Vorstoß des Pflege-Bevollmächtigten Pflege-"Ko-Pilot" soll überforderten Angehörigen helfen

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein "Pflege-Ko-Pilot" soll Angehörige bei der Betreuung Bedürftiger unterstützen, fordert der Pflegebevollmächtigte Andreas Westerfellhaus. Foto: Patrick Pleul/dpaEin "Pflege-Ko-Pilot" soll Angehörige bei der Betreuung Bedürftiger unterstützen, fordert der Pflegebevollmächtigte Andreas Westerfellhaus. Foto: Patrick Pleul/dpa

Berlin. In Deutschland pflegen 2,5 Millionen Menschen bedürftige Angehörige. Ein Großteil fühlt sich überlastet und will nicht weitermachen. Der Pflege-Bevollmächtigte der Bundesregierung hat einen Plan, um ihnen zu helfen. Im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion erklärt er Einzelheiten.

"Ich schlage vor, in der sozialen Pflegeversicherung einen 'Pflege Ko-Piloten' zu verankern", sagte Andreas Westerfellhaus. Vorbild dafür sei "die bewährte Beratung und Betreuung frischgebackener Eltern durch Hebammen", erläuterte der Pflege-Bevollmächtigte.

Zuletzt gab es jedes Jahr rund 900 000 neue Pflegefälle. Und diese treten meist plötzlich ein. Wie nach einer Geburt wird gerade in der Anfangszeit professionelle Hilfe benötigt, betont Westerfellhaus. Der "Ko-Pilot" soll Pflegepersonen und ihre Angehörigen vor allem zu Beginn einer Pflegesituation "vertrauensvoll begleiten, sie auf die Aufgaben, aber auch mögliche Konflikte vorbereiten und über Hilfsangebote informieren", erklärt der Pflege-Bevollmächtigte. (Weiterlesen: Gewalt in der Pflege: "Fast hätte ich Horst eine geknallt")

"185 000 pflegende Angehörige wollen aufgeben"

Unterstützung etwa bei Verbänden und Körperpflege, aber auch ein offenes Ohr für die Sorgen und praktische Ratschläge - so lautet die Job-Beschreibung.

Eine von den Kassen bezahlte "Pflege-Hebamme" könnte ein sinnvoller Ansatz gegen die Überforderung sein.  Zwar gibt es schon viele Angebote der häuslichen Krankenpflege und einen Rechtsanspruch auf Pflegeberatung. Bürokratische Hürden einerseits und Zeitmangel der professionellen Pfleger anderseits führen aber dazu, dass sich Angehörige im Stich gelassen fühlen. 

Der gestern in Berlin präsentierte Pflegereport der Krankenkasse Barmer offenbart dies: Von den 2,5 Millionen pflegenden Angehörigen stehen demnach 185 000 kurz davor, aufzugeben. Das Heim bliebe dann der letzte Ausweg für viele Betroffene. Und deren Zahl wird stark ansteigen, heißt es im Bericht. Denn die Gesellschaft wird immer älter.

"Fester Ansprechpartner für Familien"

"Überforderte Angehörige brauchen wirksame Entlastung, bevor Pflegebedürftige Schaden nehmen", wirbt Westerfellhaus daher für seinen Vorstoß. Nach einer intensiven Betreuungsphase soll der Pflege-"Ko-Pilot" den Familien weiter als fester Ansprechpartner zur Verfügung stehen, weiterhin Besuche machen. Seinen Plan lässt der Pflege-Bevollmächtigte derzeit wissenschaftlich ausarbeiten.

Westerfellhaus sieht den "Ko-Piloten" als wichtige Ergänzung des Pflegekräfte-Stärkungsgesetzes, das am heutigen Freitag vom Bundestag verabschiedet werden soll. Dies sieht etwa vor, dass pflegende Angehörige in Kur gehen können und ihre Angehörigen dabei sicher versorgt wissen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN