Ein Bild von Beate Tenfelde
11.10.2018, 15:58 Uhr LEHRERMANGEL UND KEIN PLAN

Was für ein Armutszeugnis!

Kommentar von Beate Tenfelde

Ein leeres Klassenzimmer mit Aktentasche und Heftestapel: Die Konferenz der Kultusminister diskutiert über den akuten Lehrermangel. Foto: imago stock&peopleEin leeres Klassenzimmer mit Aktentasche und Heftestapel: Die Konferenz der Kultusminister diskutiert über den akuten Lehrermangel. Foto: imago stock&people

ten Berlin. Der Deutsche Philologenverband sieht „eklatantes politisches Versagen“ bei der Planung des Lehrerbedarfs . Verbandschefin Lin-Klitzing forderte alle 16 Bundesländer auf, eine jährlich aktualisierte Schüler-Statistik vorzulegen . An die Kultusministerkonferenz richtete sie den Appell, die Daten zügig umzusetzen. Ein Kommentar.

Was für ein Armutszeugnis! Angesichts der Tatsache, dass geordneter Schulbetrieb derzeit kaum möglich ist und mangels ausgebildeter Pädagogen sogar Lehramtsstudenten unterrichten ,fallen dem Chef der Kultusministerkonferenz nur Binsenweisheiten ein. Mehr Studienplätze schaffen, ist sein Rat. Das reicht nicht, weil dies frühestens in einem Jahrzehnt aus der Misere helfen kann.

Fakt ist: Leider schafft es die aufgeblähte Kultusbürokratie bis heute nicht, halbwegs treffsicher zu planen. Dabei hätten die Länder Zeit gehabt, dem jetzt akuten Mangel vorzubeugen. Spätestens 2015 hätte die Konferenz der Kultusminister merken müssen, dass alle ihre Prognosen angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen nicht zu halten sind und es zudem durch eine Vielzahl neuer Aufgaben für Pädagogen zur Überlastung kommen würde. Neu ist das nicht: Den Ministern wurde schon vor zwei Jahrzehnten die Trägheit einer griechischen Landschildkröte nachgesagt. Daran scheint sich nicht geändert zu haben.

Aber auch manche Landesregierung fällt durch fahrlässige Planlosigkeit auf. Berlin ist dafür das krasseste Beispiel. Berichte aus maroden Schulen mit nicht mehr beherrschbarem Alltag schrecken Lehramtsbewerber ab. Dazu kommen der Reputationsverlust des Berufs und jetzt auch noch die Androhung von Bespitzelung durch die AfD. Lehrern werden gesellschaftliche Probleme aufgehalst, aber mit Wertschätzung sieht es trübe aus. Das muss sich ändern.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN