Midterm Elections 2018 "Wähler-Unterdrückung"? Kuriose Pannen bei US-Wahlen nähren Vorwürfe

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Der Wahlablauf verlief in vielen Bundesstaaten nicht ganz reibungslos. Foto: dpa/Glen Stubbe/Star Tribune via ZUMA WireDer Wahlablauf verlief in vielen Bundesstaaten nicht ganz reibungslos. Foto: dpa/Glen Stubbe/Star Tribune via ZUMA Wire

Washington. Technische Probleme, lange Schlangen und vereinzelte Abweisungen im Wahllokal: Vor allem Minderheiten seien bei den Midterms 2018 bewusst am Wählen gehindert worden, schimpfen Kritiker. Eine Übersicht kurioser Beispiele von vermeintlicher "Wähler-Unterdrückung".

Die USA haben gewählt – doch am Wahltag der sogenannten Midterms sahen sich viele Amerikaner mit Hindernissen konfrontiert. Teils funktionierten die Wahlcomputer nicht oder es gab so wenige, dass Wähler stundenlang auf ihre Stimmabgabe warten mussten. Die Fälle heizen die Debatte um die "voter suppression" – Wahlbehinderung – an, wonach vor allem Minderheiten am Wählen behindert worden seien. Viele fordern eine juristische Aufarbeitung der Vorfälle. Ein Überblick:

Wahlchaos in Georgia

In Georgia war ein besonders spannendes Rennen um den Gouverneursposten erwartet worden, doch technische Probleme und ein fataler "Schreibfehler" behinderten den Wahlbetrieb erheblich. Die Demokratin Stacey Abrams versuchte, in Georgia als erste schwarze Frau das Gouverneurs-Amt eines US-Staates zu übernehmen. Sie trat an gegen den Republikaner Brian Kemp, der als Staatssekretär in Georgia gleichzeitig für die Durchführung der Wahl verantwortlich war – was Kritiker als schweren Interessenkonflikt werteten. 

Weiterlesen: So beeinflussten die Republikaner Wähler am Wahltag

Blickt man auf die vielen Beschwerden aus seinem Staat, hat er sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Gewonnen hat der umstrittene Republikaner die Gouverneurswahl dennoch – mit 50,5 Prozent. Stacey Abrams, für die im Vorfeld US-Stars wie Oprah Winfrey und John Legend geworben hatten, erhielt 48,6 Prozent der Stimmen.

In mehreren Bundesstaaten, wie hier in Snellvillle, Georgia, verzögerten technische Probleme die Stimmabgabe.

Wähler abgelehnt: Kemp hatte schon vor den Wahlen für Aufruhr gesorgt, weil er mehrere hunderttausend Menschen aus den Wählerverzeichnissen streichen ließ, deren Wahlausweis nicht aufs Leerzeichen genau dem Personalausweis entsprach. Am Wahltag wurden daher einige Wähler abgewiesen, darunter auch Studenten, die nur einen Studentenausweis bei sich hatten.

Nur drei Wahlcomputer aufgebaut: Wie der Wahldirektor in Fulton County einräumte, hatte sein Team versehentlich eine zu niedrige Zahl der registrierten Wähler gemeldet, so dass nur drei Wahlstationen eingerichtet wurden – zu wenige angesichts des großen Wähleraufkommens, wie ein Twitternutzer im Video festhielt: 

Fünf weitere Stationen seien noch schnell bestellt worden, teilte der Wahldirektor hinterher entschuldigend mit. 

Technische Probleme bei der Abstimmung: In mehreren Orten machten die Wahlcomputer Probleme, mancherorts musste auf Papierwahl umgestellt werden. Selbst Kandidat Brian Kemp hatte mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Wahlcomputer sah seine Wahlkarte zunächst als "ungültig", berichtete der Lokalsender WSB.

Stromkabel vergessen: In einer Grundschule in Snellville verzögerte sich die Stimmabgabe um mehrere Stunden, weil die Wahlveranstalter vergessen hatten, Netzkabel für die elektronischen Wahlcomputer mitzubringen. Als ihre Akkus leer waren, musste der Wahlbetrieb pausieren. Mehrere hundert überwiegend afroamerikanische Wähler warteten bis zu vier Stunden auf ihre Stimmabgabe. Ein Gericht erlaubte dem Wahllokal daraufhin, zwei Stunden länger geöffnet zu haben. 

Manipulierte Wahlmaschinen?

Im Bundesstaat Indiana setzten Wahlcomputer das Kreuz in der Zeile über dem angetippten Kästchen – in mindestens zwei Fällen steht es dadurch beim republikanischen Kandidaten statt dem ausgewählten Demokraten, wie Videos zeigen:

In Indiana hat sich letztlich Republikaner Mike Braun den Posten des Senators gesichert, zudem gehen nach bisherigem Stand sieben von neun Kongresssitzen an die Republikaner.

Auch in South Carolina sei es zu diesen Fällen gekommen. Dort erklärte man, die älteren Wahlmaschinen hätten ein Problem mit der Kalibrierung, was dazu führte, dass die Kreuze "falsch platziert" wurden.

Fehlende Wahlmaschinen

In einem Wahllokal in Detroit wurden Wähler am Morgen abgewiesen, weil die Wahlcomputer "in einem Schrank eingeschlossen seien".

Die Wahlhelfer begründeten dies mit "Kommunikationsfehlern". Der Bezirk stellte schließlich die Maschinen auf. Bis dahin seien jedoch einige Wähler schon nach Hause geschickt worden.

Lange Wartezeiten – und defekte Wahlmaschinen

Computerprobleme durch nasse Finger? Vor allem die Wähler im Osten der USA mussten stundenlange Wartezeiten im Regen über sich ergehen lassen, bis sie ihre Stimme abgeben konnten. In North Carolina und New York wurden Probleme mit den Wahlmaschinen mit der "Feuchtigkeit" erklärt, etwa weil Wähler mit nassen Fingern ihre Fingerabdrücke scannen ließen.

Überforderte die hohe Wahlbeteiligung die Helfer? Der Wähler-Ansturm war insgesamt außergewöhnlich groß. Derzeit wird mit der größten Wahlbeteiligung an den Zwischenwahlen seit 50 Jahren gerechnet: 114 Millionen Menschen hätten ihre Stimme abgegeben, schätzt die "New York Times" – damit etwa 47 Prozent der Wahlberechtigten. 2014 gab es 83 Millionen Wähler. Zeugen die langen Warteschlangen also davon, dass die Wahlorganisatoren überfordert waren? Eine Twitternutzerin kritisiert genau das: "Es sagt viel aus über unser demokratisches System, wenn es so schlecht vorbereitet ist auf eine so große Wahlbeteiligung."

Wartende Wähler dürfen nicht abgewiesen werden: Die frühere demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton rief die Menschen in Georgia und anderswo bei Twitter dazu auf, in der Schlange vor den Wahllokalen zu warten, bis sie ihre Stimme abgeben können. Selbst bei Schließung des Wahllokals dürften sie dort nicht abgewiesen werden.

Weiterlesen: Gewinner und Verlierer: Die Gesichter der Zwischenwahlen in den USA


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