„Jährliche Prognosen“ Lehrerbedarf: Verband will solide Planung

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Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbande, drängt auf jährliche Prognosen beim Lehrerbedarf. Foto: Deutscher Philologenverband (DPhV)Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbande, drängt auf jährliche Prognosen beim Lehrerbedarf. Foto: Deutscher Philologenverband (DPhV)

Osnabrück. Der Deutsche Philologenverband sieht „eklatantes politisches Versagen“ bei der Planung des Lehrerbedarfs in einigen Bundesländern. „Solide Vorhersagen sind kein Hexenwerk“, sagte die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing unserer Redaktion.

Die Verbandschefin forderte jedes der 16 Bundesländer auf, eine jährlich aktualisierte Statistik über die Schülerzahl vorzulegen und zugleich eine Prognose über den zu erwartenden Lehrerbedarf zu erstellen. An die derzeit tagende Konferenz der Kultusminister richtete Lin-Klitzing den Appell, die Daten aktuell und zügig zusammenzustellen und ebenfalls jährlich zu aktualisieren. „Die KMK hat 2009 das letzte Mal gemeinsame Leitlinien zur Deckung des Lehrerbedarfs erstellt. Das ist ein schwaches Bild“, betonte Lin-Klitzing. In erster Linie die Länder, aber auch die KMK hätten die Entwicklung „schlicht verschlafen“.

Derzeit sei die Fehlplanung so gravierend, dass „ein geordneter Schulbetrieb nicht überall möglich ist“, sagte die Vorsitzende des Philologenverbands, dem 90.000 Gymnasiallehrer angehören. In Berlin seien hunderte Studierende nebenher in Schulen tätig. „Unterrichten statt Kellnern, das kann keine Lösung sein“, kritisierte die Verbandschefin. Allerdings dürfe man nicht alle Länder über einen Kamm scheren, in Bayern oder Baden-Württemberg gebe es eine solide Prognose für den Lehrerbedarf.

Zuvor war bekannt geworden, dass Deutschland auch in den kommenden Jahren ein erheblicher Lehrermangel droht. Bis zum Jahr 2030 sei bundesweit mit einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von knapp 32.000 Lehrern jährlich zu rechnen, heißt es in einer Prognose der Kultusminister der Länder. Auf der anderen Seite fehlen massiv Bewerber. Allein in Ostdeutschland und in Berlin wird nach einem Bericht des „Handelsblatts“ bis 2030 mit einer „Unterdeckung von durchschnittlich 29 Prozent gerechnet“.

Unverändert angespannt bleibt demnach die Lage vor allem für Berufsschulen. Hier rechnet die Kultusministerkonferenz (KMK) damit, dass auf durchschnittlich 3600 nötige Neueinstellungen pro Jahr lediglich 2900 Bewerber kommen.

„Große Engpässe“ werden den Berichten zufolge auch an den Grundschulen erwartet. Entwarnung gibt es lediglich für die Gymnasien, für die es ausreichend Lehrer gibt. Der Deutsche Lehrerverband hatte bereits vor zwei Monaten Alarm geschlagen und gewarnt, es fehlten derzeit fast 40.000 Lehrer. Der Verband sprach vom schlimmsten Lehrermangel seit 30 Jahren.

Auf der anderen Seite steigen die Schülerzahlen. Nach Berechnungen der KMK vom Mai wird sich die Zahl der Schüler von 10,9 Millionen im Jahr 2016 auf 11,2 Millionen im Jahr 2030 erhöhen. Der Chef der KMK, Helmut Holter, forderte mehr Plätze in Lehramtsstudiengängen. „Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden“, sagte Holter. Wichtig sei, dass alle Länder mitzögen, sagte Holter. „Ansonsten bilden vielleicht wenige Länder aus und die anderen sind Nutznießer“, sagte der Linke-Politiker. Zwar sei die Ausbildung von Lehrern in der Zuständigkeit der einzelnen Länder. „Aber alle haben eine gesamtdeutsche Verantwortung.“


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