Internationales Medien-Echo zur Landtagswahl "Horror mit Ansage": Was Europa über die Hessen-Wahl denkt

Von dpa

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Bei der hessischen Landtagswahl müssen SPD und CDU dramatische Verluste hinnehmen. Auch internationale Zeitungen sind sich sicher: Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Bundeskanzlerin Merkel. Foto: Tobias SCHWARZ / AFPBei der hessischen Landtagswahl müssen SPD und CDU dramatische Verluste hinnehmen. Auch internationale Zeitungen sind sich sicher: Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Bundeskanzlerin Merkel. Foto: Tobias SCHWARZ / AFP

Berlin. "Vernichtende Abstrafung": Die hessische Landtagswahl hat auch im Ausland ein lebhaftes Presseecho hervorgerufen.

In den hohen Verlusten von SPD und CDU sehen die internationalen Redaktionen ein verheerendes Signal mit Auswirkungen weit über Hessen hinaus.

"BBC" (GROßBRITANNIEN): "Die Deutschen nennen das eine "Schicksalswahl". Dies könnte noch das Schicksal der Regierung dieses Landes besiegeln - und vielleicht sogar das ihrer Kanzlerin."

"CORRIERE DELLA SERA" (ITALIEN): "Die Erschütterungen sind sicher auch in Berlin spürbar. Die schlechteste Nachricht für die große Koalition von Angela Merkel kommt nicht von der Partei der Kanzlerin. Es ist eine Bestätigung der existenziellen Krise, die die Sozialdemokraten endgültig umzuwerfen droht."

DE TIJD (BELGIEN): "Merkel hatte in den vergangenen Wochen persönlich dazu aufgerufen, die Wahl in diesem Bundesland nicht zu einer nationalen Volksabstimmung zu machen, doch die Wähler haben diesen Aufruf völlig ignoriert. Es ist klar, dass die politische Glaubwürdigkeit der Kanzlerin auf eine harte Probe gestellt wurde. (...) Die Spannungen innerhalb der GroKo dürften in den kommenden Tagen stark zunehmen."

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"DER STANDARD" (ÖSTERREICH): "Es gilt jetzt den Abschied von Angela Merkel einzuleiten. Sie ist seit 18 Jahren Parteivorsitzende und seit 13 Jahren Kanzlerin. Hessen zeigt wie viele Landtagswahlen zuvor: Mit ihr an der Spitze gewinnt man keine Wahlen mehr."

"EL MUNDO" (SPANIEN): "Die vernichtende Abstrafung von Angela Merkels CDU sowie der SPD gestern bei der Landtagswahl in Hessen droht die schwache große Koalition in Deutschland in die Luft zu sprengen (...). Das Szenario ist für ganz Europa besorgniserregend, denn die Lokomotive des Kontinents steht am Abgrund der politischen Ungewissheit." 

"LES DERNIERES NOUVELLES D'ALSACE" (DNA) (FRANKREICH): "Angela Merkel kann vergeblich sagen, dass man nicht jede Regionalwahl als Parlamentswahl in Miniaturausgabe betrachten kann. Die Aneinanderreihung der (Wahl-)Niederlagen beginnt die Konturen eines globaleren Aufbegehrens zu zeichnen. (...) Die Kanzlerin und ihre Politik sind im freien Fall. (...) Nachdem sie fast fünfzehn Jahre lang eine ungeheuer treibende Kraft war, ist Angela Merkel zu einer Last für ihr eigenes Lager geworden."

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"MAGYAR IDÖK" (UNGARN): ""Merkel muss weg", wird immer lauter gerufen. Gewiss wird dieser Ruf auch auf dem CDU-Parteitag im Dezember laut werden, doch die Frage ist: Werden die, die ihn anstimmen werden, nur viele oder doch auch genügend viele sein?"

"NEUE ZÜRCHER ZEITUNG"(SCHWEIZ): "Die Frage, ob diese Ergebnisse nun ein baldiges Ende der großen Koalition bedeuten, blieb am Sonntagabend unbeantwortet. Es ist eher zu bezweifeln. Zum einen handelt es sich beim Wahlergebnis um Horror mit Ansage - die Resultate sind nicht schlechter herausgekommen, als es die Demoskopen vorausgesagt haben. Zum anderen würden Union und SPD Neuwahlen riskieren. Keine der beiden Parteien darf hoffen, für ein solches Manöver belohnt zu werden."

"Tages-Anzeiger" (SCHWEIZ): "Wäre jetzt nicht der Landtag in Wiesbaden gewählt worden, sondern der Bundestag, lägen die Schlüsse auf der Hand: Die Grosse Koalition in Berlin hat das Vertrauen der Bürger verloren. Sie ist abgewählt und wird durch ein Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, Grünen und Liberalen ersetzt - also exakt jene Koalition, die schon nach der Bundestagswahl hätte entstehen sollen, hätte die FDP dies nicht sabotiert."


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