Rechte Gewalt Erstmals wieder mehr Angriffe auf Asylunterkünfte

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Erstmals seit Jahren gab es im 3. Quartal wieder mehr Anschläge auf Asylbewerberheime. Foto: Ina WemhönerErstmals seit Jahren gab es im 3. Quartal wieder mehr Anschläge auf Asylbewerberheime. Foto: Ina Wemhöner

Osnabrück. Seit Jahren ist die Gewalt gegen Asylunterkünfte zurückgegangen. Doch im dritten Quartal gab es wieder einen leichten Anstieg mit 37 Anschlägen und mehr Verletzten. Zeichnet sich nach den rechten Protesten in Chemnitz eine Trendwende ab?

Erstmals seit Jahren hat es im abgelaufenen Quartal wieder mehr Angriffe auf Asylbewerberheime gegeben. Im dritten Quartal verzeichnete die Polizei 37 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und damit etwas mehr als im Vorquartal mit 35. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Damit ist der seit Jahren anhaltende Trend nach unten zunächst gestoppt, zumal noch mit Nachmeldungen für das dritte Quartal zu rechnen ist.

Die Übergriffe sind zudem gewalttätiger geworden. Im dritten Quartal gab es neun Verletzte bei Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte - in den ersten beiden Quartalen gab es insgesamt nur einen Verletzten. Ob es sich um eine langfristige Trendwende oder um einen statistischen Ausreißer handelt, ist noch abzuwarten.

Auch außerhalb von Unterkünften Übergriffe

Wegen sinkender Asylbewerberzahlen geht die Gewalt gegen Asylunterkünfte seit längerem zurück. In diesem Jahr hat sich die Zahl der Anschläge im Vergleich zu 2017 mehr als halbiert: Von Januar bis September 2018 zählten die Behörden 114 Anschläge. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 226 gewesen.

Außerhalb von Unterkünften wurden im dritten Quartal 323 Flüchtlinge und Migranten angegriffen und 65 verletzt. Das entspricht in etwa den Zahlen seit Jahresanfang.

Massive rechte Proteste nach Chemnitz

Im September hatte der Tod eines 35-Jährigen, der von einem Iraker erstochen worden war, zu massiven rechten Protesten in Chemnitz gesorgt. Das Innenministerium nennt insgesamt 17 Protestveranstaltungen bundesweit, die im Zusammenhang mit Asyl und Zuwanderung standen, an denen rund 24 800 Menschen teilnahmen und auch die extreme Rechte beteiligt war. Vergleichszahlen dazu nannte das Ministerium nicht. Dabei wurden 86 Straftaten verübt.

Lage hat sich entspannt

Rein statistisch kommt es nach wie vor alle zweieinhalb Tage in Deutschland zu einem Angriff auf Asylbewerberheime. Die Lage hat sich aber entspannt, weil inzwischen weit weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen und viele Notunterkünfte geschlossen werden konnten. Die Aussichten sind gut, dass in diesem Jahr wieder das Niveau von vor der Flüchtlingskrise erreicht wird. 2014 hatte es 199 Angriffe gegeben. 2015 - auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise - waren es 1031 Anschläge, 2016 bundesweit 995.

Linke warnt: Zahlen könnten sich auf hohem Niveau einpendeln

Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, ist aber alarmiert, weil die Zahlen jetzt wieder leicht anstiegen, und warnt: „ Wer darauf vertraut hat, dass die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge kontinuierlich zurückgeht, sieht sich jetzt leider eines besseren belehrt.“ Die Linken-Politikerin befürchtet, „dass sich diese rassistischen Verbrechen auf einem hohen Niveau einpendeln.“ Dies sei nicht verwunderlich, da die AfD ebenso wie einige Politiker der Bundesregierung gegen Migranten hetzten. Jelpke sagte: „Hier ist die ganze Gesellschaft gefordert, den Scharfmachern in die Arme zu fallen.“


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