Bund kassiert Aussage aus Niedersachsen Massenhaftes Kükentöten: Ausstieg kommt doch nicht dieses Jahr

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Männliche Küken werden oft direkt nach dem Schlüpfen getötet. Foto: dpa/Peter EndigMännliche Küken werden oft direkt nach dem Schlüpfen getötet. Foto: dpa/Peter Endig

Osnabrück. Dieses Jahr wird es nichts mehr mit dem Ausstieg aus dem millionenfachen Töten männlicher Küken. Das hatte Niedersachsen angekündigt. Jetzt kassiert die Bundesregierung die Einschätzung, in einer Antwort auf Anfrage der Grünen.

Demnach wird es nach Einschätzung der Bundesregierung dieses Jahr zwar noch zum ersten Einsatz von Maschinen zur Geschlechtsbestimmung im Ei kommen. Eine branchenweite Umsetzung und der damit verbundene Ausstieg aus dem Kükentöten sei aber erst „bis zur Mitte der Legislaturperiode“ Ziel, schreibt Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (CDU). Das wäre womöglich nicht mehr in diesem Jahrzehnt.

Bislang werden jedes Jahr mehr als 40 Millionen männliche Küken direkt nach der Geburt vergast, weil sie weder Eier legen noch schnell genug Fleisch ansetzen. Größter Eierproduzent in Deutschland ist Niedersachsen, hier werden die meisten Küken vergast. Noch Ende April hatte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) im Interview mit unserer Redaktion gesagt: „Ich gehe davon aus, dass ab dem 1. Januar 2019 mit dem Kükentöten Schluss ist.“ Dem ist nun wohl nicht so. 

Wirtschaft: Praxiseinsatz ab 2019

Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) sagte am Freitag zum Zeitfenster des Ausstiegs: „Die Aussage der Bundesregierung ist aus unserer Sicht durchaus realistisch.“ Die zwei denkbaren Alternativverfahren „werden sicher erst im Jahr 2019 in die Praxisphase übergehen können.“ 

Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, konstatierte, dass es mit der aktuellen Bundesregierung beim Tierschutz in Deutschland nicht vorangehe. Das Kükentöten sei „ethisch falsch und nicht tragbar“. Bundesministerin Julia Klöckner (Grüne) müsse Förderprogramme auflegen, um kleineren Brütereien bei der Anschaffung der Maschinen zu helfen. Laut Bundesregierung sind bislang knapp fünf Millionen Euro in die Erforschung der Alternativtechniken geflossen.

Beim Bundesverwaltungsgericht sind zwei Klagen zum Kükentöten anhängig. Die abgewählte rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hatte Brütereien die Praxis untersagt. Die Unternehmen zogen gegen die Verfügung vor Gericht und siegten in zwei Instanzen. Jetzt muss das Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Laut Gericht ist eine Terminierung des Verfahrens für das erste Halbjahr 2019 vorgesehen.



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