Rückblick Die Ära Merkel – 18 Jahre CDU-Vorsitz in 18 Bildern

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Angela Merkel prägte die CDU für fast zwei Jahrzehnte. Archivfoto: imago/Christian ThielAngela Merkel prägte die CDU für fast zwei Jahrzehnte. Archivfoto: imago/Christian Thiel

Berlin. Wenn Angela Merkel im Dezember nach 18 Jahren den Parteivorsitz abgibt, ist das eine Zäsur für die Christdemokraten. Merkel hat sich an der Parteispitze so lange gehalten wie vor ihr nur Helmut Kohl.

Viele sehnten diese Nachricht herbei, manche überraschte die Ankündigung: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag in Berlin ihren Rückzug vom CDU-Vorsitz angekündigt. Fast zwei Jahrzehnte füllte sie die Position an der Spitze der Christlich Demokratischen Union Deutschlands aus. Ein Rückblick auf 18 Jahre in 18 Bildern:

2000

Frisch gekürt: Angela Merkel und Friedrich Merz im Jahr 2000. Foto: Michael Jung/dpa

Mit 95,9 Prozent wurde die damalige Generalsekretärin Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag in Essen von den Delegierten zur Vorsitzenden gewählt. Sie folgte damit auf Wolfgang Schäuble, der zurückgetreten war. Der Unionsfraktionsvorsitzende Friedrich Merz (Foto) gratulierte mit einer Flasche Schampus. Merkel hatte sich im innerparteilichen Machtkampf durchgesetzt und schaffte es in den Wirren des Parteispendenskandals an die Parteispitze.

2001

2001 geht es um die Kanzlerfrage – Merkel lässt Stoiber den Vortritt. Foto: imago/Sven Simon

Merkel war bereit zur Kanzlerkandidatur, doch sie verzichtete. Ihr fehlte der nötige Rückhalt in der Parteiführung, die Edmund Stoiber bevorzugte. Seine Kandidatur wurde Anfang 2002 verkündet.

2002

Trotz-Wahlpleite: 2001 wird sie als CDU-Vorsitzende wiedergewählt. Foto: imago/Koall

Nach der Pleite für Stoiber: Aus der Bundestagswahl ging eine rot-grüne Koalition hervor. Merkel wurde mit 93,6 Prozent als CDU-Vorsitzende bestätigt und übernahm von Friedrich Merz den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Statt Ministerin wurde sie Oppositionsführerin.

2003

2003: Führungsgespann in der CDU: Roland Koch (von links, Ministerpräsident Hessen), Angela Merkel und Christian Wulff (stellvertretender CDU-Vorsitzender). Foto: imago/Koall

Die CDU gewann die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen und baute ihren Einfluss im Bundesrat aus. Merkel trug unter anderem die Agenda 2010 der Regierung mit.

2004

2004 wird Angela Merkel im Amt bestätigt. Dabei trug sie Schmuck, der später als "Schland-Kette" Internetkarriere macht. Foto: imago/CoverSpot

Im Februar trat Gerhard Schröder als SPD-Vorsitzender zurück, ihm folgte Franz Müntefering. Merkels Wunschkandidat für das Amt des Bundespräsidenten wurde knapp gewählt: Horst Köhler. Merkel wird beim Bundesparteitag mit 88,4 Prozent wiedergewählt – ihr bis heute schlechtestes Ergebnis.

2005

2005 übergibt der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder das Bundeskanzleramt an die neue Kanzlerin Angela Merkel. Foto: Peer Grimm/dpa

Bei der vorgezogenen Bundestagswahl wurde die Union die stärkste Kraft. Der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beanspruchte dennoch den Kanzlerposten für sich. Da die FDP jedoch eine Ampelkoalition ablehnte, wurde Angela Merkel Bundeskanzlerin und Regierungschefin einer Großen Koalition.

2006

2006 blickt Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung auf die deutsche EU-Ratspräsidentschaft 2007. Foto: imago/Christian Thiel

Statt mit großen Reformen fiel Merkel eher mit einem nüchternen Regierungsstil auf. Ihre Partei stärkte ihr den Rücken: Mit 93 Prozent wurde sie als CDU-Chefin im Amt bestätigt.

2007

2007 stellt sich die Partei neu auf: Generalsekretär Ronald Pofalla und Angela Merkel beim Programmkongress in Hannover. Foto: imago/Christian Thiel

"Die Mitte" wurde geboren: Auf dem CDU-Programmkongress skizzierte die Parteiführung ihre neue Marschroute. Merkel betonte konservative Werte und verteidigte gleichzeitig die Modernisierung der Familien- und Umweltpolitik. 

2008

2008 empfängt Merkel den designierten Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten, Barack Obama. Foto: Wolfgang Kumm dpa/lbn

Im Herbst setzte die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ein, die Merkel auch auf internationaler Ebene herausforderte. In Bayern wurde Horst Seehofer (CSU) zum Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden gewählt.

2009

2009: Partystimmung am Wahlabend in der CDU-Zentrale – Angela Merkel bleibt Kanzlerin. Foto: imago/Christian Thiel

Merkel wurde nach der Bundestagswahl erneut zur Kanzlerin gewählt und führte nun eine schwarz-gelbe Koalition an. Die europäische Wirtschafts- und Schuldenkrise dominiert die Legislatur, an deren Bewältigung Merkel maßgeblich beteiligt war. Aus der Union gab es Kritik, sie hätte ihr Konzept zur Eurorettung nie klar formuliert.

2010

2010: Als eine der ersten Maßnahmen hat die Koalition Steuererleichterungen für Hotels durchgesetzt. Foto: imago/Reiner Zensen

Das öffentliche Bild der Koalition litt unter den gegenseitigen Beschimpfungen der Regierungsvertreter über die Presse. CSU-Shootingstar Karl-Theodor zu Guttenberg bestimmte mit seiner Debatte zur Bundeswehrreform die Schlagzeilen. Merkel engagierte Fernsehjournalist Steffen Seibert als Sprecher der Regierung. Nach Horst Köhlers Rücktritt wurde Merkels Kandidat, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), Bundespräsident. Auch Parteikollege Roland Koch (CDU) und zu Guttenberg verkündeten in dem Jahr ihre Rückzüge aus der Politik.

2011

2011 gibt es reichlich Reibung in der CDU: Hermann Gröhe und Angela Merkel während der Rede von Wolfgang Schäuble. Foto: imago/Christian Thiel

Die Kritik an Merkel, sich nicht an das Parteiprogramm der CDU zu halten, kochte immer wieder hoch. Mit ihrer Kehrtwende, nach dem Fukushima-Unfall doch den Atomausstieg zu beschleunigen, verprellte sie Parteikollegen. 

2012 

2012 unterstützt sie Norbert Röttgens (CDU, links) Wahlkampf in NRW. Vergeblich, die CDU verliert deutlich. Foto: imago/Christian Thiel

Die FDP beschäftigten Führungsprobleme, Bundespräsident Christian Wulff verlor sein Amt, das Management der Eurokrise forderte Merkel nach wie vor viel ab. Zudem irritierte Merkel mit einer überraschenden machtpolitischen Entscheidung: Sie entließ Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), nach dessen Niederlage bei der NRW-Landtagswahl. Dennoch: Ihre Beliebtheitswerte wuchsen. Auf dem CDU-Parteitag drückten ihr 97,9 Prozent der Delegierten das Vertrauen aus.

2013

2013 belohnen die Wähler Merkels Politik bei der Bundestagswahl. Die CDU legt deutlich zu. Foto: imago/Xinhua

Merkels größter Wahlerfolg: Bei der Bundestagswahl legte ihre CDU fast sieben Prozent zu. Die FDP wurde abgestraft und flog aus dem Bundestag. Die Koalitionsverhandlungen der Union mit den Grünen platzten, sodass erneut eine Groko zustande kam.

2014

2014: Das Finale der Fußball-WM verfolgt Merkel im Maracana-Stadion. Deutschland holt den Titel, vier Tage später feiert Merkel 60. Geburtstag. Foto: imago/MiS

Die Partei stand nach wie vor fest hinter der Kanzlerin. Beim Parteitag stimmten 96,7 Prozent für sie. Doch die Kritik an ihrem Kurs formierte sich sichtbar: In mehreren Städten entstanden die "Pegida"-Bewegungen. Die noch junge Partei Alternative für Deutschland (AfD) verzeichnete deutliche Zuwächse und zog in drei Landtage, diverse Gemeinderäte sowie das Europaparlament ein.

2015

2015: Beim CSU-Parteitag stellt Seehofer Merkel bloß. Sie lehnt seine geforderte Obergrenze für Flüchtlinge ab. Foto: imago/Sebastian Widmann

Aus diesem Jahr stammt Merkels heute noch oft zitierte Äußerung. "Wir schaffen das", sagte sie angesichts der großen Zahl ankommender Flüchtlinge. Merkel verfolgte den Ansatz, Integration zu fördern, während die CSU einen festen Grenzwert für Asylbewerber forderte. Das Thema sorgte für Spannungen innerhalb der CDU, der Union, der Koalition und wird auch in der Gesellschaft divers diskutiert.

2016

Bleibt sitzen: Angela Merkel erntet von Parteikollegen Applaus nach ihrer Rede. Sie will noch einmal als Kanzlerin kandidieren. Foto: imago/Sven Simon

Der Knick: Die CDU führte ihre Wahlschlappen fort. In Baden-Württemberg wurde ein Grüner Ministerpräsident, auch in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt enttäuschte die CDU. In Merkels Heimatbundesland, Mecklenburg-Vorpommern, fiel sie gar hinter die AfD zurück. Innerhalb der Koalition tobte der Flüchtlingsstreit. Im November verkündete Merkel, noch einmal als Kanzlerin zu kandidieren.

2017

2017: Nach dem TV-Duell gegen Martin Schulz (SPD) ist Merkel von Parteifreunden umringt. Foto: imago/Uwe Koch/ Eibner-Pressefoto

Bei der Bundestagswahl büßte die Union mehr als sieben Prozent ein. Da die FDP eine ausgelotete Jamaika-Koalition platzen ließ, kam es nach langen Verhandlungen wieder zu einer Großen Koalition. Merkel wurde nur mit relativ knapper Mehrheit erneut zur Kanzlerin gewählt. Erfolgreich war die CDU im Saarland, in NRW und in Schleswig-Holstein, wo Merkels Parteikollegen die Landtagswahlen gewinnen. In Niedersachsen übernahm die CDU in einer Groko wieder Regierungsaufgaben.

2018

2018: Nach der zweiten heftigen Wahlpleite erklärt Merkel ihren Rückzug von der Parteispitze – und der Politik ab 2021. Foto: imago/Reiner Zensen

Der Asylstreit innerhalb der Koalition brodelte weiter, immer wieder gab es Rücktrittsforderungen Bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern verloren die Unionsparteien massiv. Merkel kündigte in der Folge an, ihren Parteivorsitz abzugeben. Im Dezember soll beim Parteitag in Hamburg ihr Nachfolger gekürt werden.

Meine Partei, die CDU, kann sich mit einer auf dem Bundesparteitag in Hamburg gewählten neuen Führungsmannschaft, verbunden auch mit dem Prozess für ein neues Grundsatzprogramm, auf die Zeit nach mir einstellen.Angela Merkel, bei der Bekanntgabe ihres Rücktritts



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