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12.10.2018, 17:04 Uhr KOMMENTAR ZUM FALL CHASCHUKDSCHI

Vermisster saudischer Journalist: Wie bei Bond und Bourne

Kommentar von Katharina Ritzer

Was ist mit dem saudischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi passiert? Der Fall wird immer mysteriöser und wietet sich zum Politikum aus. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpaWas ist mit dem saudischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi passiert? Der Fall wird immer mysteriöser und wietet sich zum Politikum aus. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpa

Osnabrück. Der saudische Journalist Dschamal Chaschukdschi wird seit dem Besuch des Konsulat seines Landes vermisst, die Türkei will Videobeweise für seine Ermordung haben – was wiederum illegales Ausspionieren wäre. Was nach einem spannenden Hollywood-Plot mit vielen Wendungen klingt, ist leider bedrückende Realität. Ein Kommentar.

Ein Anschlag auf einen russischen Doppelspion mit Nervengift aus Militärlaboren mitten in einer englischen Stadt, den der Mann knapp überlebt. Eine unbeteiligte Frau, die zufällig mit dem Giftgas in Kontakt kommt, stirbt. Ein prowestlicher ukrainischer Präsidentschaftskandidat, der bei einem Essen mit so reinem Dioxin, wie es nur in einem Labor hergestellt werden kann, vergiftet wird, dass er fast stirbt und im Gesicht schwer entstellt bleibt. Ein prominenter Kremlgegner, der mit radioaktivem Polonium 210 im Tee in London getötet wird. 

Klingt nach Hollywood, nach James Bond, Jason Bourne und Ethan Hunt? Mag sein, ist aber Sergej Skripal, Viktor Juschtschenko und Alexander Litwinenko ganz real und ganz brutal passiert. Dass nur ein Staat dahinter stecken kann, wird gut begründet vermutet und weniger gut begründet bestritten.

Nun soll ein saudischer Journalist in einem Konsulat in der Türkei von Agenten seines Heimatlandes gefoltert, ermordet und zerstückelt worden sein, als er Papiere abholen wollte. Die Leichenteile sollen in Koffern fortgeschafft worden sein. Und der türkische Staat hat das alles auf Video, weil er alle Konsulate und Botschaften auf seinem Boden illegal überwacht? Nicht ausgeschlossen, man traut in diesen Zeiten immer mehr Staaten immer schlimmere Schandtaten zu. Und es ist nichts und niemand in Sicht, der auch nur irgendeine Art von Ordnung wiederherstellt.


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