Kritik am US-Präsidenten Donald Trump weist Mitschuld an Briefbomben-Serie von sich

Von dpa

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Präsident Trump wetterte bereits am Freitag wieder gegen seine Gegner. Foto: Imago/Chris KleponisPräsident Trump wetterte bereits am Freitag wieder gegen seine Gegner. Foto: Imago/Chris Kleponis

Washington. Donald Trump hat verkündet, dass er nach der Serie von Paketbomben nichts an seiner Rhetorik ändern will. Hilary Clinton hatte den US-Präsidenten scharf kritisiert.

Nach der Festnahme im Fall der Serie von Briefbomben an Kritiker von Donald Trump hat der US-Präsident klargestellt, dass er nichts an seiner Rhetorik ändern will. Die Ermittler hatten am Freitag einen Verdächtigen festgenommen, bei dem es sich offensichtlich um einen Anhänger des Republikaners handelt. Trump erklärte vor Journalisten, er selbst trage keine Mitschuld. Auf die Frage, ob er etwas an seiner Rhetorik ändern wolle, sagte er, er habe seinen Ton bereits abgemildert. Bei einer Wahlkampfveranstaltung wenig später attackierte Trump die Medien und die oppositionellen Demokraten erneut scharf.

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Dagegen warf Trumps frühere Konkurrentin Hillary Clinton dem Präsidenten indirekt eine Mitschuld vor. "Wir leben in einer Zeit, in der die Atmosphäre unberechenbar und hasserfüllt ist und wir haben einen Präsidenten, der die ganze Zeit rücksichtslose Rhetorik praktiziert, die alle möglichen Leute erniedrigen und dämonisieren soll", sagte Clinton am Freitagabend (Ortszeit) bei einer Veranstaltung im New Yorker Kulturzentrum 92Y. "Er peitscht die Zuschauer auf, die zu ihm kommen, und es ist fast wie eine Sucht: er treibt sie an und sie geben ihm das zurück, was er anscheinend braucht, um sich stark und wichtig zu fühlen", sagte sie.

Bislang 14 Päckchen entdeckt

Die Serie von Briefbomben hatte die USA seit Mittwoch in Atem gehalten. Der Fall platzte mitten hinein in den ohnehin hitzigen Wahlkampf. Insgesamt stellten die Ermittler bislang 14 Päckchen sicher. Sie waren unter anderem an den früheren Präsidenten Barack Obama; Ex-Außenministerin Hillary Clinton sowie weitere Demokraten adressiert. Die Päckchen konnten allesamt abgefangen werden, verletzt wurde niemand. Nach Darstellung der Bundespolizei FBI handelte es sich bei den Sprengsätzen nicht um Attrappen.

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Weil die Päckchen an Menschen adressiert waren, die Trump kritisch gegenüber stehen und einige von ihnen oft zur Zielscheibe des Präsidenten wurden, gab es in den vergangenen Tagen eine Debatte darüber, ob Trump mit seiner oft hetzerischen Rhetorik eine Mitschuld an den Taten trage. Er tut sich regelmäßig mit heftigen verbalen Attacken auf die Demokraten und die Medien hervor. Kritiker werfen ihm vor, die Spaltung in der US-Gesellschaft dadurch weiter voranzutreiben.

Trump verurteilte die Taten am Freitag zwar mehrfach, die Namen der Betroffenen erwähnte er dabei allerdings nicht. Als er bei dem Wahlkampfauftritt am Freitagabend (Ortszeit) zu Beginn sagte, dass er die Päckchen ansprechen wolle, die an eine Reihe von "hochrangigen Persönlichkeiten" verschickt worden seien, buhte die Menge. Trump wetterte anschließend erneut gegen die Medien und warf ihnen vor, aus den Taten politisches Kapital gegen ihn und die Republikaner schlagen zu wollen. Später zog er über Clinton sowie die demokratische Kongressabgeordnete Maxine Waters her, an die ebenfalls ein Päckchen adressiert war.

Verdächtiger ist Trump-Fan 

Am Vormittag hatten die Sicherheitsbehörden in Florida den 56 Jahre alten Cesar Sayoc als Verdächtigen in dem Fall festgenommen. Er wurde angeklagt und muss sich unter anderem wegen des illegalen Versands von Sprengstoff sowie Drohungen gegen frühere Präsidenten verantworten. Sollte er für schuldig befunden werden, könnten ihm 58 Jahre im Gefängnis drohen. Der Verdächtige ist vorbestraft. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn durch einen Fingerabdruck identifiziert, den sie auf einem der Päckchen gefunden hatten.

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Einträge in Twitter- und Facebookkonten, die mit dem Verdächtigen in Verbindung gebracht werden und inzwischen gesperrt wurden, legen nahe, dass er ein Anhänger Trumps ist und offenbar sogar Wahlkampfveranstaltungen besucht hatte. Laut dem Sender CNN ist er ein eingetragener Republikaner.

Fernsehbilder vom Ort der Festnahme zeigten, wie FBI-Beamte einen weißen Lieferwagen mit einer Plane abdeckten und dann abtransportierten. Bei dem Fahrzeug soll es sich um das Auto des Verdächtigen handeln. Nahaufnahmen zeigten eine Reihe von Bildern an dem Wagen, auf denen unter anderem Trump und sein Vize Mike Pence, die Aufschrift "CNN sucks" (etwa: CNN ist ätzend) sowie ein Konterfei von Hillary Clinton mit einem Fadenkreuz im Gesicht zu sehen waren.

Rechtschreibfehler in den Adressen

Die gefundenen Päckchen waren an Personen adressiert, die als Hassfiguren der politischen Rechten gelten. Neben Clinton und Obama waren Ex-Vizepräsident Joe Biden, der ehemalige CIA-Direktor James Brennan, der Milliardär und Spender für die oppositionellen Demokraten, George Soros, und der Schauspieler Robert De Niro darunter.

Als Absender war die frühere Parteichefin der Demokraten, Debbie Wasserman Schultz, angegeben. Laut der Anklageschrift enthielten die Adressen zahlreiche Rechtschreibfehler. So war unter anderem Hillary Clinton falsch geschrieben. Die Päckchen waren mit jeweils sechs Briefmarken frankiert, die eine wehende US-Flagge zeigen.

FBI-Chef Christopher Wray erklärte am Freitag, der Inhalt habe jeweils aus einem etwa 15 Zentimeter langen PVC-Rohr, einer kleinen Uhr, einer Batterie, einer Verkabelung bestanden und sogenanntem energetischem Material, das potenziell explosiv gewesen sei. Er warnte davor, dass noch weitere Päckchen im Umlauf sein könnten.

An den Ermittlungen zu der Briefbombenserie waren Sicherheitsbehörden in fünf Bundesstaaten sowie der Hauptstadt Washington beteiligt.


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