Merkels alter Rivale tritt an CDU-Vorsitz: Merz macht das Rennen spannend

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Mit Friedrich Merz tritt ein früherer Rivale Angela Merkels im Dezember für den CDU-Vorsitz an. Foto:dpaMit Friedrich Merz tritt ein früherer Rivale Angela Merkels im Dezember für den CDU-Vorsitz an. Foto:dpa

Berlin. Wer führt künftig die CDU? Das ist die spannende Frage, nachdem Parteichefin Angela Merkel ihren Rückzug angekündigt hat.

 Mit Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), Jens Spahn, Armin Laschet und jetzt auch Überraschungs-Kandidat Friedrich Merz steht eine bemerkenswerte Auswahl an Bewerbern bereit. Mit dem überraschenden Antritt von Merkels Ex-Rivalen Merz bei der Vorstandswahl auf dem CDU-Bundesparteitag Anfang Dezember wird das Rennen noch interessanter. Er soll enge Bindungen an den frisch gewählten Unions- Fraktionschef Ralph Brinkhaus haben. Würde Merz gewählt, entstünde eine starke Achse zwischen den beiden Machtzentren der Union. Hier ein Ausblick auf mögliche Kandidaten: 

Friedrich Merz: Der 62-Jährige brachte sich unmittelbar nach Bekanntwerden von Merkels Verzicht auf den Parteivorsitz als Kandidat ins Spiel. Das hat einen Hintergrund. Merkel - damals Parteivorsitzende - hatte Merz 2002 von der Spitze der Unionsfraktion verdrängt. Das hat bei Merkel-Rivale Merz offensichtlich tiefe Spuren hinterlassen. Merz zog sich nach der Niederlage gegen Merkel aus dem Bundestag zurück und ist seither als Rechtsanwalt bei einer international operierenden Gesellschaft tätig.

In Erinnerung ist sein Steuerkonzept geblieben, das mit drei Stufen auf einem Bierdeckel erklärbar sein sollte. Der Finanzexperte und Wertekonservative steht für eine Debatte über eine deutsche Leitkultur. Ihm dürfte - wie auch anderen Vertretern des konservativen Parteiflügels - die Sozialdemokratisierung der CDU unter Merkel bitter aufgestoßen sein.

Annegret Kramp-Karrenbauer: Auch die Kandidatur der CDU-Generalsekretärin wurde schnell bekannt. Der 56-Jährigen geben viele in der Partei die besten Chancen, Merkel als Parteichefin zu beerben. Die frühere saarländische Ministerpräsidentin gilt als Favoritin der Kanzlerin. Das allerdings könnte sich auch als Hindernis erweisen, weil die Delegierten sie als „Merkel-Klon“ sehen und ablehnen könnten. Daher grenzte AKK sich mit mehreren Äußerungen auch von Merkel ab - beispielsweise als sie davon sprach, dass die Partei wieder mehr Feuer brauche, wenn sie auch jüngere Menschen ansprechen wolle.

Kramp-Karrenbauer hatte Merkel beeindruckt, als sie vor der Bundestagswahl 2017 aus fast aussichtsloser Position die Landtagswahl an der Saar mit einem deutlichen Plus noch gewann und dann bereit war, als Generalsekretärin nach Berlin zu wechseln. „Ich kann, ich will und ich werde“, kündigte AKK die Modernisierung der CDU an. Die verheiratete Mutter von drei erwachsenen Kindern hat sich in den vergangenen Monaten bei einer sogenannten Zuhör-Tour viel Sympathie an der Parteibasis erworben. Im Sommer 2018 stand sie vor der Herausforderung, den Bruch zwischen CDU und CSU zu verhindern.

Jens Spahn: Der ehrgeizige Gesundheitsminister aus dem westfälischen Ahaus hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder als konservativer Kritiker der Kanzlerin profiliert. Nun wirft auch er seinen Hut in den Ring. Ihm wird parteiintern angekreidet, dass er mit Äußerungen etwa in der Flüchtlingspolitik zu stark polarisiert habe und durch inszenierte Fotos mit Österreichs Merkel-kritischem Kanzler Sebastian Kurz . Wer als Kandidat die Mehrheit eines Parteitages auf sich vereinen wolle, müsse alle Flügel integrieren, sagen Kritiker von Spahn..

Nachdem Merkel bei der Bildung ihres vierten Kabinetts an Spahn nicht mehr herumgekommen war, konzentriere sich der 38-Jährige vor allem auf die Sachpolitik - das wird auch von seinen Kritikern anerkannt. Spahn kämpft allerdings auch nach Ansicht von Parteifreunden damit, dass er zwar noch jung, aber kein wirklicher Neuling im Bundestag ist: Er gehört dem Parlament bereits seit 2002 an.

Armin Laschet: Als Vorsitzender des stärksten CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen könnte der Ministerpräsident schon qua Amt einen Anspruch auf den Vorsitz der Bundespartei anmelden - wenn er denn wollte. Der 57-jährige Aachener gilt als loyaler Stellvertreter Merkels in der Bundes-CDU. Er hat Merkel selbst in schwierigsten Zeiten unterstützt, hat sich aber noch nicht zur Nachfolge geäußert.

Daniel Günther: Der 45 Jahre alte Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein gilt vor allem für CDU-Anhänger, die sich eher in der politischen Mitte oder sogar eher links einordnen, als Hoffnungsträger. Günther selbst sagt von sich, er wolle zunächst erfolgreiche Politik im Land machen und als Regierungschef in seinem Bundesland wiedergewählt werden. „Ich bin Ministerpräsident in Schleswig-Holstein und mache das jetzt seit 15 Monaten. Meine Aufgabe ist hier.“ Er sehe seinen Job darin, die CDU bei ihrem Erneuerungsprozess zu unterstützen. „Aber ich habe keine Absicht für den Bundesvorsitz zu kandidieren und werde es auch nicht tun“ , sagte er in Kiel. Tatsächlich hat der 45-Jährige sich schnell bundesweit einen Namen gemacht, weil er binnen kürzester Zeit an der Förde eine Jamaika-Koalition schmiedete und sich immer wieder in aktuelle Debatten einmischte.

Aber auch unbekannte Quereinsteiger bringen sich als Herausforderer der Parteivorsitzenden in Stellung. So will der Bonner Völkerrechtler Matthias Herdegen gegen Merkel antreten. Die notwendige innere Erneuerung der CDU könne nur mit einem Wechsel an der Spitze gelingen, sagte Herdegen. „Es geht mir nicht um irgendeine Form der Abrechnung. Es geht mir um etwas Positives, um klare Linien in der Europapolitik“, sagte der Jurist. Merkel habe „durch einen moderierenden Politikstil“ das geistige und das programmatische Erbe der CDU aus dem Blick verloren. Mit ähnlicher Begründung tritt auch der hessische Unternehmer Andreas Ritzenhoff an. Er leitet als geschäftsführender Inhaber das mittelständische Unternehmen Seidel. Kürzlich hatte bereits der 26-jährige Berliner Jurastudent Jan-Philipp Knoop angekündigt, Merkel beim Parteitag herauszufordern. Knoop sagte, er wolle in der Flüchtlingspolitik „endlich die Kontrolle über die Situation“ bekommen. Knoop bekam dafür in den sozialen Netzwerken vor allem von AfD-Sympathisanten Zuspruch. (mit dpa)


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