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Landtagswahl Bayern 2018 Politisches Beben in Bayern: Debakel für CSU und SPD – Grüne auf Wolke sieben

Von dpa

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München. Krachende Niederlage für die sonst kraftstrotzende CSU: Ihre absolute Mehrheit in Bayern ist dahin. Die Grünen dagegen feiern. Es war eine denkwürdige Wahl in Bayern 2018.

Schallende Ohrfeige in Bayern für die alten Volksparteien: Bei der Landtagswahl haben die jahrzehntelang erfolgsverwöhnte CSU und die SPD dramatische Verluste eingefahren. Die CSU von Ministerpräsident Markus Söder und des Vorsitzenden Horst Seehofer büßt zweistellig ein, verliert ihre absolute Mehrheit und muss sich nun einen Koalitionspartner suchen. Die SPD mit Spitzenkandidatin Natascha Kohnen verzeichnet ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis und wird nur noch fünftstärkste Kraft. Damit sind beide Partner der großen Koalition von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geschwächt.

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Grüne Wahlgewinner

Die Grünen erzielen ihr bestes Ergebnis im Land und eines ihrer besten bundesweit. Die AfD zieht zweistellig ins Maximilianeum ein und ist jetzt in 15 von 16 Landtagen vertreten. Die FDP erlebt eine Zitterpartie um die Rückkehr ins Parlament nach fünf Jahren Abwesenheit. Die Linke verfehlt die Fünf-Prozent-Hürde erneut. 

Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF kurz vor 22 Uhr Uhr kommt die CSU auf knapp 37,3 Prozent. Die SPD halbiert mit Verlusten von rund 11 Punkten ihr Ergebnis von 2013 und landet bei 9,6 bis 9,7 Prozent. Zweitstärkste Kraft werden die Grünen mit 17,7 Prozent – mehr als eine Verdoppelung ihres bisherigen Ergebnisses. Es folgen die Freien Wähler mit 11,5 Prozent, dicht dahinter die AfD mit 10,3 Prozent. Die FDP stand am Abend mit 5,0 bis 5,1 Prozent auf der Kippe. Die Linke scheitert mit 3,2 bis 3,3 Prozent. 

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Suche nach Koalitionspartner

Damit muss sich nun die CSU, die Bayern seit 1962 mit Ausnahme der Wahlperiode 2008 bis 2013 allein regiert hat, einen Koalitionspartner suchen. Eine komfortable Mehrheit hätte eine schwarz-grüne Koalition, die Umfragen zufolge auch von vielen Bürgern bevorzugt wird. Söder erklärte jedoch noch am Freitag, dass das Programm der Grünen mit ihren Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann „nicht koalitionsfähig" sei. Kaum überbrückbar erscheinende Differenzen gibt es vor allem in Fragen der inneren Sicherheit und der Asylpolitik.

Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung machen sich die Freien Wähler von Parteichef Hubert Aiwanger. Nach den Hochrechnungen hätte eine solche Koalition eine knappe Mehrheit. Aiwanger sagte am Abend, seine Partei werde der CSU jetzt machbare Vorschläge vorlegen. "Und ich bin überzeugt, die CSU wird anbeißen." Eine Dreierkoalition zusammen mit der FDP von Spitzenkandidat Martin Hagen hätte eine satte Mehrheit - wenn denn die FDP in den Landtag einzieht.

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Söder weicht aus

Söder sagte: "Das ist ein schmerzhafter Tag." Die CSU habe aber den klaren Regierungsauftrag erhalten. "Vom Bundestrend sich völlig abzukoppeln, ist nicht so leicht." Journalistenfragen nach der Verantwortung von Parteichef Seehofer wich Söder aber aus. (Lesen sie auch: Desaster für GroKo-Parteien bei Bayern-Wahl)

Die Wählerwanderungsgrafik zeigt auf der linken Seite, wie viele Stimmen die Parteien im Vergleich zur letzten Wahl an andere Parteien verloren haben. Die SPD beispielsweise verlor laut infratest dimap insgesamt 480.000 Stimmen. Auf der rechten Seite der Grafik stehen die Stimmen, die von anderen Parteien hinzugewonnen wurden. So machten schätzungsweise 680.000 Menschen, die bei der letzten Landtagswahl noch für eine andere Partei gestimmt hatten, ihr Kreuz nun bei der erstmals zur bayrischen Landtagswahl angetretenen AfD.

Die Wählerwanderungen bei der Landtagswahl in Bayern 2018. Grafik: Anna Behrend; Quelle: Tagesschau/infratest dimap

Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen sind die Gründe für den Absturz der CSU "primär hausgemacht". Sie zeige bei Regierungsbilanz, Parteiansehen und Sachkompetenzen Defizite und habe "ein erhebliches Personalproblem": "Neben einem schwach bewerteten Ministerpräsidenten steht in Bayern ein massiv kritisierter Parteichef." Einer ARD-Analyse zufolge verlor die CSU 200.000 Wähler an die Grünen und jeweils 180.000 an Freie Wähler und AfD. 



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