Ein Bild von Marion Trimborn
12.10.2018, 19:23 Uhr FINANZKRISE

Warum Europa Italien Stoppschilder setzen sollte

Kommentar von Marion Trimborn

Italien bereitet den Euro-Partnern Sorge. Foto: imago/Ralph PetersItalien bereitet den Euro-Partnern Sorge. Foto: imago/Ralph Peters

Osnabrück Italien beschert Europa eine böse Überraschung: Die populistische Regierung lässt den Schuldenberg einfach weiter wachsen. Für eine Rettung reichen die Mittel aber nicht. Deshalb müssen die Euro-Staaten Italien bremsen. Ein Kommentar

Es ist ein Déjà-vu: Da verteilt eine Regierung trotz Rekordschulden weiter großzügig Wahlgeschenke, verspricht frühe Renten und niedrigere Steuern, hat aber gar nicht das Geld dafür. Dieses Mal geht es nicht um das Euro-Sorgenkind Griechenland, sondern um Italien, das sich auf waghalsige Weise ins Schuldenmachen stürzt.

Mit einem gravierenden Unterschied: Italien ist als drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ein völlig anderes Kaliber als das ökonomische Leichtgewicht Griechenland. Würde Italien zahlungsunfähig, käme der Euro-Rettungsschirm schnell an seine Grenzen.

Was treibt die populistische Regierung Italiens nur an? Pathos und übersteigerter Nationalismus gehören wohl dazu, aber auch Enttäuschung über EU-Partner, von denen Rom sich besonders in der Flüchtlingskrise verlassen fühlt. Es scheint, dass Italiens Politiker darauf spekulieren, Geld von anderen Euro-Staaten für die Rettung zu erzwingen oder eben aus dem Euro auszutreten. Genau da sollte die EU-Kommission ein Stoppschild setzen. Sie muss Rom klar machen, dass niemand auf Kosten anderer Länder leben kann. Auch das Tabu, dass kein Land aus dem Euro-Raum austreten kann, muss fallen. Sonst wäre Europa auf dem Weg in die Transferunion – mit Deutschland als Zahlmeister.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN