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29.10.2018, 16:00 Uhr KOMMENTAR

Brasilien huldigt dem „Führer-Kult“ und könnte es teuer bezahlen

Kommentar von Thomas Ludwig

Wahlsieger und ihr Pappkamerad: Die Anhänger von Jair Bolsonaro feiern dessen Erfolg. Brasilien bekommt mit Bolsonaro einen Präsidenten, der Demokratie für eine „Schweinerei“ hält. Foto: Sergio Lima/AFPWahlsieger und ihr Pappkamerad: Die Anhänger von Jair Bolsonaro feiern dessen Erfolg. Brasilien bekommt mit Bolsonaro einen Präsidenten, der Demokratie für eine „Schweinerei“ hält. Foto: Sergio Lima/AFP

Osnabrück. Der ultrarechte Politiker Jair Bolsonaro ist neuer Präsident Brasiliens – Grund genug, sich um die Demokratie des fünftgrößten Landes der Welt Sorgen zu machen.

Bereits bei der Fußball-WM in 2014 in Brasilien zeichnete sich in bis dahin ungekannter Weise ab, dass die Bürger die Nase voll haben von Misswirtschaft, Gewalt und Korruption. Hunderttausende nutzten die internationale Aufmerksamkeit, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen – und auf die horrenden Kosten der WM.

Versprechen der Nationalflagge

Am Sonntag nun entlud sich die Unzufriedenheit der Menschen kaum noch überraschend in einem Wahlergebnis, das sich gewaschen hat. Es zeigt die Sehnsucht der Brasilianer nach „Ordnung und Fortschritt“ – so, wie es die Nationalflagge verspricht. Auch 13 Jahre Jahre sozialistischer Regierung wurden dem nicht gerecht. Einst als aufstrebende Volkswirtschaft gefeiert, droht dem Land ein Rückfall in die autoritäre Herrschaft.

Kleptokraten mit autoritärem Machtanspruch

Wahlsieger Bolsonaro bewundert das Militär, hält Folter und Gewalt für probate Mittel der Politik und droht Minderheiten und Andersdenkenden mit Verfolgung. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es bei Rhetorik bleibt oder Bolsonaro ernst macht mit einem System von Unterdrückung. Die Geschichte Lateinamerikas ist voller Kleptokraten mit autoritärem Machtanspruch. Nie brachten sie den Völkern Wohlstand in Frieden und Freiheit. Bolsonaro wird keine Ausnahme sein. Die EU und Deutschland könnten sich alsbald genötigt sehen, ihr vertrauensvolles Verhältnis zu Brasilien neu zu justieren.


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