Direktwahl zum CDU.-Chef? Der „Mythos Merz“ funktioniert

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Blickt  sehr selbstbewusst in die Zukunft: Friedrich merz bei seinem ersten Auftritt als Kandidat für den CDU-Vorsitz.Foto: imago/CommonLensBlickt sehr selbstbewusst in die Zukunft: Friedrich merz bei seinem ersten Auftritt als Kandidat für den CDU-Vorsitz.Foto: imago/CommonLens

Berlin. Die CDU ist aufgewühlt nach der Ankündigung von Kanzlerin Angela Merkel, im Dezember nicht erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren.

  Eine Ära geht zu Ende. Dazu kommt ein alter Merkel-Gegner zurück.  Friedrich Merz will CDU-Chef werden.  Braun gebrannt und zielstrebig steuert der 62-Jährige in Berlin  auf das Mikrofon zu. Der „Mythos Merz“ funktioniert: Zu seinem Auftritt sind fast so viele Journalisten  gekommen   wie bei der letzten  Merkel-Pressekonferenz im Sommer. Unter den Fotografen ist das Interesse an Merz doppelt so hoch wie damals. Ehe Merz  reden kann, vergehen Minuten. Ein Blitzlichtgewitter geht auf den Manager nieder, der zehn Jahre aus der Politik abgetaucht war. 

„Ich bin der festen Überzeugung, dass wir beide miteinander klarkommen“, sagt Merz und bekundet der Kanzlerin Respekt. Aber klar ist auch: Menschlich gibt es Probleme. „Manche  passen nicht zueinander“, sagt Merz gestern. Würde der 62-Jährige gewählt, müssten Merz und Merkel zusammen  in den Sitzungen des Koalitionsausschusses mit SPD und  CSU  verhandeln. Wie soll das bis zum Jahr 2021 gehen? 

 Kanzlerinnen-Dämmerung? Merz äußert kaum verhüllte Kritik an der eher spröden Merkel, indem er die Partei zu mehr Volksnähe auffordert. „Wir müssen genau zuhören, verstehen und die Menschen nicht mit Floskeln abspeisen“, sagt er. „Die CDU muss allen Wählern der politischen Mitte eine verlässliche Heimat bieten.“

Dass er seit zehn Jahren nicht mehr aktiv in der Politik gewesen sei, ist für ihn kein Problem.. „Ich habe nach wie vor viel Kontakt zu Mandatsträgern in der CDU. Ich kenne diese Partei“, betont  er. Ein Problem tut sich allerdings auf für Jens Spahn, den Mitbewerber um das CDU-Spitzenamt. Er muss sich mit Merz dieselbe Zielgruppe teilen und schaltet sich per „FAZ“ mit Schelte über Merkels Flüchtlingspolitik in den Wettbewerb ein. Er weiß: Merz’ Versprechen von mehr „nationaler Identität“ dürften jene Wertkonservativen schätzen, die an die Leitkultur-Debatte vom Jahr 2000 anknüpfen wollen. Dazu zieht Merz mit seinen „beruflichen internationalen Erfahrungen“ Wirtschaftskreise an.

Unterdessen werden die Rufe nach mehr Beteiligung der Basis   lauter. Es ist schwierig. Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz hält einen CDU-Mitgliederentscheid zur Klärung der Merkel-Nachfolge schon aus formalen Gründen für unrealistisch. Für ein solches Verfahren müsste die CDU-Satzung geändert werden, sagt Polenz unserer Redaktion. Als Folge könne ein Mitgliederentscheid erst im Januar 2019 stattfinden. "Bei mehreren Kandidaten muss auch eine mögliche Stichwahl eingeplant werden. Denn die oder der neue CDU-Vorsitzende sollte schon wenigstens die Hälfte der CDU hinter sich haben“, betont Polenz. Zwei Direktwahlen halte er jedoch „nicht für den richtigen Weg“. 

Er hält es aber für  „sehr wichtig“, dass die Kandidatinnen und Kandidaten in den kommenden fünf Wochen in zehn oder zwölf Regionalkonferenzen ihre Vorstellungen gegenüber den CDU-Mitgliedern erläutern. „Es wäre eine vertane Chance, wenn dies nur an einem Vormittag auf dem CDU-Bundesparteitag im Dezember geschähe“, erklärt der Ex-Generalsekretär der Christdemokraten. 

 Auch der Vorsitzende der niedersächsischen CDU-Abgeordneten im Bundestag, Mathias Middelberg, hat sich  für Regionalkonferenzen ausgesprochen. „Diese Treffen sind wichtig, damit die Kandidaten ihre Positionen darlegen und von den Mitgliedern befragt werden können“, sagt Middelberg unserer Redaktion. Er sei „grundsätzlich offen“ auch für eine Mitgliederbefragung. „Zeitlich wird dies aber jetzt kaum noch realisierbar sein.“


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