Fragwürdige Werbung bei US Midterms So beeinflussten die Republikaner Wähler am Wahltag

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Donald Trump und seine republikanische Partei haben das Repräsentantenhaus an die Demokraten verloren, aber den Senat verteidigt. Foto: dpa/Evan VucciDonald Trump und seine republikanische Partei haben das Repräsentantenhaus an die Demokraten verloren, aber den Senat verteidigt. Foto: dpa/Evan Vucci

Washington D.C.. Bei den US-Kongresswahlen schalteten die Republikaner Google-Werbung für Wähler, die nach ihrem Wahllokal suchten.

Wenn in den USA gewählt wird, gibt es immer einige Bundesstaaten, in denen vollkommen klar ist, welche Partei die meisten Stimmen erhalten wird. So sind ländliche Regionen traditionell eher in republikanischer Hand und städtische in demokratischer. Und dann gibt es noch die sogenannten Swing-States. Hier trennen beide Parteien oft nur wenige Stimmen – nicht selten sind diese Staaten das Zünglein an der Waage. Dazu zählen unter anderem auch Indiana und Florida. Deshalb diskreditierte der US-Präsident auch konstant die gegnerischen Kandidaten:

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Fragwürdige Werbung in Swing-States

Vor allem letztgenannter US-Bundesstaat war bei den vergangenen Wahlen immer wieder Schauplatz für Kopf-an-Kopf-Rennen. So trennten Hilary Clinton (Demokraten)  und Donald Trump (Republikaner) bei Präsidentschaftswahl 2016 gerade mal ein Prozentpunkt. Ein ähnlich knappes Rennen wurde auch für die Midterms erwartet. Und das wurde es auch. 

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Dabei wollten die Republikaner jedoch offenbar nichts dem Zufall überlassen und schalteten am Wahltag eine Google-Anzeige, die Wähler dazu bewegen sollte, für die Republikaner zu stimmen. Grundsätzlich sicherlich nicht verwerflich. Allerdings wurde diese Anzeige bei der Suchanfrage nach dem richtigen Wahllokal ausgespielt und zwar nur in den Swing-States:

Die Google-Anzeige für Republikaner bei einer Suchanfrage für das richtige Wahllokal in Florida. Screenshot: Google
Die Google-Anzeige für Republikaner bei einer Suchanfrage für das richtige Wahllokal in Indiana. Screenshot/Google

Wie steht Google zu solchen Anzeigen?

Demnach wurden Wähler, die nur wissen wollten, wo sie ihre Stimme abgeben können und bei einer eigentlich unabhängigen Suchmaschine eingaben "Florida find your polling place" (Florida wo ist mein Wahllokal), als aller ersten angezeigt, dass die Republikaner ihre Unterstützung brauchen und sie deshalb republikanisch wählen sollen. 

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Es ist mindestens dis­kus­si­ons­wür­dig, ob der Zusammenhang, in dem diese Anzeige ausgespielt wurde, im Einklang mit der Google-Politik für Werbung steht. Denn laut den Bedingungen für Werbung auf Google ist irreführende Werbung verboten. Wörtlich steht dort: "Wir möchten nicht, dass sich Nutzer durch Anzeigen irregeführt fühlen. Wir bemühen uns darum, sicherzustellen, dass Anzeigen klar und ehrlich sind und die Informationen bereitstellen, die die Nutzer benötigen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können."

Tatsächlich waren die Republikaner in beiden Bundesstaaten erfolgreich und konnten ihre Vormachtstellung im Vergleich zu empfindlichen Verlusten in anderen Staaten sogar noch ausbauen. Ob und wie stark das auch mit der Google-Anzeige zusammenhängt, ist spekulativ, aber geschadet haben dürfte es wohl nicht. 

TV-Sender verbannen Werbespot

Auf Twitter kursiert ein vergleichbarer Screenshots, der Wähler im Bundesstaat New York bei einer Suchanfrage auf Google nach dem korrekten Wahl-Bezirk dazu aufruft, für den Demokraten Andrew Cuomo als Gouverneur zu stimmen. Ob diese Anzeige allerdings tatsächlich so ausgespielt wurde, konnte am Tag darauf nicht mehr verifiziert werden. 

Bereits zuvor hatten die Republikaner äußert fragwürdige Werbung geschaltet, die eher einer Propaganda gleich kam und daher auch nach kurzer Zeit von vielen TV-Sender aus dem Programm genommen wurde. Der Vorwurf: In dem Wahlwerbespot würden falsche Tatsachen behauptet. 



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