Interview mit EU-Haushaltskommissar Oettinger (CDU) Günther Oettinger: "Die Union muss Merkel den Rücken freihalten"

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Sieht Kanzlerin Angela Merkel nach dem Rückzug von der CDU-Spitze nicht als "lahme Ente": EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) 
Foto: dpaSieht Kanzlerin Angela Merkel nach dem Rückzug von der CDU-Spitze nicht als "lahme Ente": EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) Foto: dpa

Berlin. EU-Haushaltskommissar und CDU-Mann Günther Oettinger fordert seine Partei auf, Kanzlerin Angela Merkel nach dem Rückzug vom CDU-Vorsitz den Rücken frei zu halten. Nur mit Unterstützung der gesamten Union werde sie nicht zur "lahmen Ente" in Europa. Das Interview im Wortlaut:

Frage: Herr Oettinger, Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt den CDU-Vorsitz ab. Ein überfälliger Schritt?

Ich hätte sie unterstützt, wenn Angela Merkel noch ein letztes Mal angetreten wäre. Für ihren souveränen Schritt gebührt ihr der volle Respekt. Es ist beeindruckend, wie nüchtern und ohne Aufhebens sie ihr Amt nach 18 Jahren zur Verfügung stellt. Und sie ist entschlossen, als Kanzlerin bis zum Ende der Legislaturperiode weiter zu regieren.

Frage: Aber danach ist Schluss. Wird Angela Merkel zur lahmen Ente, die in Brüssel nicht mehr viel zu melden haben wird?

Ich erwarte das Gegenteil. Wir brauchen jetzt eine Kanzlerin, die den Rücken frei hat, gerade für die großen europäischen Aufgaben. Mit ihrer Autorität und dem Gewicht Deutschlands muss Angela Merkel die EU-Agenda jetzt wieder vorantreiben. Dazu sollte ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin an der Parteispitze loyal mit der Kanzlerin zusammenarbeiten und die Fraktionsspitze hinter ihr stehen. Angela Merkel hat sich durch ihren Schritt Respekt verschafft kann sich ganz auf das eine Amt konzentrieren. Die gesamte Union muss sie dabei unterstützen!

Frage: Das Rennen um die Nachfolge an der Parteispitze ist eröffnet. Droht in der CDU der offene Machtkampf?

Oettinger: Ich kann nur an die Anwärter appellieren, dass es fair zugeht! Es ist von Vorteil für die CDU, wenn es eine Auswahl aus drei oder vier Kandidaten gibt. Ich bin sehr gespannt, wer mit welchem Programm antreten wird.

Frage: Ist es Zeit für den Kurswechsel, damit die CDU Volkspartei bleibt?

Oettinger: Jeder Vorsitzende seit Konrad Adenauer hatte sein eigenes Profil. Das wird auch für den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Angela Merkel gelten. Was nicht passieren darf: Dass zerstört wird, was 18 Jahre lang von Angela Merkel geschaffen worden ist. Die Aufgaben für die CDU sind spannend und vielfältig. Sie lassen sich nicht in eine Rechts-links-Arithmetik einordnen.

Frage: Die Große Koalition ist geschwächt. Was passiert, wenn sie platzt?

Oettinger: In der EU wird erwartet, dass die Bundesregierung mit ihren führenden Köpfen nach der Hessen-Wahl jetzt in Brüssel ihrer Verantwortung gerecht wird. Es ist gut, dass SPD-Chefin Andrea Nahles für die Fortsetzung der Großen Koalition kämpft. Die SPD darf kein Harakiri machen. Durch einen Bruch der Regierung würde Deutschland auf europäische Ebene abermals gelähmt.

Frage: Die SPD droht aber, die GroKo zur Halbzeitbilanz in einem Jahr zu sprengen…

Oettinger: Es ist sinnvoll, dass die GroKo in einem Jahr eine Halbzeitbilanz vorlegt, um dann mit neuem Schwung in die zweite Hälfte zu starten. Aber das geht nur, wenn man europäisch Verantwortung trägt und die Erwartungen erfüllt. Mich stimmen die Entscheidungen des heutigen Tages positiv, wenn es um die Stabilität der Bundesregierung geht.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN