Landtagswahl 2018 in Bayern Debakel droht: Was passiert mit Söder und Seehofer nach der Wahl?

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Die Landtagswahl in Bayern steht kurz bevor. Der CSU stürzt in der Wählergunst weiter ab. Wer ist Schuld daran und was sind die Konsequenzen? Foto: dpa/Peter KneffelDie Landtagswahl in Bayern steht kurz bevor. Der CSU stürzt in der Wählergunst weiter ab. Wer ist Schuld daran und was sind die Konsequenzen? Foto: dpa/Peter Kneffel

München. Der CSU droht ein Wahldebakel. Am Montag trifft sich der Vorstand. Es könnte ungemütlich werden für Söder und Seehofer.

Für die meisten Bundesbürger steht bereits vor der Wahl in Bayern fest, dass hauptsächlich die Bundespolitik – namentlich Innenminister Horst Seehofer – für das erwartete schwache Abschneiden der CSU verantwortlich ist. Nach einer repräsentativen Emnid-Erhebung für die „Welt" sagte dies jeder zweite Befragte. Hingegen verortete nur jeder Dritte die Gründe für die aktuell schlechten CSU-Zahlen bei der Landespolitik.

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Eine Umfrage, die den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in seinen Aussagen bestätigt. Vor etwa einer Woche hatte er den schwarzen Peter ebenfalls nach Berlin geschoben. Seehofer schob ihn sogleich wieder zurück nach München – übrigens kurz vor einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt, auf dem die zwei CSU-Größen dann doch versuchten, Einigkeit zu demonstrieren. Doch das kommt wohl zu spät: Der CSU droht ein Debakel mit einem Absturz unter 35 Prozent der Wählerstimmen. Am Montag nach der Wahl trifft sich der CSU-Vorstand. Für wen wird es dann ungemütlicher: Söder oder Seehofer? Müssen beide sogar ihre Posten räumen?

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Was wird aus Horst Seehofer nach der Wahl?

Seehofer zeigte sich zuversichtlich, dass die CSU trotz schlechter Umfragewerte bei der Landtagswahl am 14. Oktober noch gut abschneiden kann. Grundsätzlich sei eine absolute Mehrheit auch heute noch möglich. Viele Parteimitglieder in der CSU haben den Vorsitzenden Seehofer jedoch als Hauptverantwortlichen für das erwartete Debakel ausgemacht. Ob und wie lange sich der 69-Jährige als Parteichef halten kann, ist offen – und dürfte ganz entscheidend vom Wahlergebnis abhängen. Die nächste reguläre Parteivorsitzenden-Wahl ist eigentlich erst in einem Jahr – ob er wirklich bis dahin weitermachen darf? Es ist nicht auszuschließen, dass Seehofer nach dem Wahlabend zum Rücktritt gedrängt wird. Mögliche Nachfolgekandidaten für den Parteivorsitz gibt es bereits:

  • Manfred Weber: Der Niederbayer ist stellvertretender Parteivorsitzender der CSU und damit Seehofers logischer Nachfolgekandidat. Weber gilt CSU-intern jedoch als (zu) liberal. Auch ist die Frage, wie und ob Weber den CSU-Chefposten mit der Kandidatur um das Präsidentenamt der EU-Kommission verknüpfen kann.
  • Markus Söder: Vielleicht macht es Seehofers Nachfolger aber wie Seehofer selbst und verknüpft Ministerpräsidentenamt mit Chefposten. In der CSU nicht unüblich, zumal es bereits schlechte Erfahrungen mit einer Doppelspitze gab: Edmund Stoiber und Theo Waigel teilten sich die Macht in der CSU und galten dabei als politische Rivalen.
  • Alexander Dobrindt: Der ehemalige Verkehrsminister gilt als Schützling Seehofers und als konservativer CSU-Mann. Er könnte vermutlich auf den Rückhalt der CSU-Spitze hoffen.
  • Joachim Herrmann: Der bayerische Innenminister Herrmann war bereits Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion. Herrmann ist jedoch Franke – wie auch Markus Söder. Und zwei Franken an der Spitze der CSU sind eher unwahrscheinlich, da die Partei wohl keine fränkische Doppelspitze dulden würde.
  • Ilse Aigner: Die CSU-Politikerin ist seit 20 Jahren Mitglied des Bundestags und kann auf reichlich Erfahrung in Berlin verweisen. Der CSU-Parteivorsitz gilt trotzdem als eher unwahrscheinlich.

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Was wird aus Markus Söder nach der Wahl?

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder scheint hingegen fest im Sattel zu sitzen – auch mangels personeller Alternativen. Das scheint paradox, könnte Söder die CSU bei der Landtagswahl am 14. Oktober zu einem historisch schlechten Ergebnis führen und doch davon profitieren.

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Bisher genießt Söder gerade bei den CSU-Politikern in Bayern Vertrauen. Seine Hausmacht hat sich der Ministerpräsident dabei auch erkauft. Nach außen, in dem er den Bayern von einem Familiengeld bis zu einem Pflegegeld zusätzliche Sozialleistungen spendierte. Nach innen, indem er gut dotierte neue Posten für Regierungsbeauftragte schuf. 

In der CSU glaubt bislang niemand ernsthaft, dass Söders politische Zukunft in Gefahr ist, zumindest solange die CSU weiter in der Regierung bleibt. Sein Engagement im Wahlkampf ist unbestritten, sein Vorteil ist auch, dass es niemanden in der Partei gibt, der einen ähnlichen Ehrgeiz hat wie er selbst. In der Landtagsfraktion ist sein Rückhalt angesichts der schlechten Umfragewerte beinahe schon erstaunlich stark. 


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