Herzinfarkte Björn Steiger Stiftung: Städte müssen mehr gegen Herztod tun

Die Björn Steiger Stiftung fordert von Städten und Gemeinden mehr öffentlich zugängliche Defibrillatoren. Foto: Wilfried RoggendorfDie Björn Steiger Stiftung fordert von Städten und Gemeinden mehr öffentlich zugängliche Defibrillatoren. Foto: Wilfried Roggendorf

Osnabrück. Herzleiden zählen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Bei Männern ist das Risiko eines Herzinfarkts größer. Dabei könnten viele Betroffene im Notfall gerettet werden. Zum Weltmännertag fordert die Björn Steiger Stiftung von Städten und Gemeinden, im Kampf gegen den Herztod mehr lebensrettende Defibrillatoren an öffentlichen Orten zu installieren.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte der Präsident der Stiftung, Pierre-Enric Steiger: „Das richtige öffentliche Bewusstsein und Engagement gegen den Herztod fehlt – und das bei den vielen Opfern.“ Etwa 100 000 Menschen sterben in Deutschland nach Angaben der Stiftung pro Jahr am Herztod. Bei Männern ist das Risiko eines Herzinfarkts größer als bei Frauen - auch wegen ungesunder Lebensgewohnheiten wie Übergewicht, Rauchen und Trinken. Der Stiftungs-Präsident kritisierte, dass zu wenige Städte und Gemeinden in ausreichender Zahl mit Defibrillatoren ausgestattet seien. Dabei handelt es sich um ein medizinisches Gerät, das ein aus dem Takt gekommenes Herz durch Stromimpulse in Verbindung mit der Herzdruckmassage wieder zu einem normalen Herzschlag anregen kann. Es wird von Ersthelfern vor Ort genutzt, um Patienten bei Herzattacken zu retten.

Oft kommt jede Hilfe zu spät

Zu wenige Einwohner seien mit Erster Hilfe vertraut und könnten im Notfall eingreifen. „Oft genug kommt dann jede Hilfe zu spät, hier muss sich etwas ändern“, so Steiger. Genaue Zahlen zu den Geräten liegen nicht vor, da Defibrillatoren nicht gemeldet werden müssen. Alleine die Björn Steiger Stiftung hat seit 2001 über 25 000 Defibrillatoren in Verkehr gebracht. Es fehlt aber ein vollständiges bundesweites Kataster. Darum wüssten weder Stadtverwaltungen noch Notärzte, wo sich die Geräte befinden und zu welchen Zeiten sie erreichbar sind – ganz zu schweigen von Ersthelfern, die das Gerät im Notfall einsetzen könnten.

Vorbild Feuerlöscher

Nach Ansicht Steigers stehen Politik und Verwaltung vor Ort in der Pflicht und müssen Defibrillatoren den gleichen hohen Stellenwert wie Feuerlöschern einräumen, die überall präsent sind. “Der Brandfall wird vor Ort immer mit bedacht. Da müssen wir, was Defibrillatoren angeht, hinkommen“, sagte Steiger. Nötig seien auch öffentliche Schulungen, um Hemmungen beim Thema Erste Hilfe abzubauen.

Zum Weltmännertag am 3. November ist das Thema Herzgesundheit wieder im Fokus. Dass Männer ein höheres Risiko als Frauen haben, hat nach Worten von Klaus Dietrich, Bildungsreferent für medizinische Ausbildung der Björn Steiger Stiftung, mehrere Gründe. Gerade bei Männern erhöhe eine sorglose Einstellung das Risiko für die Entstehung von Herzerkrankungen. Dies hätten Untersuchungen gezeigt. Ungesunde Lebensgewohnheiten wie falsche Ernährung würden zu Herzerkrankungen entscheidend beitragen, so Dietrich, da über 60 Prozent der Männer häufig vitaminarme, fettige und salzige Speisen bevorzugten. Rauchen, Trinken und mangelnde Bewegung seien weitere Risikofaktoren. „Gerade die Kombination dieses Lebensstils führt zu Übergewicht und damit zu weiteren Voraussetzungen für Herzerkrankungen“, sagte Dietrich.

Stiftung setzt sich für Notruf und Rettung ein

Die Björn Steiger Stiftung ist eine private Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Winnenden und hat rund 200 000 aktive Förderer. Die Stiftung hat unter anderem die Notrufsäulen entlang der Bundes- und Landstraßen aufgebaut und hat sich für die Verbesserung des Notrufs und die Einführung einheitlicher Notrufnummern eingesetzt. Die Stiftung hat 2013 das Projekt „100 000 Leben zu retten“ gestartet, um die Massenverbreitung von Laien-Defibrillatoren voranzutreiben. Das Konzept: An belebten Orten wie Rathäusern und Supermärkten sowie in ganzen Landkreisen und Städten mit lokalen Partnern Säulen mit den Geräten aufstellen. Die Stiftung bietet auch öffentliche Schulungen zur Wiederbelebung mit Einsatz eines Defibrillators an und bringt darüber hinaus Kindern und Jugendlichen bei, wie sie im Notfall richtig reagieren.


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