Rentenversicherung zieht Bilanz Starkes Rentenplus - aber bleibt das auch so?

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Rentner in Mainau,  Baden-Württemberg.  Foto: Patrick Seeger/dpaRentner in Mainau, Baden-Württemberg. Foto: Patrick Seeger/dpa

Würzburg . Die gesetzlichen Renten werden im kommenden Jahr erneut deutlich steigen. Doch wie geht es danach weiter? Wie wird sich das Rentenpaket auswirken, das der Bundestag an diesem Donnerstag abschließend berät?

Gute Nachricht für die 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland. Die gesetzlichen Renten werden Mitte kommenden Jahres in den alten Bundesländern voraussichtlich um 3,0 bis 3,5 Prozent steigen. In den neuen Bundesländern dürften es wegen der gesetzlich vorgesehenen Ost-West-Angleichung 0,7 Prozentpunkte mehr sein, so die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund, Annelie Buntenbach, gestern auf einem Presseseminar der Rentenversicherung in Würzburg.

Buntenbach bestätigte damit Vorabmeldungen zum Rentenversicherungsbericht 2018. Demnach geht die Regierung für 2019 von einer Anpassung um 3,18 Prozent im Westen und 3,91 Prozent im Osten aus. Allerdings sind dies zunächst nur Annahmen, da die weitere Lohnentwicklung noch abgewartet werden muss. Bereits zum Juli 2018 hatte es einen Anstieg um 3,22 Prozent in Westdeutschland und 3,37 Prozent in Ostdeutschland gegeben.

Die weiteren Aussichten sind – Stand heute – etwas gedämpfter. Zwar heißt es im Rentenbericht: „Ab dem kommenden Jahr steigen die Renten bis zum Jahr 2032 um insgesamt rund 38 Prozent an.“ Doch bedeutet das im jährlichen Durchschnitt lediglich 2,5 Prozent mehr pro Jahr. In der Berechnung werden nominale Lohnsteigerungen von etwa 3 Prozent unterstellt. Doch wirken sich zugleich Dämpfungsfaktoren aus, die unter anderem die Alterung der Bevölkerung spiegeln.

Das Rentenpaketder Bundesregierung, das die Große Koalition heute im Bundestag beschließen will. führt laut Buntenbach allein im kommenden Jahr zu Mehrausgaben beziehungsweise Mindereinnahmen zwischen 4,1 und 5,0 Milliarden Euro. „Der größte Teil davon entfällt auf die sogenannte Mütterrente II, die allein 3,8 Milliarden Euro ausmacht.“

Die außerdem geplanten Verbesserungen der Erwerbsminderungsrenten werden laut Rentenversicherung bis 2025 zu Mehrausgaben von bis zu einer Milliarde Euro im Jahr führen. Beitragsausfälle sind unter anderem wegen neuer Erleichterungen für Arbeitnehmer mit „Midijobs“ zu erwarten. Sie sollen künftig bis zu einem Einkommen von 1300 (bisher 800) Euro von einem reduzierten Beitrag zur Rentenversicherung profitieren.

Zudem sieht das Rentenpaket der Großen Koalition vor, das Rentenniveau bis zum Jahr 2025 bei 48 Prozent zu stabilisierten und den Beitragssatz bei 18,6 Prozent festzuschreiben. Ohne Rentenpaket könnten die Beiträge nach Angaben der Rentenversicherung im kommenden Jahr auf 18,2 Prozent vom Einkommen sinken. Die Beitragszahler würden dadurch rund 6 Milliarden Euro im Jahr sparen.

Während Buntenbach und Vertreter der SPD die Nichtabsenkung des Beitrags verteidigten, betonte Alexander Gunkel als Vertreter der Arbeitgeber im Bundesvorstand der Rentenversicherung: „Das Geld ist besser bei den Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgehoben.“ Er forderte: „Beiträge senken.“

Scharfe Kritik kam auch vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall: „Dieses Rentenpaket ist eine gewaltige Umverteilung von Jung zu Alt. Nach Berechnungen des Prognos-Instituts verursacht das Rentenpaket alleine bis 2025 Kosten in Höhe von 48 Milliarden Euro. Zwischen 2025 und 2045 schlagen die Nachwirkungen des Rentenpakets mit weiteren 239 Milliarden Euro zu Buche.“

Aktuell sind die Rentenkassen prall gefüllt. Die Rentenversicherung rechnet für das laufende Jahr mit Einnahmen von erstmals mehr als 300 Milliarden Euro (plus 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und mit einem Überschuss von rund 4,05 Milliarden Euro. Zugleich dürfte sich die Nachhaltigkeitsrücklage auf knapp 38 Milliarden Euro erhöhen. Das entspricht 1,77 Monats


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