahl 2019. Damit sind die Chancen erheblich gestiegen, dass ein Deutscher Chef der mächtigen EU-Kommission wird.

Weber wäre ein hervorragender Nachfolger von Jean-Claude Juncker. Der hat sich viele Verdienste erworben. Gesundheitlich angeschlagen, machte Juncker aber zuletzt keine gute Figur mehr. Zudem vermochte er es nicht, Europas Gräben zu überwinden. Die Flüchtlingsfrage spaltet den Kontinent in Ost und West, die Eurorettung in Nord und Süd. Deshalb sollte der nächste Kommissionschef ein Brückenbauer sein. 

Diese Rolle kann Weber ausfüllen. Der 46-Jährige hat zwar keine Erfahrung mit Staatsämtern, doch sein besonnenes Auftreten verspricht eine ausgleichende Persönlichkeit an der Spitze der EU, die vor allem eins braucht: mehr Mut zur Einheit.

Ob Webers Traum in Erfüllung geht, entscheidet aber nicht allein der Wähler. Mitgliedsländer könnten den Bayern selbst im Falle eines Wahlsieges noch stoppen. Die Angst vor einem von Deutschland dominierten Europa mag unbegründet sein. Sie sollte jedoch ernst genommen werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN