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Fragen bleiben offen Trump-Fanatiker verschickt Briefbomben

Von dpa

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Washington/Charlotte. Mehrere Tage lang tauchten in den USA immer wieder Briefbomben auf. Allesamt adressiert an Menschen, die Donald Trump kritisch sehen. Nun haben die Behörden einen Verdächtigen gefasst. Wer ist der Mann?

Das Bild scheint komplett zu sein: Ein Anhänger des populistischen US-Präsidenten Donald Trump übertreibt seinen Fanatismus und schickt Briefbomben an führende Vertreter und Sympathisanten der verhassten Opposition.

Cesar Sayoc, ein 56 Jahre alter Polizeibekannter, verhält sich verblüffend naiv, macht dem FBI die Arbeit leicht, indem er auf den versandten Briefumschlägen seine Fingerabdrücke hinterlässt. Dennoch bleiben bei dem Fall, der die USA über Tage in helle Aufregung versetze, viele Fragen offen.

Die Ermittler werden nur einige davon klären. Etwa die, was eigentlich genau in den Paketen war. Nach bisher vorliegenden Informationen waren es etwa 15 Zentimeter lange PVC-Rohre, gefüllt mit Pulver und bestückt mit Zündern, die auf Hitze oder Stöße reagieren sollen. Als sicher gilt, dass zumindest einige der Bomben so gebaut waren, dass sie nicht hätten funktionieren können. Dilettantismus eines Kriminellen? Oder vielleicht sogar eine bewusste Finte?

Wenig mehr als eine Woche vor den weichenstellenden Kongresswahlen in den USA rückt auch die Frage in den Vordergrund: Wer profitiert eigentlich von der Bomben-Debatte? „Die Debatte bedeutet jede Menge politisches Futter für beide Seiten“, schreibt die in Washington gut informierte Nachrichtenseite „The Hill“. In jedem Fall hätten Trumps Republikaner jedoch die Chance eingebüßt, in einer wichtigen Wahlkampfphase andere Themen zu setzen. Trump-Getreue beteuern, ihr Präsident sei das eigentliche Opfer der Rohrbomben.

Der US-Präsident hat am Freitagabend (Ortszeit) noch einmal klargestellt, dass er nichts an seiner Rhetorik ändern will. Trump erklärte vor Journalisten, er selbst trage keine Mitschuld - Kritiker hatten unterstellt, seine aufstachelnde Rhetorik leiste möglicherweise Fanatikern wie dem Festgenommenen Cesar Sayoc Vorschub. Auf die Frage, ob er etwas an seiner Rhetorik ändern wolle, sagte er, er habe seinen Ton bereits abgemildert.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung wenig später attackierte Trump die Medien und die oppositionellen Demokraten erneut scharf. Zuvor hatte er die Briefbomben verächtlich als „Bomben-Zeugs“ tituliert und indirekt unterstellt, es handele sich um eine gewollte Debatte.

Trumps frühere Konkurrentin Hillary Clinton, einer der Adressaten der Briefe, warf dem Präsidenten indirekt eine Mitschuld vor. „Wir leben in einer Zeit, in der die Atmosphäre unberechenbar und hasserfüllt ist, und wir haben einen Präsidenten, der die ganze Zeit rücksichtlose Rhetorik praktiziert, die alle möglichen Leute erniedrigen und dämonisieren soll“, sagte Clinton am Freitagabend (Ortszeit) bei einer Veranstaltung im New Yorker Kulturzentrum 92Y. „Er peitscht die Zuschauer auf, die zu ihm kommen, und es ist fast wie eine Sucht: Er treibt sie an und sie geben ihm das zurück, was er anscheinend braucht, um sich stark und wichtig zu fühlen“, sagte sie.

Die Serie von Briefbomben hatte die USA seit Mittwoch in Atem gehalten. Insgesamt stellten die Ermittler bislang 14 Päckchen sicher. Sie waren unter anderem an den früheren Präsidenten Barack Obama, Ex-Außenministerin Hillary Clinton sowie weitere Demokraten adressiert. Die Päckchen konnten allesamt gefunden werden, bevor sie ihre Ziele erreichten. Verletzt wurde niemand.

Trump verurteilte die Taten am Freitag zwar mehrfach, die Namen der Betroffenen erwähnte er dabei allerdings nicht. Als er bei dem Wahlkampfauftritt am Freitagabend (Ortszeit) zu Beginn sagte, dass er die Päckchen ansprechen wolle, die an eine Reihe von „hochrangigen Persönlichkeiten“ verschickt worden seien, buhte die Menge. Trump wetterte anschließend erneut gegen die Medien und warf ihnen vor, aus den Taten politisches Kapital gegen ihn und die Republikaner schlagen zu wollen. Später zog er über Clinton sowie die demokratische Kongressabgeordnete Maxine Waters her, an die ebenfalls ein Päckchen adressiert war.

Am Vormittag hatten die Sicherheitsbehörden in Florida den 56 Jahre alten Sayoc als Verdächtigen in dem Fall festgenommen. Er wurde angeklagt und muss sich unter anderem wegen des illegalen Versands von Sprengstoff sowie Drohungen gegen frühere Präsidenten verantworten. Sollte er für schuldig befunden werden, könnten ihm bis zu 58 Jahre im Gefängnis drohen. Der Verdächtige ist vorbestraft.

Einträge in Twitter- und Facebookkonten, die mit dem Verdächtigen in Verbindung gebracht werden und inzwischen gesperrt wurden, legen nahe, dass er ein Anhänger Trumps ist und offenbar sogar Wahlkampfveranstaltungen besucht hatte. Laut dem Sender CNN ist er ein eingetragener Republikaner. Seine frühere Arbeitgeberin, die ihn als Pizza-Fahrer beschäftigt hatte, sagte dem „Boston Globe“: „Er hat täglich schwulenfeindliche, antisemitische und schwarzenfeindliche Rhetorik ausgespuckt.“

Fernsehbilder vom Ort der Festnahme zeigten, wie FBI-Beamte einen weißen Lieferwagen mit einer Plane abdeckten und dann abtransportierten. Bei dem Fahrzeug soll es sich um das Auto des Verdächtigen handeln. Nahaufnahmen zeigten eine Reihe von Bildern an dem Wagen, auf denen unter anderem Trump und sein Vize Mike Pence, die Aufschrift „CNN sucks“ (etwa: CNN ist ätzend) sowie ein Konterfei von Hillary Clinton mit einem Fadenkreuz im Gesicht zu sehen waren.

Die gefundenen Päckchen waren an Personen adressiert, die als Hassfiguren der politischen Rechten gelten. Neben Clinton und Obama waren Ex-Vizepräsident Joe Biden, der ehemalige CIA-Direktor James Brennan, der Milliardär und Spender für die oppositionellen Demokraten, George Soros, und der Schauspieler Robert De Niro darunter.

Als Absender war die frühere Parteichefin der Demokraten, Debbie Wasserman Schultz, angegeben. Laut der Anklageschrift enthielten die Adressen zahlreiche Rechtschreibfehler. So war unter anderem Hillary Clinton falsch geschrieben. Die Päckchen waren mit jeweils sechs Briefmarken frankiert, die eine wehende US-Flagge zeigen.


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