Einsatzbereitschaft militärischer Geräte Bei der Bundeswehr fährt nur ein Drittel der neuen Panzer

Von dpa

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Von den 71 in 2017 ausgelieferten Puma-Panzern sind 27 einsatzbereit. Foto: Philipp Schulze/dpaVon den 71 in 2017 ausgelieferten Puma-Panzern sind 27 einsatzbereit. Foto: Philipp Schulze/dpa

Berlin. Die Bundeswehr will 70 Prozent ihre Waffensysteme für den Einsatz bereit halten - von diesem Ziel ist sie jedoch weit entfernt. Eine neue Statistik zeigt, dass es offenbar auch nichts bringt, alte Fahrzeuge auszutauschen.

Selbst bei nagelneuen Panzern, Kampfjets und Hubschraubern der Bundeswehr lässt die Einsatzbereitschaft zu wünschen übrigen. Von den 97 im Jahr 2017 an die Truppe ausgelieferten Großgeräten können nach einer Aufstellung des Verteidigungsministeriums derzeit nur 38 genutzt werden. Das entspricht einer Quote von 39 Prozent. Ziel der Bundeswehr ist es, 70 Prozent ihrer Waffensysteme für den Einsatz bereit zu halten.

Dem Ministerium machen vor allem das Transportflugzeug A400M und der Schützenpanzer Puma Sorgen. Hier sei die Qualität bei Auslieferung "weiterhin steigerungsfähig", heißt es in einer Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Peter Tauber auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Hier sehen wir nach wie vor die Industrie in der Pflicht, die vereinbarten Leistungen schnellstmöglich zu erfüllen."

Ein Transportflugzeug A400M: Auslieferung "weiterhin steigerungsfähig". Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Von den 71 im vergangenen Jahr ausgelieferten Puma-Panzern sind 27 einsatzbereit, von den acht A400M die Hälfte. Auch bei den neuen Hubschraubern sieht es düster aus: Von sieben "Tiger"-Kampfhubschraubern aus dem Jahr 2017 sind zwei einsatzbereit, von sieben "NH90"-Transporthubschraubern sind es vier.

Der Kampfhubschrauber "Tiger" - zwei sind einsatzbereit. Foto: Silas Stein/dpa

Nur ein Eurofighter im Einsatz

Dass von den vier neuen "Eurofighter"-Kampfjets derzeit nur einer genutzt werden kann, führt das Ministerium auf die Nachrüstung mit neuen Hauptrechnern zurück. "Eine Freigabe zur Nutzung dieser drei Eurofighter wird zeitnah erwartet", heißt es in dem Schreiben.

Die Einsatzbereitschaft bei den neuen Geräten liegt sogar noch deutlich unter dem Durchschnitt aller gut 5000 Exemplare der 53 Hauptwaffensysteme, die der Bundeswehr zur Verfügung stehen. Aus dem letzten Prüfbericht vom Februar 2018 geht hervor, dass davon insgesamt deutlich mehr als die Hälfte eingesetzt werden können.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich eine deutliche Verbesserung der Einsatzbereitschaft des Bundeswehr-Materials zum Ziel gesetzt. Nach Ansicht des Linken-Politikers Höhn wird die CDU-Politikerin ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht. "Brandneues militärisches Gerät direkt aus den Produktionshallen der Rüstungsindustrie funktioniert auch nicht", sagt er. "Es ist nicht hinnehmbar, wenn der Industrie Material abgenommen und dafür bezahlt wird, dieses aber nicht funktioniert."

Was geliefert werde, müsse auch zu 100 Prozent einsatzfähig sein. "Es ist ein Skandal, wenn Frau von der Leyen diesen milliardenteuren Pfusch der Rüstungsindustrie auf Kosten der Steuerzahler zulässt."


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